Studie: Zu wenig Personal für die Kinderbetreuung

Sebastian
Kitas und Krippen: Kinder werden nicht überall gleich gut betreut
Laut einer neuen Studie hat die Qualität der Kinderbetreuung in Krippen, Kitas und Kindergärten zugenommen. Allerdings gibt es in den verschiedenen Bundesländern deutliche Unterschiede. Die Untersuchung zeigte zudem, dass es noch immer zu wenig Personal für die Kinderbetreuung in Deutschland gibt.

Belastung durch befristete Arbeitsverträge
Obwohl die Qualität der Betreuung in fast allen Bundesländern zugenommen hat, gibt es in den Kitas weiterhin zu wenig Personal. Dies ergab eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Zugleich belasten befristete Arbeitsverträge und ein besonderer Zeitdruck für Teilzeitarbeitskräfte die Erzieherinnen. Ein weiteres Problem dürfte sein, dass es oft zu Ausfällen beim Personal kommt. So zeigte eine Studie der Techniker Krankenkasse (TK) vor kurzem, dass Kita-Erzieherinnen häufiger krank als der Durchschnitt sind. Zurückzuführen sei dies unter anderem auf Überlastung, aber auch darauf, dass sie bei der Arbeit mit Kindern vielen Viren und Bakterien ausgesetzt sind. Durch den Ausfall von kranken Kolleginnen steigen für die arbeitsfähigen Erzieherinnen Stress und gesundheitliche Belastung.

Zu wenig Menschen arbeiten in Deutschlands Kitas. Bild. Robert Kneschke - fotolia
Zu wenig Menschen arbeiten in Deutschlands Kitas. Bild. Robert Kneschke – fotolia

Betreuungsverhältnisse verbesserten sich fast überall
Die Ergebnisse des aktuellen „Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme“ belegen nach Einschätzung der Experten die Notwendigkeit von bundesweit einheitlichen Qualitätsstandards für Kindertagesbetreuung. Laut der Untersuchung kommen derzeit auf eine Kita-Fachkraft in Vollzeit durchschnittlich 4,4 ganztags betreute Krippenkinder oder 9,5 Kindergartenkinder. Zwei Jahre vorher war eine Erzieherin im Durchschnitt noch für 4,8 Krippenkinder oder 9,8 Kindergartenkinder zuständig. Die Betreuungsverhältnisse verbesserten sich damit in fast jedem Bundesland. Allerdings wurden erhebliche Unterschiede in der Betreuungsqualität festgestellt.

Der Studie zufolge weisen die Kitas in Baden-Württemberg die besten Personalschlüssel auf. Demnach kommen im Südwesten der Republik auf eine Erzieherin 3,1 Krippenkinder und 7,7 Kindergartenkinder. Baden-Württemberg erreicht damit beinahe das von der Bertelsmann-Stiftung empfohlene Betreuungsverhältnis, demzufolge eine Erzieherin für höchstens drei unter Dreijährige oder 7,5 Kinder ab drei Jahren zuständig sein sollte. Allerdings wiesen die Fachleute darauf hin, dass das tatsächliche Betreuungsverhältnis im Kita-Alltag ohnehin ungünstiger ausfalle als der Personalschlüssel. Dies deshalb, weil Erzieherinnen mindestens ein Viertel ihrer Zeit für Team- und Elterngespräche, Dokumentation und Fortbildung aufwendeten.

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Situation im Westen besser als im Osten
Die Studie bescheinigt auch den Bundesländern Hamburg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt erkennbar bessere Personalschlüssel. Mit einem Betreuungsverhältnis von eins zu 5,1 bei den unter Dreijährigen bleibt Hamburg trotz Verbesserung weiter das Schlusslicht im Westen. Sachsen (eins zu 6,5) und Sachsen-Anhalt (eins zu 6,4) sind die Schlusslichter. Im Osten sieht es allgemein deutlich schlechter aus. So liegt der Personalschlüssel in den Kinderkrippen in den neuen Bundesländern bei eins zu 6,1, im Westen bei eins zu 3,6. Für die Kindergartengruppen sind die Personalschlüssel in den West-Ländern im Durchschnitt ebenfalls besser als in den neuen Ländern. Dafür liegt der Anteil der Kinder unter drei Jahren in Kitas im Osten mit 46,6 Prozent erheblich höher als im Westen (22,7 Prozent). Der Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, Jörg Dräger, sagte: „Die Personalschlüssel sind längst noch nicht überall kindgerecht und pädagogisch sinnvoll, aber der Trend ist positiv.“

Klare Regelungen fehlen
Für ihren aktuellen Ländermonitor hatte die Bertelsmann-Stiftung außerdem die strukturellen Arbeitsbedingungen in den Kitas analysiert. Dabei zeigte sich, dass derzeit in kaum einem Bundesland klar geregelt ist, wie viel Arbeitszeit für Aufgaben neben der eigentlichen pädagogischen Arbeit mit den Kindern reserviert ist. Vollzeitkräfte können für Team- und Elterngespräche, Dokumentation und Fortbildung im Normalfall ausreichend Zeit einplanen, doch die Teilzeitkräfte geraten der Studie zufolge dabei unter Druck. Laut der Untersuchung arbeiten aber immerhin 41 Prozent der Kita-Mitarbeiter weniger als 32 Wochenstunden. Den Angaben zufolge haben von den ausgebildeten Fachkräften unter 25 Jahren ebenfalls 41 Prozent lediglich ein befristetes Arbeitsverhältnis. (ad)

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