Studie: Gibt es eine Veggie-Persönlichkeit?

Sebastian
Gibt es eine Veggie-Persönlichkeit? Weiblich, liberal, politisch
»Sage mir, was du isst, und ich sage dir, wer du bist.« Das wusste bereits vor knapp 200 Jahren der französische Schriftsteller und Gastronom Jean Anthelme Brillat-Savarin. Vermeintlich. Denn lässt die Art der Ernährung tatsächlich auf Charaktereigenschaften und die Persönlichkeit schließen?

Vegetarier und Veganer haben weniger Vorurteile als Fleischesser. (Bild: Rido/fotolia.com)

Dieser Frage sind ganz aktuell die Wissenschaftler der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz nachgegangen. In einer zweigeteilten Studie haben sie den Versuch gewagt, die Persönlichkeitszüge von Vegetariern zu erforschen und mit denen von Fleischessern zu vergleichen.

In der ersten Untersuchung aus dem Jahr 2014 war die Definition von Vegetarismus strikt gewählt, während im zweiten Teil aus dem Jahr 2015 auch Menschen einbezogen wurden, die neben einer pflanzlichen Kost gelegentlich Fleisch und Fisch aßen. Die Auswertung beruhte auf Daten der Langzeitstudie Sozio-Oekonomisches Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Mehr als 5.000 Menschen wurden hier zu ihrer Ernährung und ihren persönlichen Einstellungen befragt.

Vegetarier und Veganer sind nach den Studienergebnissen in erster Linie Frauen, jünger und besser gebildet. Wer sich überwiegend vegetarisch ernährte, hatte häufig auch ein höheres Einkommen als Fleischesser. Außerdem sollen vegetarisch und vegan essende Menschen spezifische Persönlichkeitsmerkmale zeigen. Sie seien im Vergleich zu Fleischessern liberaler und offener für neue Erfahrungen, hätten ein größeres politisches Interesse und generell mehr Vertrauen in ihre Mitmenschen.

Nach eigenen Angaben sollen sie aber auch weniger gewissenhaft sein, erläutern die Psychologen im Fachblatt »Appetite«. Allerdings waren die Effekte gerade bei den Persönlichkeitsmerkmalen sehr klein, geben die Autoren selbst zu.

Die Studie wirft einige Fragen auf. Zum einen beruht die Einordnung in die Ernährungsstile lediglich auf eigenen Angaben der Probanden und nicht auf einer Auswertung der Ernährungsgewohnheiten. Zum anderen darf nicht vergessen werden, dass das Essverhalten sehr individuell ist. Das macht die Einordnung von Menschen in verschiedene »Persönlichkeitsschubladen« allein aufgrund ihrer Ernährungsweise wenig sinnvoll. Heike Kreutz, bzfe