Studien: Placebos und Oxytocin mindern sexuelle Unlust

Fabian Peters

Viagra für die Frau“ wirkt nicht besser als andere Mittel
Seit Mitte Oktober ist in den USA das neue „Viagra für die Frau“ erhältlich, welches durch den Wirkstoff Flibanserin das sexuelle Verlangen anregen soll. Doch die umstrittene Lustpille scheint nicht besser oder schlechter zu wirken als andere Mittel. Denn wie eine Studie der MedUni Wien zeigt, kann auch das „Bindungshormon“ Oxytocin oder sogar ein Placebo das weibliche Sexualleben der Frau deutlich verbessern.

Lustpille für die Frau seit Oktober in den USA erhältlich
Schätzungen zufolge leiden bis zu 40 Prozent der europäischen Frauen an einem verminderten sexuellen Antrieb, welcher fachsprachlich als „hypoactive sexual desire disorder“ bzw. kurz als „HSDD“ bezeichnet wird. Der Mangel oder das Nicht-Vorhandsein von sexuellem Verlangen kann dabei dauerhaft oder wiederkehrend auftreten, manche Frauen fühlen sich sogar so stark eingeschränkt, dass sei therapeutische Unterstützung suchen.

Lustpillen für die Frau nicht besser als ein Placebo? (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)
Lustpillen für die Frau nicht besser als ein Placebo? (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)

Abhilfe sollte nun die erste „Lustpille“ für die Frau bringen, welche unter der Bezeichnung „Addyi“ im Oktober auf dem amerikanischen Markt eingeführt wurde. Doch das Medikament ist trotz seines Spitznamens „Viagra für die Frau“ nicht mit den kleinen blauen Pillen für den Mann vergleichbar, welche direkt auf den Körper wirken und helfen, eine Erektion zu bekommen. Die Einnahme der weiblichen Lustpille soll stattdessen zu psychischen Effekten führen, indem der enthaltene Wirkstoff Flibanserin die Botenstoffe Dopamin und Serotonin beeinflusst und dadurch die Libido anregt.

Zulassungsbehörde lehnt Mittel erst zwei Mal ab
Denn bei Flibanserin handelt es sich eigentlich um ein Psychopharmakon, welches vom deutschen Hersteller Boehringer Ingelheim ursprünglich als Mittel gegen Depressionen entwickelt wurde. Doch bei der Entwicklung erkannten die Forscher des Pharmakonzerns, dass der Stoff möglicherweise auch das Lustempfinden von Frauen steigern kann. Verschiedene Tests zeigten jedoch nur eine geringe Wirkung sowie eine Reihe von Nebenwirkungen, sodass dass die US-Behörde „Food and Drug Administration“ (FDA) die Zulassung des Mittels zunächst zwei Mal ablehnte. Erst nach einem Zusammenschluss mit amerikanischen Frauenverbänden gelang es dem Hersteller, im dritten Anlauf eine Genehmigung für die Markteinführung der rosa Pillen zu bekommen.

30 Frauen erhalten über acht Monate Oxytocin-Nasenspray
Nun bestätigt auch eine aktuelle Studie der Medizinischen Universität Wien, dass Flibanserin offenbar keine bessere Wirkung erzielt als andere Mittel. Wie die Uni berichtet, hatte ein Team um Projektleiterin Michaela Bayerle-Eder untersucht, inwiefern auch das als „Bindungshormon“ bekannte Oxytocin sexualitätsfördernd wirken kann. Hierfür verwendeten 30 Frauen über acht Monate hinweg Oxytocin-Nasenspray unmittelbar vor dem Sexualakt, wobei alle Probandinnen von Sexualfunktionsstörungen (Erregungsprobleme, Orgasmusprobleme u.a.) betroffen waren. Eine Vergleichsgruppe nahm im gleichen Zeitraum ein Nasenspray, welches ein Placebo enthielt.

Es zeigte sich, dass sich das Sexualleben und die sexuelle Zufriedenheit bei den Frauen durch die Behandlung mit dem „Treue-Hormon“ Oxytocin signifikant verbesserten. Doch der Effekt war letztendlich nur minimal, denn die Placebo-Gruppe zeigte ebenfalls deutlich verbesserte Werte, so die Mitteilung der Uni Wien. Laut der Projektleiterin Michaela Bayerle-Eder beweise dies, welch hohe Bedeutung die Kommunikation mit dem Partner für die sexuelle Zufriedenheit habe.

„Offenbar brachte allein die Tatsache, dass sich die Frauen im Zuge der Studie intensiver mit ihrer Sexualität auseinandersetzten und mit ihrem Partner über Sex sprachen, schon messbare Verbesserungen“, so die Internistin und Sexualmedizinerin der MedUni Wien. Daher läge der Schluss nahe, dass eine verminderte sexuelle Lust häufig lediglich auf Missverständnisse in der Partnerschaft zurückzuführen sei: „Oft ist eher Stress im Alltag die Ursache für sexuelle Beschwerden als irgendein chemischer Mangel im Hormonhaushalt der Frau.“ Daher sei es empfehlenswert, bei sexuellen Problemen möglichst zeitnah ärztliche Hilfe zu suchen, um die tatsächliche Ursache für die Unlust aufdecken zu können. (nr)