Studien: Luftverschmutzung eine Alzheimer-Ursache?

Fabian Peters
Auswirkungen der Luftverschmutzung auf das Gehirn untersucht
Die hohe Luftverschmutzung in vielen Städten und Regionen wird mit erheblichen negativen Effekten auf die Gesundheit in Zusammenhang gebracht, wobei bislang vor allem Schäden der Lunge und des Herz-Kreislaufsystems im Vordergrund standen. Wissenschaftler des IUF – Leibniz-Instituts für umweltmedizinische Forschung haben jetzt allerdings auch einen Zusammenhang mit der Entstehung von Alzheimer aufgezeigt.

Die Forscher des IUF in Düsseldorf konnten in Zusammenarbeit mit dem Niederländischen Institut für Volksgesundheit und Umwelt (RIVM) in Bilthoven und der Arbeitsgruppe für molekulare Psychiatrie an der Universitätsmedizin Göttingen nachweisen, „dass luftgetragene Schadstoffe aus dem Straßenverkehr in einem Mausmodell (…) die Bildung der mit Alzheimer assoziierten Amyloid Plaques beschleunigen und motorische Defizite verstärken.“ Die Luftverschmutzung könnte demnach einen maßgeblichen Einfluss auf das Alzheimer-Risiko haben. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in dem Fachmagazin „Particle and Fibre Toxicology“.

Eine hohe Luftverschmutzung führt zu der vermehrten Bildung von Eiweißablagerungen im Gehirn, die ihrerseits mit der Entstehung von Alzheimer in Zusammenhang gebracht werden. (Bild: Ralf Geithe/fotolia.com)

Luftverschmutzung mit negativen Auswirkungen auf das Gehirn
In den vergangen Jahren verdichteten sich bereits die Hinweise darauf, dass die Luftverschmutzung negative Auswirkungen auf die Funktion des Gehirns hat und somit die Entstehung beziehungsweise den Verlauf von Alterskrankheiten wie beispielsweise Alzheimer oder anderen Formen von Demenz beeinflussen kann, berichten die Wissenschaftler. In einer epidemiologischen Studie mit älteren Frauen hatten Forscher des IUF im Jahr 2009 weltweit „erstmals einen statistischen Zusammenhang (sog. Assoziation) zwischen langjähriger verkehrsbedingter Feinstaubbelastung und der Verminderung kognitiver Fähigkeiten“ aufgezeigt, so die Mitteilung des IUF. Mit einer solchen Beeinträchtigung gehe ein erhöhtes Alzheimer-Risiko einher.

Demenz-Risiko an stark befahrenen Straßen erhöht
Weitere Studien erhärteten den Verdacht auf einen Zusammenhang zwischen der Luftverschmutzung und auftretenden Beeinträchtigungen des Gehirns. So kam auch eine große epidemiologische Studie aus Kanada kürzlich zu dem Ergebnis, dass eine Assoziation zwischen Demenz und dem Wohnen an dicht befahrenen Straßen besteht, berichtet das IUF. In den epidemiologischen Studien würden jedoch lediglich Zusammenhänge aufgezeigt, ohne festzustellen, ob hier ein Kausalzusammenhang, also ein ursächlicher Zusammenhang belegbar ist.

Verstärkte Bildung der schädlichen Plaques im Gehirn
Um die zugrundeliegenden Mechanismen eines möglichen Kausalzusammenhangs zwischen der Luftverschmutzung und Gehirnerkrankungen abzuklären, hat das IUF im Jahr 2012 das internationale Leibniz-Projekt AIRBAG (AIR pollutants and Brain Aging research Group) initiiert, welches von Dr. Roel Schins (IUF) und Prof. Flemming Cassee (RIVM) geleitet wird. Die Ergebnisse aus den Untersuchungen an Mäusen, in denen die Tiere luftgetragenen Schadstoffen aus Dieselfahrzeugen ausgesetzt wurden, machen deutlich, dass sich die Bildung der mit Alzheimer assoziierten Amyloid Plaques (Eiweißablagerungen im Gehirn) bei Luftverschmutzung beschleunigt und die motorischen Defizite zunehmen.

Kausalzusammenhang nachgewiesen
In ihrer Studie konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Kontakt mit luftgetragenen Schadstoffe und den schädlichen Eiweißablagerungen im Gehirn besteht. Die Untersuchung schlage „eine Brücke zu den bestehenden epidemiologischen Befunden“ und „unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Erkrankungen des zentralen Nervensystems gibt“, so Dr. Schins.

Weitere Studien erforderlich
Der Direktor des IUF Professor Jean Krutmann betont, dass nun in weiteren Studien geklärt werden müsse, „ob die gleichen Ergebnisse im realen Straßenverkehr reproduzierbar sind, welche Relevanz die Befunde für den Menschen haben, welche Bestandteile (Rußpartikel oder gasförmige Stoffe) des Abgasgemischs die Schäden verursachen, wie die zugrunde liegenden Mechanismen aussehen und welche präventivmedizinischen Maßnahmen gegebenenfalls sinnvoll sind.“ Tatsächlich könnten die schädlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung hier eine deutlich weitreichendere Wirkung haben, als in der Vergangenheit angenommen. Die Bemühungen um eine Reduzierung der Feinstaubbelastung in den Städten scheinen daher nicht nur angebracht, sondern dringend erforderlich. (fp)