Studie: Hepatitis B und Hepatitis C erhöhen das Parkinson-Risiko

Alexander Stindt
Mediziner untersuchen Auswirkungen von Hepatitis auf Parkinson
Parkinson ist eine weitverbreitete Erkrankung des zentralen Nervensystems. Forscher fanden jetzt heraus, dass Hepatitis B und Hepatitis C mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung der Parkinson-Krankheit verbunden sind.

Die Wissenschaftler der international anerkannten University of Oxford stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass Hepatitis B und Hepatitis C zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Parkinson führen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Neurology“.

Parkinson ist weitverbreitet und jedes Jahr wächst die Zahl der Betroffenen. Mediziner fanden nun heraus, dass Hepatitis B und Hepatitis C das Risiko für Parkinson massiv erhöhen. (Bild: Astrid Gast – fotolia)

Wie verbreitet ist Parkinson in Deutschland?
Alleine in Deutschland leiden etwa 300.000 Menschen an Parkinson. Die meisten Betroffenen erkranken im Zeitraum zwischen 50 und 70 Jahren. Schätzungsweise kommen jedes Jahr etwa 20.000 neue Parkinson-Erkrankungen hinzu.

Menschen mit Hepatitis haben ein erhöhtes Risiko für Parkinson
Wenn Menschen mit Hepatitis-Viren infiziert sind, haben sie ein um bis zu etwa 75 Prozent erhöhtes Risiko zur Entwicklung von Parkinson, erläutern die Autoren. Das Nervensystem ist ein bekanntes Ziel der Viren und sobald diese die Leber verlassen, kann es zu einer Parkinson-Diagnose kommen, erklären die Forscher.

Wie viele Menschen in Amerika leiden unter Hepatitis?
Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) schätzen, dass zwischen 850.000 und 2,2 Millionen Menschen in den USA mit chronischer Hepatitis B infiziert sind, während schätzungsweise 2,7 Millionen bis 3,9 Millionen Menschen chronische Hepatitis C haben, erklären die Autoren.

Wie überträgt sich Hepatitis?
Hepatitis B wird durch den Kontakt mit Blut und Körperflüssigkeiten einer infizierten Person übertragen, wie beispielsweise durch ungeschützten Sex, Tätowierung oder ein Piercing mit unsterilen Nadeln oder Hilfsmitteln. Auch das Teilen von Zahnbürsten und Rasierern mit infizierten Menschen kann zu einer Erkrankung führen. Hepatitis C wird ausschließlich durch Blut-zu-Blut-Kontakt übertragen. Auch hier sind das von Nadeln, Rasiermessern und Zahnbürsten eine möglicher Infektionsweg. Die Erkrankung kann außerdem bei von infizierten schwangeren Müttern an ihre Kinder weitergegeben werden, sagen die Wissenschaftler.

Viele Betroffene wissen nichts von ihrer Erkrankung
Während beide Formen von Hepatitis zu schweren Erkrankungen führen können, weisen viele Menschen nur wenige Symptome auf und wissen deshalb nicht, dass sie das Virus haben, erläutern die Autoren. Für die aktuelle Studie der University of Oxford in Großbritannien betrachteten die Forscher die Aufzeichnungen von fast 100.000 Menschen.

Zittern in einer Hand kann erstes Anzeichen für Parkinson sein
Die Parkinson-Krankheit ist eine sogenannte progressive neurologische Erkrankung. Die Krankheit entwickelt sich allmählich und beginnt manchmal mit einem kaum spürbaren Zittern in einer der Hände, sagen die Mediziner. Das Zittern ist wohl das bekannteste Zeichen der Erkrankung, sie verursacht jedoch auch häufig Steifheit und eine Verlangsamung der Bewegung.

Weitere Anzeichen und Symptome für Parkinson sind:
– Tremor
– Verlangsamte Bewegungen
– Starre Muskeln
– Beeinträchtigte Haltung und Balance
– Veränderungen der Sprache
– Veränderungen beim Schreiben

Parkinson kann bisher nicht geheilt werden. Medikamente können Betroffenen aber helfen, besser mit der Erkrankung umzugehen und ihre Symptome zu kontrollieren, erklären die Forscher.

Wie hoch ist das Risiko durch Hepatitis B oder C an Parkinson zu erkranken?
Den Angaben der Forscher zufolge haben Menschen mit Hepatitis B ein um 76 Prozent erhöhtes Risiko, Parkinson zu entwickeln. Menschen mit Hepatitis C zeigen ein um 51 Prozent erhöhtes Erkrankungsrisiko.

Genaue Verbindung ist noch unklar
Die Forscher sind sich nicht sicher, was genau die Verbindung zwischen dem Virus und Parkinson bedingt, sie haben allerdings einige Vermutungen. Es sei möglich, dass das Hepatitis-Virus selbst oder vielleicht die Behandlung der Infektionen eine Rolle bei der Auslösung der Parkinson-Krankheit spielen könnte, mutmaßen die Experten. Es könne aber auch sein, dass einfach anfällige Menschen für Hepatitis-Infektionen auch anfälliger für Parkinson sind. „Wir hoffen, dass die Identifizierung dieser Beziehung uns helfen kann, besser zu verstehen, wie sich die Parkinson-Krankheit entwickelt“, fügen die Autoren hinzu. Menschen mit autoimmuner Hepatitis, chronisch aktiver Hepatitis und HIV hatten den Angaben der Forscher zufolge keine erhöhte Rate von Parkinson. (as)