Studie: Wieso Schlafmangel uns Menschen hungrig macht

Warum Schlafmangel dick macht. Bild: von Lieres - fotolia
Alfred Domke
Neue Studie: Warum uns Schlafmangel hungrig macht
Menschen, die zu wenig schlafen, greifen eher zu fetten, salzigen und süßen Snacks, um ihren Heißhunger zu stillen. Damit steigt die Gefahr für Übergewicht und Adipositas. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass offenbar ein cannabisähnlicher Stoff für die schwächelnde Selbstkontrolle verantwortlich ist.
Schlafmangel gefährdet die Gesundheit
Dass Schlafmangel ungesund ist, konnte schon in zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen belegt werden. Er sorgt nicht nur für ständige Müdigkeit und Bluthochdruck, sondern ist in vielen Fällen sogar Ursache für Diabetes und Herzinfarkte Außerdem kann man durch Schlafmangel dick werden, weil sich bei zu kurzem Schlaf ein Heißhunger auf Dickmacher wie fette und süße Snacks einstellt. Dies haben schon frühere Untersuchungen ergeben. Eine neue Studie hat nun gezeigt, warum unsere Selbstkontrolle in diesem Zustand schwächelt. Im Körper werden Substanzen mit drogenähnlicher Wirkung ausgeschüttet.

Warum Schlafmangel dick macht. Bild: von Lieres - fotolia
Warum Schlafmangel dick macht. Bild: von Lieres – fotolia

Appetit wegen drogenähnlicher Stoffe
Wer nachts wenig schläft, kann ungesunden Lebensmitteln schlechter widerstehen. Er isst mehr und läuft so Gefahr, übergewichtig zu werden. Warum das so ist, hat Experten zufolge mit den Hormonen zu tun. Übermüdung sorgt dafür, dass der Ghrelin-Spiegel steigt. Dieses Hormon erhöht den Appetit. Gleichzeitig fällt der Spiegel des Sättigungshormons Leptin. Wissenschaftler um Erin Hanlon von der University of Chicago haben nun jedoch entdeckt, dass der Appetit durch chronischen Schlafentzug noch auf weitere Weise beeinflusst wird. Endocannabinoide, körpereigene cannabisähnliche Stoffe, scheinen hier eine Rolle zu spielen.

Zweiteiliges Schlafexperiment
Um den Ursachen des Heißhungers auf den Grund zu gehen, wurden 14 gesunde Erwachsene einem zweiteiligen Schlafexperiment unterzogen. Diese durften zunächst vier Tage lang im klinischen Forschungszentrum verbringen, erhielten drei Mal täglich eine Mahlzeit und schliefen etwa siebeneinhalb Stunden, wie die „Washington Post“ berichtet. Beim zweiten ebenfalls viertägigen Aufenthalt war bis auf die Schlafmenge alles identisch. Die Probanden schliefen im Schnitt lediglich 4,2 Stunden. Während der Testphasen wurden regelmäßig die Hormone Ghrelin und Leptin im Blut der Teilnehmer gemessen. Des Weiteren untersuchten die Forscher das Blut auf das körpereigene Cannabinoid 2-Arachidonylglycerol (2-AG), das im Körper an dieselben Rezeptoren andockt wie die berauschenden Inhaltsstoffe der Cannabispflanze.

Verlangen im Zaum halten
Wie die Wissenschaftler im Fachmagazin „Sleep“ berichten, war der 2-AG-Spiegel bei den ausgeschlafenen Studienteilnehmern morgens niedrig, kurz nach Mittag erreichte er seine Spitze und sank dann wieder ab. Mussten die Probanden aber bereits nach kaum mehr als vier Stunden Schlaf aus den Betten, stieg 2-AG stärker an und erreichte seinen Höhepunkt erst gegen 14 Uhr. Der Spiegel des Endocannabinoids blieb bis zum Abend erhöht. Die Teilnehmer im müden Zustand empfanden mehr Hunger. Dieser Eindruck wurde im weiteren Verlauf auch experimentell bestätigt. Als die Probanden zwei Stunden nach dem Mittagessen eine große Schüssel mit Snacks zur freien Entnahme vorgesetzt bekamen, hatten die Übermüdeten den Forschern zufolge große Schwierigkeiten, ihr Verlangen im Zaum zu halten. Sie nahmen demnach fast doppelt so viele Kalorien wie die in ausgeschlafener Verfassung zu sich.

Bei Schlafentzug fällt es schwer zu widerstehen
Dass Schlafmangel auf die Hüften schlagen kann, ist also weiter nicht verwunderlich. „Wir fanden heraus, dass Schlafentzug ein Signal verstärkt, das den hedonistischen Aspekt der Nahrungsaufnahme erhöhen kann“, sagte Hanlon. „Wenn Sie ein Snickers haben und genug Schlaf hatten, können Sie Ihre natürliche Reaktion steuern.“ Bei Schlafentzug ist dies aber nicht mehr so einfach, dann kann die Fähigkeit, zu widerstehen beeinträchtigt werden. Etwas problematisch an der Studie ist die geringe Teilnehmerzahl sowie der kurze Untersuchungszeitraum. (ad)

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