Studie: Gesünderes Bräunen mit gemüsereicher Ernährung?

Alfred Domke

Gebräunter Hautton: Sonnenschutz durch gemüsereiche Ernährung

Bei den meisten Europäern gilt gebräunte Haut als Schönheitsideal. Gesundheitsexperten weisen allerdings immer wieder darauf hin, dass man beim Bräunen den Sonnenschutz nicht vergessen und sich dabei am UV-Index orientieren sollte. Deutsche Forscher untersuchen nun, ob auch bestimmte Lebensmittel die Haut vor UV-Strahlen schützen können.


Sonnenbaden gefährdet die Gesundheit

Zwar weisen Fachleute immer wieder darauf hin, dass die durch Sonnenbaden erzielte Bräune nicht gesund ist, doch viele Bundesbürger lieben es, sich bei heißen Temperaturen in die Sonne zu liegen. Vor allem bei Menschen mit heller Haut verbrennt die Haut dann schnell. Das sollte aber unbedingt vermieden und die gesundheitlichen Risiken nicht unterschätzt werden. Jeder einzelne Sonnenbrand wird auf dem eigenen Haut-Konto addiert. Dadurch erhöht sich das Hautkrebs-Risiko. Deshalb gilt es, stets auf ausreichenden Sonnenschutz zu achten. Helfen kann hier womöglich auch die richtige Ernährung. Denn manche Lebensmittel können einen gewissen Sonnenschutz bieten. Deutsche Forscher wollen nun untersuchen, inwiefern bestimmte Inhaltsstoffe die Haut vor UV-Strahlen schützen können.

Eine gemüsereiche Ernährung mit viel Karotten und Tomaten bietet einen gewissen Sonnenschutz, weil die Einlagerung der Carotinoide im Fettgewebe zu einem orangefarbenen Hautton führt. Forscher wollen nun untersuchen, ob Carotinoide auch vor zeitverzögerten Schäden schützen können. (Bild: travelbook/fotolia.com)

Carotinoide führen zu orangefarbenem Hautton

Australische Wissenschaftler berichteten im vergangenen Jahr über eine Studie, in der sich zeigte, dass der häufige Verzehr von Obst und Gemüse die Haut jünger und viel attraktiver aussehen lässt.

Ein gemüsereicher Speiseplan bringt aber noch mehr Vorteile mit sich. So ist seit längerem bekannt, dass eine karotten- und tomatenreiche Ernährung einen gewissen Sonnenschutz bietet, weil die Einlagerung der Carotinoide im Fettgewebe zu einem orangefarbenen Hautton führt.

Dies gilt für die Zeit direkt nach Einwirkung der UV-Strahlung. Darüber hinaus mehrten sich in den vergangenen Jahren Hinweise dafür, dass auch Stunden nach der Lichteinwirkung Zellschäden auftreten.

Schutz vor zeitverzögerten Schäden?

Darauf aufbauend wollen Ernährungswissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf nun genauer untersuchen, ob Carotinoide auch vor diesen zeitverzögerten Schäden schützen können.

Gefördert wird das gemeinsame Forschungsprojekt „Protektive Wirkungen carotinoidreicher Nahrungsmittel vor DNA-Schäden aus Reaktionen chemisch induzierter Triplettzustände von Melaninderivaten“ durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).

„Übermäßige Sonnenexposition ist der Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Hautkrebs“, erklärt PD Dr. Volker Böhm vom Institut für Ernährungswissenschaften der Uni Jena in einer Mitteilung.

„Zur Prävention bösartiger Hauttumore wird allgemein das Auftragen eines Sonnenschutzmittels empfohlen. Wir werden prüfen, ob als ergänzende Maßnahme Lebensmittelinhaltsstoffe wie Carotinoide einen endogenen Schutz bieten.“

Intensives Sonnenbaden ist regelrechter Freizeitsport geworden

Nach dem Sonnen bildet sich in der Haut als Lichtschutz das braune Pigment Melanin. In unerwünschten Nebenreaktionen können daraus aber auch reaktive Verbindungen entstehen, die Zellen oxidativ schädigen und möglicherweise zu Hautkrebs führen.

„Wir sehen uns an, ob Carotinoide, die als Antioxidantien wirken, diese Reaktionskette unterbrechen und ob sich mit ihnen gegensteuern lässt“, erläutert Prof. Dr. Wilhelm Stahl vom Institut für Biochemie und Molekularbiologie I der Uni Düsseldorf.

Für die Untersuchungen werden Carotinoide sowohl in isolierter Form als auch in Lebensmitteln wie Tomaten- oder Karottenkonzentrat in die Hautzelle bzw. ins Zellmodell eingebracht.

So soll der Nachweis gelingen, ob die rötlich färbenden Pigmente die zeitverzögerte Bildung von DNA-Schäden in der Haut verhindern können.

„Gerade in Zeiten, in denen intensives Sonnenbaden regelrecht ein Freizeitsport geworden ist, und angesichts der immer älter werdenden Gesellschaft steigt die Relevanz dieser Fragestellung“, sagt Dr. Böhm.

Positive Ernährungsempfehlungen

„Im Anschluss würden wir gern positive Ernährungsempfehlungen, die zum Hautschutz beim Sonnen beitragen, geben“, wünscht sich Prof. Stahl als Ergebnis.

Carotinoide wie zum Beispiel Lutein und Lycopin sind sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe und in vielen Obst- und Gemüsesorten enthalten. Besonders hoch ist ihr Anteil in Karotten, Tomaten, Spinat und Kürbis.

Neben der richtigen Ernährung ist es für den Sonnenschutz weiterhin wichtig, nicht beim Eincremen zu sparen. Dabei kommt es auch auf den Hauttyp an. Zudem wird dazu geraten, sich viel im Schatten aufzuhalten. (ad)