Studie verharmlost Handy-Risiken

Fabian Peters

Experten kritisieren dänische Studie zu Handy-Risiken

31.10.2011

Der Streit um die Auswirkungen der Handy-Strahlung auf die Gesundheit geht in die nächste Runde. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hatte im Mai vor der „möglicherweise krebserregenden“ Wirkung der elektromagnetischen Felder von Mobiltelefonen gewarnt, dänische Forscher vom Institut für Krebsepidemiologie in Kopenhagen kamen hingegen im Oktober zu dem Ergebnis, dass von der gewöhnlichen Handy-Nutzung keine erhöhte Krebsgefahr ausgehe.

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Die Ergebnisse der dänischen Forscher stießen bei zahlreiche Nichtregierungsorganisationen und Experten jedoch auf erhebliche Kritik, denn die Studie weise „schwere Fehler“ auf, so der Vorwurf der französischen Nichtregierungsorganisation (Non-Governmental Organization, NGO) „Robin des Toits“. Die methodischen Fehler der Studie seine offensichtlich. Ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Hirntumoren und der Mobiltelefon-Nutzung könne auf Basis der am 20. Oktober in dem Fachmagazin „British Medical Journal“ veröffentlichten dänischen Studie, nicht ausgeschlossen werden, so die Kritik der NGOs.

Studie zu Handy-Risiken mit erheblichen Fehlern
Zahlreiche Umwelt- und Verbraucherorganisationen hatten sich unmittelbar nach Veröffentlichung der dänischen Studie über die ihrer Ansicht nach dreiste Datenfälschung bei der Mobilfunkforschung beschwert und methodische Schwächen der Untersuchung angeprangert. Diesen Vorwürfen schlossen sich aktuell auch die Experten der französischen NGO „Robin des Toits“ an. Als wesentliche Fehler benannte „Robin des Toits“, dass die Nutzer von Firmenhandys im Rahmen der Untersuchung nicht berücksichtigt wurden und der Studienzeitraum nicht ausreiche, um belastbare Aussagen zu treffen, da Hirntumore oftmals erst nach 30 Jahren zum Ausbruch kommen. Diese lange Latenzzeit finde in der aktuellen Studie, bei der Daten aus dem Zeitraum 1982 und 1995 berücksichtigt wurden, keine Beachtung. Zudem sei im Rahmen der dänischen Untersuchung das Krebsrisiko bei Kindern durch die Mobilfunkstrahlung nicht genauer analysiert worden, wobei diese nach Einschätzung zahlreicher Experten besonders empfindlich auf die Strahlung reagieren. Insgesamt sei die Studie, bei der die Daten von mehr als 350.000 Handy-Nutzern aus 13 Jahren ausgewertet wurden, daher nicht aussagekräftig. Mögliche Zusammenhänge zwischen der langfristigen Nutzung von Mobiltelefonen und den Tumorerkrankungen im Gehirn können weiterhin nicht ausgeschlossen werden, so die Kritik der Experten von „Robin des Toits“.

Zusammenhang zwischen Handy-Nutzung und Hirntumoren
Die französische NGO beruft sich bei ihren Aussagen auch auf den britischen Professor der Universität Bristol und Spezialisten für die Auswirkungen von Strahlen auf die menschliche Gesundheit, Dens Henshaw, der die Ergebnisse der dänischen Studie als „wertlos“ bezeichnet hatte. Außerdem zitiert „Robin des Toits“ die Expertin des US-Gesundheitsinstituts „Environmental Health Trust“, Devra Davis, die erklärte, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Ergebnisse der dänischen Studie bei der Bewertung der Mobilfunk-Gesundheitsrisiken nicht berücksichtigen werde, da „die Untersuchung nicht als zuverlässig bewertet“ sei. Damit gilt weiterhin die Studie des Internationalen Krebs-Forschungszentrums als aktuelle Basis der WHO-Einstufung der Gesundheitsrisiken durch Handystrahlung. Die im Mai veröffentlichte Interphone-Studie der IARC kam beim Vergleich der Daten aus 13 Ländern zu dem Ergebnis, dass eine geringfügig erhöhte Wahrscheinlichkeit von Erkrankung an speziellen Hirntumoren (Gliome) bei Personen besteht, die besonders viel mit dem Handy telefonieren. Ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Hirntumoren und der Handy-Nutzung kann daher auch nach Einschätzung der WHO nicht ausgeschlossen werden. (fp)