Studien: Überleben nach Herzstillstand vorhersagbar

Alfred Domke

Forscher können Prognose fürs Überleben nach Herzstillstand vorhersagen

Forscher aus Österreich haben festgestellt, dass die noch messbare Herzfrequenz bei einer speziellen Form des Herzstillstands die Prognose fürs Überleben vorhersagen kann. Die neuen Erkenntnisse gibt Notärzten die Möglichkeit, die Situation und auch die Chancen von Patienten besser einschätzen zu können.


Hilfe kommt oft zu spät

Allein in Deutschland werden jedes Jahr rund 75.000 Menschen nach einem Herzstillstand reanimiert, doch nur etwa 5.000 von ihnen überleben. In manchen Fällen liegt das daran, dass die Hilfe zu spät kommt. Bei einem Herzstillstand zählt jede Minute. Durch eine Herzdruckmassage können das Herz und andere Organe wie das Gehirn wieder mit Sauerstoff versorgt werden. Forscher aus Österreich haben nun herausgefunden, dass die noch messbare Herzfrequenz bei einer speziellen Form des Herzstillstands die Prognose fürs Überleben vorhersagen kann.

Forscher aus Österreich haben herausgefunden, dass die noch messbare Herzfrequenz bei einer speziellen Form des Herzstillstands die Prognose fürs Überleben vorhersagen kann. (Bild: Sonja Calovini/fotolia.com)

Prognose fürs Überleben vorhersagen

Die pulslose elektrische Aktivität (PEA) ist eine Form des Herzstillstands, bei der trotz eines organisierten Herzrhythmus im EKG keine Auswurfleistung des Herzens erbracht wird.

Nun konnten Forscher der Universitätsklinik für Notfallmedizin der Medizinischen Universität (MedUni) Wien erstmals in einem großen Kollektiv von mehr als 500 Patienten-Daten retrospektiv zeigen, dass die im EKG messbare Herzfrequenz bei PEA die Prognose fürs Überleben vorhersagen kann.

„Lag die Herzfrequenz über 60 Schlägen pro Minute, lag das spätere Überleben bei 22 Prozent und damit sehr nahe an der Überlebensprognose bei Betroffenen mit Kammerflimmern (Anm.: 30 Prozent)“, erklären die Studienautoren Christoph Weiser und Alexander Spiel von der Universitätsklinik für Notfallmedizin der MedUni Wien in einer Mitteilung.

„Nur wenn eine Herzfrequenz von unter 25 Schlägen gemessen wurde, war die Prognose sehr schlecht (Anm.: bei nur 2%).“

Die Ergebnisse der Studie wurden vor kurzem im Fachjournal „Resuscitation“ veröffentlicht.

Reize werden nicht mehr in mechanische Herzaktionen umgesetzt

Bei einer PEA ist zwar eine elektrische Herz-Aktivität vorhanden, diese Reize werden jedoch nicht mehr in mechanische Herzaktionen umgesetzt.

Sie kann also nicht, wie etwa bei Kammerflimmern, bei der noch ein „schockbarer“ Herzrhythmus vorliegt, mittels Defibrillator behandelt werden, mit dessen Hilfe man versucht sozusagen die elektrische Aktivität wieder in einen geordneten Rhythmus zu bringen.

Eine pulslose elektrische Aktivität wird durch kardiopulmonale Reanimationsmaßnahmen wie Herzdruckmassage und das Verabreichen von Adrenalin behandelt. Bisher war man der Ansicht, dass die Überlebens-Prognose bei einer PEA generell eher schlecht ist.

Chancen des Betroffenen besser einschätzen

Mit der aktuellen Studie konnten die Wissenschaftler der MedUni Wien nun zeigen, dass die im ersten Monitor-EKG gemessene elektrische Herzfrequenz ein starkes Tool für die weitere Prognose darstellt und dass die Überlebenschance umso höher ist, je höher die noch messbare Herzfrequenz.

„Das gibt den Notärzten die Möglichkeit, die Situation und auch die Chancen des Betroffenen noch besser und sehr frühzeitig einschätzen zu können“, so die Studienautoren.

2020 werden international wieder die weltweiten Richtlinien für die Reanimation angepasst. Weiser und Spiel vermuten, dass ihre neuen Erkenntnisse darin Aufnahme finden könnten. (ad)