Studie: Sitzen und TV verkürzen das Leben

Fabian Peters

Tätigkeiten im Sitzen verkürzen Lebenserwartung

10.07.2012

Langes Sitzen und Fernsehen kann die Lebenserwartung mindern. US-Forscher fanden heraus, dass ausgiebige Tätigkeiten im Sitzen die Lebenszeit durchschnittlich um rund zwei Jahre verkürzen. Auf Basis der Daten des „National Health and Nutrition Examination Survey“ (NHANES) haben die Forscher um Peter Katzmarzyk vom Pennington Biomedical Research Center an der Louisiana State University und I-Min Lee von der Harvard Medical School in Boston den Zusammenhang zwischen der Lebensdauer und sitzenden Tätigkeiten untersucht. Dabei registrierten sie eindeutige negative Auswirkungen des Sitzens und Fernsehens auf die Lebenserwartung.

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Zusammenhang zwischen den Sitzzeiten und der Lebensdauer
Die Daten des NHANES ermöglichten den Forschern eine detaillierte Erfassung der Zeit, die im Sitzen beziehungsweise vor dem Fernseher verbracht wurde. Außerdem berücksichtigen Katzmarzyk und Lee in ihrer Metastudie die Ergebnisse fünf früherer Studien mit einer Teilnehmerzahl von insgesamt 167.000 Probanden. Die älteren Untersuchungen hatten sich ebenfalls mit möglichen Zusammenhängen zwischen den Sitzzeiten und unterschiedlichen Todesursachen beschäftigt. Wie die US-Wissenschaftler in dem „British Medical Journal“ berichten, zeigen die „Ergebnisse ihrer Studie, dass die Beschränkung der Sitzzeiten auf weniger als drei Stunden pro Tag und die Begrenzung der Fernsehkonsum auf unter zwei Stunden pro Tag die Lebenserwartung bei Geburt in den USA um circa 2,0 beziehungsweise 1,4 Jahre erhöht. “ Stets unter der Annahme eines kausalen Zusammenhang, der bisher jedoch nicht eindeutig wissenschaftlich belegt ist. „Unsere Analyse geht davon aus, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen sitzenden Tätigkeiten und der Mortalität“ gibt, doch muss dieser im Rahmen weiterer Forschung erst noch belegt werden, berichten Katzmarzyk und Lee.

Sitzen senkt die Lebenserwartung stärker als Adipositas
Laut Aussage der Forscher wird die negative Wirkung des langen Sitzens und Fernsehens im Vergleich mit anderen gesundheitlichen Risikofaktoren besonders deutlich. „Zum Beispiel wird geschätzt, dass Adipositas die Lebenserwartung bei Geburt in den USA um 0,30 bis 1,08 Jahre “ verkürzt und das Rauchen mit einer um bis zu 2,5 Jahre geringeren Lebenserwartung einhergeht, berichten die US-Forscher über die Ergebnisse früherer Studien. Damit seien die negativen Auswirkungen des Bewegungsmangels beziehungsweise des langen Sitzens und Fernsehens auf die Lebensdauer durchaus so schwerwiegend wie bei den allgemein bekannten Risikofaktoren. Dies gelte auch für chronische Krankheiten, so Lee und Katzmarzyk weiter.

Verhaltensänderung zur Erhöhung der Lebenserwartung erforderlich
„Zusammenfassend deuten die Ergebnisse dieser Studie darauf hin, dass längere „Zeit sitzen und fernsehen das Potenzial hat, die Lebenserwartung in den USA deutlich zu reduzieren“, schreiben die Wissenschaftler. Denn die Daten des NHANES zeigen, dass Erwachsene in den USA „im Durchschnitt 55 Prozent ihrer Zeit im sitzen verbringen.“ Nach Ansicht der US-Forscher ist „eine signifikante Verhaltensänderung bei der Bevölkerung erforderlich, um zu nachweisbaren Verbesserungen bei der Lebenserwartung zu kommen“. Allerdings seien vorerst weitere Forschung erforderlich, um die „Auswirkungen der Reduzierung sitzender Tätigkeiten auf den Gesundheitszustand zu ermitteln und Empfehlungen“ auszusprechen, so das Fazit von Peter Katzmarzyk und I-Min Lee. (fp)

Bild: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de