Studiengänge für Sexologie: Mehr ausgebildete Sexualberater

Wenn es im Bett nicht mehr stimmt, kann eine Beratung helfen. Bild: deagreez - fotolia
Sebastian
„Sexuelle Gesundheit und Sexualberatung“ – Uni bildet Berater aus
Wie viel Verkehr während der Partnerschaft braucht es, damit eine Liebesbeziehung hält? Sind meine Fantasien noch normal? Solche und ähnliche Fragen beschäftigen nicht nur viele Menschen in ihrem Alltag, sondern bald auch so manche Studenten an der Universität. Die Hochschule Merseburg startet im April einen Sexologie-Master.
Viele Fragen zum Thema Sex
„Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten“: So lautet der deutsche Filmtitel einer satirischen Verfilmung des gleichnamigen Sexualkunde-Buches. Obwohl Sex alle Menschen beschäftigt, ist er in weiten Kreisen noch immer ein Tabuthema. Manche scheuen sich sogar, sich mit dem besten Freund oder der besten Freundin darüber auszutauschen. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge sind zwar Frauen heute beim Sex experimentierfreudiger und selbstbewusster, doch das bleibt oft im Verborgenen. Und Männer, die sich bezüglich ihres „besten Stücks“ unsicher sind, trauen sich mit ihrer Frage, was finden Frauen wirklich am Glied schön, auch nicht an die Öffentlichkeit. Paare, bei denen es eventuell gerade nicht so gut läuft, befürchten, dass getrennte Betten der Anfang vom Ende sein könnten und haben niemanden, mit denen sie über ihre Angst reden können. Es wird künftig mehr Spezialisten geben, die hier helfen könnten. Ausgebildet werden sie in Merseburg (Sachsen-Anhalt).

Wenn es im Bett nicht mehr stimmt, kann eine Beratung helfen. Bild: deagreez - fotolia
Wenn es im Bett nicht mehr stimmt, kann eine Beratung helfen. Bild: deagreez – fotolia

„Sexuelle Gesundheit und Sexualberatung“
Die Hochschule Merseburg will von April an Sexualberater ausbilden. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, richtet sich der neue Studiengang „Sexologie – Sexuelle Gesundheit und Sexualberatung“ vor allem an Psychotherapeuten, die Paare beraten wollen. Wie es heißt, können aber auch Ärzte oder Sozialarbeiter den berufsbegleiteten Master-Studiengang belegen. Dabei kooperiert die Hochschule mit einem schweizerischen Institut für Sexualtherapie. Während der Ausbildung, die drei Jahre dauert, wird ein besonderes Konzept verfolgt, das es so nach eigenen Angaben erstmals an einer deutschen Hochschule gibt. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur erläuterte Professor Harald Stumpe, wie das aussieht und welche Probleme die Betroffenen künftig mit den Beratern besprechen können.

So gut wie jeder kann zum Sexualberater gehen
Zur Frage, wer später zu den Sexualberatern gehen kann, erklärte Stumpe, alle Menschen, die feststellen, dass sie Fragen oder Probleme mit ihrer Sexualität haben. Solche Fragen können beispielsweise sein: Wie viel Sex braucht es, damit eine Liebesbeziehung hält? Oder was passiert, wenn die sexuelle Lust in der Paarbeziehung verloren ist? Weitere mögliche Fragen, die der Experte auflistet, sind welche Auswirkungen eine Prostataterkrankung oder Brustkrebs auf das Erleben der Sexualität haben und welche Möglichkeiten gibt es, die Sexualität wieder lustvoll zu machen? Was, wenn der Mann zu früh kommt, die Erektion wegbleibt oder die Frau keinen Orgasmus erlebt? Und welchen Einfluss hat eigentlich das Internet auf Sex?

Sexualverhalten lebenslang weiterentwickeln
Was eigentlich das besondere an dem Studiengang ist, erläuterte der Experte auch. Seinen Angaben zufolge werden sie vor allem mit dem Modell „Sexocorporel“ arbeiten, einem Konzept, das von Professor Desjardins an der Universität Montréal entwickelt wurde. So wie die Psyche das Sexualverhalten beeinflusst, kann dies auch über den Körper verändert werden. Stumpe sagte, der Körper ist ein zentrales Element des Studiengangs. Gelehrt werden zum Beispiel Atem- und Wahrnehmungsübungen oder An- und Entspannungstechniken. Wie der Experte erklärte, soll gezeigt werden, wie Sexualverhalten über persönliche Lernschritte verändert und lebenslang weiterentwickelt werden kann.

Handlungsbedarf in Deutschland
Zur Frage, wie groß der Bedarf an Sexualberatern ist, meinte Stumpf im dpa-Interview: Sehr groß. Zwar sei gesellschaftlich die Meinung verankert, alle seien gut über Sex informiert, doch das stimme nur zum Teil. Seiner Aussage nach zeigt sich in der Sexualberatung immer wieder, wie allein Menschen mit ihren Fragen unterwegs sind und wie Unwissen auch heute zu Belastungen führt. Nicht wenige sind mit den unendlichen Angeboten zu Sexualität – etwa aus dem Internet – überfordert. Zwar bemühen sich Fachleute aus der Psychotherapie und der Sexualmedizin, die Menschen entsprechend zu begleiten, doch den meisten fehlt eine fundierte Ausbildung in der Sexualberatung. Da besteht ein Handlungsbedarf in Deutschland, den wir schließen, sagte Stumpe abschließend.(ad)

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