Stundenlanges Verweilen vor dem TV kann eine Lungenembolie auslösen

Sebastian
Erhöhtes Lungenembolie-Risiko durch langes Sitzen vor dem Fernsehgerät
Menschen, die stundenlang vor dem Fernseher sitzen, haben ein erhöhtes Risiko, eine tödliche Lungenembolie zu entwickeln. „Couch Potatoes“ sollten daher immer wieder auch aufstehen, sich bewegen und viel Flüssigkeit zu sich nehmen.

Stundenlanges Sitzen vor dem Fernseher erhöht Lungenembolie-Risiko
Japanische Forscher kamen im Rahmen einer Studie zu dem Ergebnis, dass Menschen, die täglich fünf Stunden oder mehr vor dem TV-Gerät verbringen, ein doppelt so hohes Risiko haben, eine tödliche Lungenembolie zu entwickeln, als Personen, die weniger als zweieinhalb Stunden fernsehen. Dies hat die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) anlässlich des Europäischen Kardiologiekongresses (ESC) 2015 in London berichtet. Laut dem Studienautoren Dr. Toru Shirakawa von der Universität Osaka war der Unterschied in der Altersgruppe unter 60 Jahren sogar noch deutlicher ausgeprägt. „In dieser Altersgruppe war das Risiko für eine tödliche Lungenembolie bei Menschen mit mehr als fünfstündigem Fernsehkonsum sogar um das Sechsfache höher als bei Personen, die unter zweieinhalb Stunden fernsehend verbringen“, wird der Wissenschaftler in der Pressemitteilung zitiert.

Langes Sitzen erhöht das Risiko einer lebensgefährlichen Lungenembolie. Bild: bilderzwerg – fotolia

100.000 Tote im Jahr
Meist ist ein Gefäßverschluss (Thrombose) einer Vene des Beins oder Beckens der Ausgangspunkt einer Lungenembolie. Eine unentdeckte Thrombose wird schnell zur Lebensgefahr, warnen Mediziner. Je nach Größe kann der gefährliche Pfropf kleine oder große Lungenarterien verstopfen und so einen Teil der Lunge vom Blutkreislauf abtrennen. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e. V. (DGA) sterben jährlich über 100.000 Menschen in Deutschland an den Folgen einer Lungenembolie. Risikofaktoren für eine Thrombose und somit eine Lungenembolie sind unter anderem eine genetische Veranlagung, Rauchen, Schwangerschaft oder die Einnahme der Antibabypille.

Maßnahmen gegen das „Economy-Class-Syndrom“
Ein ganz wesentlicher Risikofaktor ist die Immobilität der Beine, wie etwa bei Langstreckenflügen. Auch die Ergebnisse der japanischen Studie könnten zumindest teilweise damit erklärt werden, meinte der Autor. Er erklärte: „Zur Vorbeugung empfehlen wir daher bei langem Fernsehen ähnliche Maßnahmen wie gegen das sogenannte Economy-Class-Syndrom, also regelmäßig aufzustehen und herumzugehen und ausreichend Wasser zu trinken.“ Der Pressesprecher der DGK, Professor Eckart Fleck, sagte: „Die wichtigste Botschaft, die wir aus dieser neuen Studie mitnehmen sollten: Ob Fernsehen, lange Zeit vor dem Computer oder im Auto oder Flugzeug: Langes Sitzen und die Aufnahme von zu wenig Flüssigkeit kann hinsichtlich einer möglichen Embolie gefährlich sein. Dafür sollten wir das Bewusstsein in der Öffentlichkeit schärfen.“ (ad)