Studie zum Vogelgrippe-Supervirus veröffentlicht

Fabian Peters

Killer-Virus: Studie wird nun doch veröffentlicht

06.05.2012

Die Studienergebnisse zu dem im Labor gezüchteten Supervirus werden nun doch umfassend veröffentlicht. Bereits Ende letzten Jahres sollten in den Wissenschaftsmagazinen „Nature“ und „Science“ eigentlich zwei Studien abgedruckt werden, die mögliche Mutationen des Vogelgrippe-Virus H5N1 zu einem humanpathogenen Erreger darstellen. Mit dem Hinweis auf die Gefahr des Bioterrorismus hatte sich die amerikanische Regierung jedoch gegen eine Veröffentlichung ausgesprochen.

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Nachdem in den vergangenen Monaten ein heftiger Disput zwischen dem Beratergremium für Biosicherheit der amerikanischen Regierung (NSABB) und den Redaktionen der Wissenschaftsmagazine „Nature“ und „Science“ über den Umgang mit zwei Studien zu mutierten H5N1-Viren ausgetragen wurden , haben sich die Zeitschriften auf Basis externer Gutachten nun zu einer umfassenden Veröffentlichung entschieden. In den beiden unabhängigen Studien hatten zwei Forscherteams durch genetische Manipulation in wenigen Mutationsschritten aus dem Vogelgrippe-Virus H5N1 einen für Menschen hochpathogenen Erreger erzeugt.

Nutzen der Veröffentlichung überwiegt die Risiken des Missbrauch
Eine Veröffentlichung der Studien könnte als Bauplan für humanpathogene Vogelgrippe-Erreger missbraucht werden, so die Befürchtung der US-Behörde. Dem hielten die Redaktionen der beiden Wissenschaftsmagazine entgegen, dass nur durch eine umfassende Bekanntgabe der Ergebnisse möglichen Gesundheitsgefahren adäquat vorgebeugt werden könne. Dennoch wurde die Veröffentlichung verschoben und zunächst ein Expertengremium gebildet, dass eine objektive Bewertung vorlegen sollte. Auf Basis der Einschätzung des Gremium hat sich „Nature“ nun für eine Veröffentlichung entschieden und die „wesentlichen wissenschaftlichen Elemente" der Studien unverändert abgedruckt. Man habe „mehrere unabhängige Ratschläge“ von renommierten Sicherheitsexperten eingeholt und sei dabei zu dem Schluss gekommen, dass der Nutzen einer Veröffentlichung der Studienergebnisse höher liegt, als die Risiken eines Missbrauch zur Konstruktion einer Biowaffe.

US-Behörde für Biosicherheit nicht länger gegen eine Veröffentlichung
Zuletzt hatte auch die NSABB – nach massiver Kritik an ihrem Vorgehen durch die Redaktionen von „Science“ und „Nature“, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und zahlreiche Virologen weltweit – eingelenkt und sich nicht länger gegen die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse aus den Studien von Ron Fouchier, Professor an der Erasmus Universität in Rotterdam und Yoshihiro Kawaoka, Professor an der US-Universität von Wisconsin, ausgesprochen. Da die Studien lediglich Möglichkeiten der Mutation aufzeigen, die auch ohne Einwirkung des Menschen relativ wahrscheinlich stattfinden würden, könne die Veröffentlichung der Erkenntnisse dazu beitragen, schon heute entsprechende Vorkehrung zu treffen und ein entsprechendes Gegenmittel zu entwickeln, so die Hoffnung der Studienautoren. (fp)