Studien: Kaltes Wetter kritischer für die Gesundheit als heißes

Sebastian
Mehr Todesopfer durch kaltes Wetter als durch heißes
„Kälte ist zwanzigmal häufiger die Todesursache als Wärme.“ Das ergab eine Studie von Forschern des Hygiene- und Tropeninstituts in London. Demnach ist nicht etwa große Hitze für die meisten Todesfälle verantwortlich, sondern kühle Temperaturen. Die meisten Untersuchungen konzentrierten sich bislang auf die gesundheitlichen Auswirkungen von extremer Wärme, nicht aber auf die Gefahr von Kälte. Den Forschern zufolge handelt es sich bei ihrer Studie um „die größte Untersuchung zum Zusammenhang zwischen Temperatur und Gesundheit.“

Kälte ist 20 Mal häufiger die Todesursache als Wärme
Die Forscher um Antonio Gasparrini vom Hygiene- und Tropeninstitut in London untersuchten 74 Millionen Todesfälle zwischen 1985 und 2012 in 13 Ländern (384 Regionen). In Europa waren Italien, Spanien, Schweden und Großbritannien vertreten. Die Daten wurden in Verbindung zu einer für jedes Land individuell berechneten Idealtemperatur gesetzt. Wie sich herausstellte, war Kälte zwanzigmal häufiger die Todesursache als Wärme. Während bei Hitze vor allem das Herz-Kreislauf-System belastet wird, steigt bei kühlen Temperaturen zudem das Risiko für Probleme mit den Atemwegen und einem geschwächten Immunsystem.

Kälte ist schlimmer als Wärme. Bild: Sergey Nivens/fotolia

Der Studie zufolge war Wärme lediglich für 0,42 Prozent aller Todesfälle verantwortlich, Kälte dagegen für 7,29 Prozent. Ein weiteres überraschend Ergebnis betrifft extreme Temperaturen. Sowohl bei eisiger Kälte als auch bei großer Hitze kam es temperaturbedingt zu relativ wenigen Todesfällen (weniger als ein Prozent). „Es wird davon ausgegangen, dass es die meisten Todesopfer durch Wetterextreme gibt. Das hat aber primär damit zu tun, dass sich ein Großteil der Forschung auf Hitzewellen konzentriert“, zitiert die Nachrichtenagentur „APA“ Studienleiter Gasparrini.

Die meisten Todesfälle, die auf das Klima zurückzuführen waren, wurden an etwas zu kalten und etwas weniger an mäßig warmen Tagen registriert. In Madrid etwa starben die meisten Menschen bei acht Grad. Bei 25 Grad hatte die Kurve ihren zweithöchsten Ausschlag. Dagegen zeigte die Kurve keine nennenswerten Ausschläge bei Temperaturen um die Null und über 30 Grad. Für Spanien ermittelten die Forscher eine Temperatur von 22 Grad als ideal für die Gesundheit.

Extreme Temperaturen könnten einen geringeren Einfluss auf die Sterberate haben als bislang angenommen
Die höchste temperaturbedingte Mortalität war auf Kälte zurückzuführen. Die Auswirkung von Tagen mit extremer Temperatur war wesentlich geringer als die mit milder, aber nicht optimaler Temperatur“, fassen die Forscher ihre Ergebnisse im Fachmagazin „The Lancet“ zusammen. „Dieser Nachweis hat wichtige Konsequenzen für die Planung von Maßnahmen der öffentlichen Gesundheit, die ergriffen werden sollten, um die gesundheitlichen Folgen der ungünstigen Temperaturen zu minimieren und für Prognosen zukünftiger Auswirkungen in Klimaschutzszenarien.“

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Kritische Stimmen warnen jedoch vor einer Überinterpretation der Ergebnisse. So zweifeln zwei Forscher der chinesischen Duke Kunshan Universität die Aussagekraft der Studie an. In einem Kommentar schreiben Keith Dear und Zhang Wang, dass wichtige Faktoren, die ebenfalls Einfluss auf die Sterblichkeit haben, wie Alter, Gesundheitszustand, wirtschaftlicher Status oder Luftverschmutzung nicht berücksichtigt worden seien. (ag)