Studien: Längere Einnahme von Antibiotika erhöht das Darmkrebsrisiko

Alexander Stindt
Längere Behandlungen mit Antibiotika können zu Wucherungen im Darm führen
Die Verschreibung von Antibiotika kann zur Entwicklung multiresistenter Bakterienstämme führen. Aus diesem Grund sollten Mediziner Antibiotika nur einzusetzen, wenn es wirklich unvermeidlich ist. Dies könnte auch aus einem anderen Grund entscheidend sein: Forscher fanden jetzt heraus, dass die langfristige Einnahme von Antibiotika zur Entstehung von kleinen Wucherungen im Darm führt, welche sich zu Krebs weiterentwickeln können.

Die Wissenschaftler des Massachusetts General Hospital und der Harvard Medical School stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass die langfristige Einnahme von Antibiotika das Darmkrebsrisiko erhöhen kann. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Gut“.

Normalerweise sollen Antibiotika bei der Behandlung von bakteriellen Infektionen helfen. Experten fanden jetzt aber heraus, dass eine langfristige Einnahme auch das Darmkrebsrisiko erhöhen kann. (Bild: nenetus/fotolia.com)

Was sind Darm-Polypen?
Sogenannte Darm-Polypen sind kleine Wucherungen in unserem Darm. Diese Wucherungen sind relativ häufig. Alleine in der britischen Bevölkerung sind etwa 15 bis 20 Prozent von solchen Wucherungen betroffen, berichten die Wissenschaftler. In den meisten Fällen verursachen Darm-Polypen keine Symptome und werden nicht krebsartig, so die Autoren weiter. Es gebe aber auch Ausnahmen, bei denen sich durch eine mangelnde Behandlung aus den Wucherungen Krebs entwickelt.

Mediziner untersuchen Daten von über 16.500 weiblichen Probanden
Für die aktuelle Studie analysierten die Experten die Daten von 16.600 Krankenschwestern. Diese hatten an einer langjährigen US-Studie teilgenommen, der sogenannten Nurses‘ Health Study. Die Forscher fanden heraus, dass die Einnahme von Antibiotika über einen Zeitraum von zwei Monaten oder länger bei Teilnehmerinnen im Alter von 20 bis 39 Jahren die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Arten von Darm-Polypen (Adenome) vergrößerte, verglichen mit Menschen, die in diesem Alter nicht langfristig Antibiotika einnahmen.

Einnahme von Antibiotika verändert das Mikrobiom des Darms
Die Einnahme von Antibiotika verändert grundsätzlich das sogenannte Darmmikrobiom, indem das Medikament die Vielfalt und die Anzahl der Bakterien reduziert. So wird auch die Resistenz gegen gefährliche Bakterien verringert. Dies könnte eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Darmkrebs spielen, mutmaßen die Wissenschaftler.

Nicht generell auf Antibiotika verzichten
„Während die Daten zu unserem wachsenden Wissen über die Bedeutung der Darmbakterien für unsere Gesundheit beitragen, sollten Menschen generell nicht aufhören Antibiotika einzunehmen“, betonen die Experten. Antibiotika bleiben entscheidende Medikamente zur Behandlung von bakteriellen Infektionen. Wenn diese Medikamente wie vorgeschrieben und angemessen verwendet werden, können sie Menschen das Leben retten, fügen die Autoren hinzu.

Welche Faktoren erhöhen das Risiko für Darmkrebs?
Eine Ernährung mit viel rotem und verarbeitetem Fleisch kann das Risiko für Darmkrebs erhöhen. Außerdem tritt Darmkrebs häufiger bei Menschen auf, die übergewichtig oder fettleibig sind, sagen die Forscher. Auch zu wenig Bewegung führt zu einem erhöhten Risiko. Der Konsum von viel Alkohol oder Zigaretten könne ebenfalls zu Darmkrebs führen. Wenn es in Ihrer Familiengeschichte bereits Fälle von Darmkrebs gab, könnten Sie ihrerseits ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs haben, erläutern die Mediziner.

Mikroben im Darm beeinflussen die menschliche Gesundheit
Menschen, die Antibiotika von medizinischen Fachleuten verschrieben bekommen haben, sollten sie auch weiterhin nehmen und alle Bedenken mit ihrem Arzt besprechen, erläutern die Forscher. Es sei schwierig, genaue Risiken für Einzelpersonen zu bestimmen, weil die Studie sich mit den Vorläufern von Krebs beschäftigt, nicht mit dem Krebs selber. Die Forschung zeige allerdings, wie die Mikroben im Darm unsere Gesundheit beeinflussen, sagen die Autoren.

Weitere Forschung ist nötig
Wenn die Ergebnisse durch andere Studien bestätigt werden und die Verwendung von Antibiotika tatsächlich die Bildung von Tumoren fördern, müsste die Einnahme weiter begrenzt werden, erklären die Forscher. Der Antibiotika-Gebrauch könne nachhaltigen Einfluss auf die Gesundheit haben, fügen die Mediziner hinzu. (as)