Stuhltransplantation: Spender müssen zum Empfänger passen

Im menschlichen Darm kommen Billionen von Mikroorganismen vor, die bei einer gesunden Darmflora im Gleichgewicht leben.(Bild: Alex/fotolia.com)
Alfred Domke
Bakterienmix aus dem Kot: Stuhltransplantationen bei schwerem Durchfall
In den vergangenen Jahren wurde vermehrt über eine neuartige Therapie bei schweren Durchfallerkrankungen berichtet. Bei der sogenannten Stuhltransplantation wird Menschen, deren Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten ist, ein Bakterienmix aus dem Kot einer gesunden Person übertragen. Die Mikroben von Spender und Empfänger sollten dabei möglichst ähnlich sein.

Bakterienmix aus dem Stuhl eines gesunden Menschen
Schon seit Jahren ist bekannt, dass Stuhltransplantationen gegen schwere Durchfälle helfen können. Bei dieser Methode, die früher auch als „Fäkaltherapie“ bezeichnet wurde, wird Patienten, deren Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten ist, der Bakterienmix aus dem Stuhl eines gesunden Menschen übertragen. Eine neue Studie deutet nun darauf hin, dass Spender und Empfänger bei Stuhltransplantationen besser aufeinander abgestimmt werden sollten, um die Wirkung zu verstärken. Wie der „Spiegel“ online berichtet, siedeln sich demnach jene Bakterienstämme, die bereits vorher im Darm des Empfängers lebten, in den Monaten nach dem Eingriff besser an. Das Team um Peer Bork vom European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg folgert, dass die Kompatibilität zwischen Spender und Empfänger wichtiger sei als bisher angenommen. Die Forscher berichten im Fachblatt „Science“ über ihre neuen Erkenntnisse.

Wenn die Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten ist, können manchen Patienten Stuhltransplantationen helfen. Spender und Empfänger sollten dabei zusammen passen. (Bild: Alex/fotolia.com)
Wenn die Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten ist, können manchen Patienten Stuhltransplantationen helfen. Spender und Empfänger sollten dabei zusammen passen. (Bild: Alex/fotolia.com)

Erfolgsrate bei über 90 Prozent
Bei Tieren wird die Stuhlverpflanzung schon seit längerem angewandt. In der Humanmedizin erfuhr das Thema große Aufmerksamkeit, als Wissenschaftler aus Amsterdam Anfang 2013 eine Studie im „The New England Journal of Medicine“ veröffentlichten, in der es um Menschen ging, in deren Darm sich der berüchtigte Durchfallkeim Clostridium difficile ausgebreitet hatte. Wie die Wissenschaftler vom EMBL nun berichten, liege die Erfolgsrate der Stuhltransplantation bei wiederkehrenden Infektionen mit dem Darmkeim Clostridium difficile, der lebensbedrohliche Durchfallerkrankungen hervorrufen kann, bei über 90 Prozent. Das Stäbchenbakterium ist für gesunde Menschen in der Regel harmlos, kann aber vor allem geschwächten und älteren Menschen gefährlich werden. Allein in Europa gibt es jedes Jahr über 39.000 unentdeckte Clostridium-difficile-Infektionen. Nach einer Stuhltransplantation kommt es meist nur kurzzeitig zu Verdauungsproblemen wie Durchfall, Magenkrämpfen oder Blähungen. Allerdings wurden auch schon Fälle mit weiteren unerwünschten Begleiterscheinungen beschrieben. So wurde etwa über den Fall einer Frau berichtet, bei der eine starke Gewichtszunahme nach Stuhltransplantation festzustellen war.

Antibiotika greifen Darmflora an
In der aktuellen Studie analysierten die Mediziner drei Monate lang bei zehn Patienten, wie sich die Darmflora nach einer Stuhltransplantation verändert. Sie beobachteten dabei nicht nur, wie sich Bakterienarten entwickelten, sondern unterschieden auch zwischen den verschiedenen Stämmen einer Art. Die Empfänger hatten in den Monaten vor und nach dem Eingriff keine Antibiotika genommen, weil diese die Darmflora mit angreifen. Es zeigte sich, dass sich nach dem Eingriff jene Mikrobenstämme im Darm des Patienten am besten ansiedelten, die bereits vorher dort lebten. Demzufolge könne man die Erfolgschance der Methode steigern, wenn man Spender und Empfänger besser aufeinander abstimme. Es geht dabei nicht nur um die Arten, sondern auch um die jeweiligen Stämme.

Das Ziel ist eine Art Fäkal-Pille
In sogenannten Stuhlbanken wird bislang nur ein Einheitsmix angeboten. Da dieses Präparat aber nur zu einem geringen Anteil der Patienten richtig passt, wäre eine individuelle Anpassung besser, um die Stuhltransplantation zu optimieren. „Letztendlich besteht das Ziel darin, eine Stuhltransplantation in Form einer Pille zu entwickeln“, so Erstautorin Simone Li vom EMBL. „Unsere Arbeit zeigt, dass es sich dabei höchstwahrscheinlich eher um einen personalisierten Bakteriencocktail handeln wird als um eine Patentlösung für alle.“ Für die, die nicht auf die Fäkal-Pille warten wollen, gibt es noch die „Do-it-yourself“-Anleitung des kanadischen Gastroenterologen Michael Silverman, die vor Jahren im Magazin „Clinical Gastroenterology and Hepatology“ veröffentlicht wurde. Darin wird beschrieben, wie man mit einer Stuhlspende, Kochsalzlösung, Handrührgerät und einem Einlaufbeutel seinen Darm eigenhändig rekolonisieren kann. (ad)

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