Studie: Pausenloser Stress am Arbeitsplatz kann Krebs bedingen

Alexander Stindt
Studie untersucht die Auswirkungen von Stress am Arbeitsplatz auf Krebserkrankungen
In der heutigen Zeit leiden immer mehr Menschen unter den Auswirkungen von Stress am Arbeitsplatz. Forscher fanden jetzt heraus, dass Stress bei der Arbeit signifikant die Wahrscheinlichkeit für einige Arten von Krebs erhöht. Zu diesen gehören beispielsweise Magen- und Lungenkrebs.

Die Wissenschaftler der Quebec University stellten bei einer Untersuchung fest, dass bei der Arbeit auftretender Stress zu einem erhöhten Krebsrisiko führt. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Preventative Medicine“.

Zu viel Stress ist ungesund für den menschlichen Körper. Forscher fanden bei einer Studie heraus, dass dauerhafter arbeitsbedingter Stress bei Männern zu verschiedenen Krebserkrankungen führen kann. (Bild: Rido/fotolia.com)

Dauerhafter Stress bei der Arbeit kann zu Krebs führen
Wenn Männer 15 Jahre in einem stressigen Job arbeiten, steigt dadurch ihr Risiko für fünf verschiedene Arten von Krebs. Zu diesen gehörten beispielsweise auch Magen- und Lungenkrebs, sagen die Autoren. Bereits vorher wurde festgestellt, dass Stress im Job den gesunden Blutdruck gefährden kann. Generell sollten Arbeitsunsicherheit, hohe Arbeitsbelastung und Zeitdruck unbedingt als ein Problem der öffentlichen Gesundheit betrachtet werden, erläutern die Experten.

Bisher war die Verbindung zwischen Stress und Krebs noch unbestätigt
Obwohl bereits seit langer Zeit bekannt ist, dass Stress eine Reihe von Problemen bei der menschlichen Gesundheit auslöst, hatte die Forschung bisher nur schwache Beweise dafür, dass Stress auch Krebs auslösen kann, erklären die Wissenschaftler. Einige Studien hätten bereits eine Verbindung zwischen verschiedenen psychologischen Faktoren und einem erhöhten Risiko der Entwicklung von Krebs ergeben. Andere Studie konnten dagegen diese Ergebnisse nicht bestätigen, berichten die Wissenschaftler.

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Arbeitsbelastung und Zeitdruck verursachen Stress am Arbeitsplatz
Die aktuelle Studie versuchte eine Verbindung zwischen Stress bei der Arbeit und Krebserkrankungen zu belegen. Dafür untersuchten die Wissenschaftler der Quebec University die Prävalenz von Krebs bei Männern mit arbeitsbedingtem Stress. Arbeitsbelastung und Zeitdruck waren hier nicht die einzigen beiden Faktoren der Belastung, welche von den Teilnehmern angegeben wurden.

Weitere Gründe für Stress am Arbeitsplatz:
Einige der 3.103 teilnehmenden erwachsenen Probanden, bei welchen Krebs diagnostiziert wurde, klagten auch über Arbeitsunsicherheit, finanzielle Probleme und den Umgang mit Kunden. Andere schlossen beispielsweise anspruchsvolle oder gefährliche Arbeitsbedingungen, Mitarbeiterüberwachung und zwischenmenschliche Konflikte mit ein, erläutern die Autoren.

Zu welchen Krebserkrankungen kann Stress bei der Arbeit führen?
Es konnten signifikante Verbindungen von Stress bei der Arbeit zu Magen-, Lungen-, Dickdarm- und Darmkrebs festgestellt werden. Auch das Auftreten des sogenannten Non-Hodgkin-Lymphoms wurde durch den auftretenden Stress beeinflusst. Die festgestellten gesundheitlichen Probleme wurden bei Männern diagnostiziert, die jeweils 15 Jahre lang arbeitsbedingtem Stress ausgesetzt waren, sagen die Experten. Solche eine Verbindung konnte allerdings nicht festgestellt werden, wenn die Probanden für weniger als 15 Jahre einem hohen Druck am Arbeitsplatz ausgesetzt waren.

Stress führt auch zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Andere Untersuchungen hatten bereits ergeben, dass ein stressiges Leben signifikant das Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfälle erhöht. Wissenschaftler der anerkannten Harvard Medical School entdeckten bei ihrer Studie, dass Angst und Stress direkt mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Zusammenhang stehen. Die Ergebnisse verbinden das psychische Wohlbefinden mit der allgemeinen körperlichen Gesundheit. Aus diesem Grund sollten Ärzte bei der Behandlung von Menschen mit chronischem Stress besonders auf ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte achten.

Weitere Forschung ist nötig
Menschen die unter viel Stress leiden, könnten zum Rauchen, zur Überernährung und zum Alkoholkonsum neigen, glauben die Experten. Die am meisten belasteten Arbeitsplätze hatten beispielsweise Feuerwehrleute, Ingenieure und Mechaniker. Die Assoziation zwischen dem am Arbeitsplatz wahrgenommenen psychischen Stress (über die gesamte berufliche Laufbahn) und Krebs bei Männern sei zuvor noch nie beurteilt worden, erläutert der Studienautor Dr. Blanc-Lapierre von der Quebec University. Aber die Forscher sagen auch, dass die Resultate noch nichts beweisen und auf einer zusammenfassenden Bewertung von spezifischen Jobs basieren. Es sei weitere Forschung notwendig, um zuverlässige Belastungsmessungen zu erstellen, welche alle Quellen berücksichtigen. (as)