Studie: Manche Lungenerkrankungen werden schon im Mutterleib vorprogrammiert

DIe Entwicklung von chronischen Lungenkrankheiten wird laut aktuellen Erkenntnissen mitunter schon im Mutterleib vorprogrammiert. (Bild: DragonImages/fotolia.com)
Fabian Peters
Chronische Lungenerkrankungen können „programmiert“ sein
Die Entwicklung chronischer Lungenkrankheiten wird vielfach in Zusammenhang mit Risikofaktoren gebracht, denen unsere Atemwege im Laufe der Jahre ausgesetzt werden. Allerdings könnten die Grundlagen für die Erkrankungen bereits viel früher in unserem Leben gesetzt werden, als bislang angenommen.

Von chronischen Lungenerkrankungen sind laut Angaben der Uniklinik Köln hauptsächlich Erwachsene ab dem 40. Lebensjahr betroffen. Oftmals werden die Erkrankungen mit bestimmten Risikofaktoren in Zusammenhang gebracht, wie beispielsweise beim Raucherhusten. Allerdings können die Ursachen der chronischen Lungenkrankheiten auch in der Zeit vor und nach der Geburt (Perinatalperiode) liegen, berichtet die Uniklinik Köln. Der angehende Kinderarzt Dr. Dr. Alejandre Alcázar von der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Köln habe in seinen Forschungsarbeiten herausgefunden, dass Lungenerkrankungen bereits während der Organentwicklung angelegt – „programmiert“ – werden.

DIe Entwicklung von chronischen Lungenkrankheiten wird laut aktuellen Erkenntnissen mitunter schon im Mutterleib vorprogrammiert. (Bild: DragonImages/fotolia.com)
DIe Entwicklung von chronischen Lungenkrankheiten wird laut aktuellen Erkenntnissen mitunter schon im Mutterleib vorprogrammiert. (Bild: DragonImages/fotolia.com)

Entwicklung der Lunge anfällig für Störungen
Die Perinatalperiode ist unumstritten von größter Bedeutung für die Entwicklung und Reifung aller Organe und Organfunktionen. Die Forschungen der vergangenen Jahre haben hier deutlich gemacht, dass in diesem kritischen Zeitfenster die Entwicklungsprozesse sehr anfällig gegenüber äußeren Einflüssen sind und langfristig „programmiert“ werden können, so die Mitteilung der Kölner Uniklinik. Eine besondere Stellung nehme dabei die Lunge ein, da ihre Reifung und ihr Wachstum noch weit nach der Geburt weitergehen. Durch Einflussfaktoren während der Schwangerschaft, wie eine Mangelversorgung des Kindes, Übergewicht (Adipositas) oder Rauchen der Mutter, könne die Lunge in Wachstum, Reifung und Funktion nachteilig beeinflusst werden.

Auswirkungen des Schwangerschaftsverlaufs auf die Entwicklung der Kinder
Nachdem Dr. Dr. Alejandre Alcázar im Jahr 2015 von der Stanford University an die Uniklinik Köln zurückgekehrt war, gründete er die Arbeitsgruppe (AG) Experimentelle Pneumologie, um die drei Forschungsschwerpunkte Beatmung, Sauerstoff und Ernährung weiter zu vertiefen. Der Fokus liege dabei auf der Identifizierung molekularer Mechanismen chronischer Lungenerkrankungen, die ihren Ursprung in dem kritischen perinatalen Zeitfenster der Entwicklung haben, berichtet die Uniklinik Köln. In experimentellen Tiermodellen habe das Forscherteam untersucht, „wie besondere Stoffwechselsituationen (Mangelversorgung des Fötus während der Schwangerschaft oder mütterliches Übergewicht) das Kind beeinflussen.“

Perinatale und frühkindliche Entwicklung mit weitreichenden Folgen
In früheren Studien war den Forschern bereits der Nachweis gelungen, dass eine Unterernährung im Mutterleib zu eingeschränkter Lungenfunktion führt. In den folgenden Untersuchungen fanden sie heraus, „dass eine beschleunigte Gewichtszunahme nach der Geburt langfristig zu einer asthmaähnlichen Erkrankung führen kann“, so die Mitteilung der Uniklinik Köln. Diese neue Erkenntnis unterstreiche nicht nur die enorme Bedeutung der frühkindlichen Entwicklungsphase und der Perinatalen Programmierung, sondern definiere auch Ansätze zur Prävention von chronischen Lungenerkrankungen. Für seine Arbeit wurde Dr. Dr. Alcázar mit dem Heinrich Nestlé Wissenschaftspreis ausgezeichnet.

„Wenn wir die molekularen Mechanismen kennen, die rund um die Geburt stattfinden, können wir neue präventive Ansätze für chronische Lungenerkrankungen finden“, betont Dr. Dr. Alcázar. Es wäre möglich, in den Prozess einzugreifen bevor eine Krankheit entsteht, und so nicht nur das Kind, sondern auch den späteren Erwachsenen zu schützen, erläutert der Preisträger. (fp)

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