Sturz vom Wickeltisch: Was tun?

Heilpraxisnet

Unfälle im häuslichen Umfeld – Lebensbedrohlicher Sturz vom Wickeltisch

10.06.2014

Der Sturz vom Wickeltisch zählt bei Kleinkindern zu den besonders häufigen Unfällen im häuslichen Umfeld. Insgesamt sind hierzulande Verletzungen durch Unfälle laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) die „häufigste Todesursache bei Kleinkindern im Alter von ein bis vier Jahren.“ Dabei würden sich rund 80 Prozent aller Verletzungen im häuslichen Umfeld ereignen. „Je jünger das Kind bei einem Sturz ist, desto häufiger ist auch der Kopf betroffen“, berichtet de DGKCH weiter. Anlässlich des Kindersicherheitstags informieren zahlreiche Fachverbände und Arbeitsgemeinschaften jedes Jahr über die häufigsten Risiken für Heranwachsende.

Rund 60.000 Kleinkinder mussten laut Angaben der DGKCH im Jahr 2010 wegen einer Unfallverletzung stationär im Krankenhaus behandelt werden. In den ersten Lebensjahren seien dabei Stürze mit etwa 60 Prozent die häufigste Unfallursache. Der Sturz vom Wickeltisch ist hier das klassische Beispiel. Aus gutem Grund raten die Experten, das Kind auf dem Wickeltisch nie aus den Augen zu lassen und stets mit mindestens einer Hand zu sichern. Denn für die Kleinen kann auch ein Sturz aus dieser vermeintlich geringen Höhe lebensgefährlich enden. Weil ihr Kopf in Relation zum Gesamtkörper relativ viel Masse aufweist, fallen sie tendenziell eher auf den Kopf. Mehr als zwei Drittel der Einjährigen erleiden beim Fallen eine Schädelverletzung, so die Mitteilung der DGKCH. Professor Dr. med. Guido Fitze, Chefarzt der Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Dresden, betonte, es sei „deshalb sehr wichtig, Eltern rechtzeitig auf diese Gefahren hinzuweisen.“

Kleinkinder fallen tendenziell eher auf den Kopf
Für Säuglinge und Kleinkinder entspricht der Sturz vom Wickeltisch der DGKCH zufolge in etwa dem Sturz aus einer Höhe von mindestens zweifacher Körpergröße bei Erwachsenen. Da die Schutzreflexe der Babys noch nicht entsprechend ausgebildet sind, fangen sie sich zudem kaum ab und ihre Schädeldecke ist noch dünn, wodurch schwere Verletzungen sehr viel wahrscheinlicher werden, erläuterte Tobias Schuster, Chefarzt der Kinderchirurgischen Klinik in Augsburg und Sprecher der DGKCH gegenüber „Welt Online“. In Verbindung mit der erhöhten Wahrscheinlichkeit eines Sturzes auf den Kopf ist hier von potenziell lebensgefährlichen Ereignissen auszugehen. Insbesondere unruhige, frisch eingeölte oder nasse Babys rät der Fachmann daher am besten auf dem Bett oder Boden zu wickeln, um das Risiko von vornherein zu minimieren.

Nach einem Sturz auf den Kopf einen Arzt aufsuchen
Ereignet sich trotz aller Vorsicht ein Sturz auf den Kopf, raten die Experten zu einem zeitnahen Arztbesuch, da schlimmstenfalls eine Gehirnverletzung zu erwarten ist. Eine häufige Folge entsprechender Stürze bilden Gehirnerschütterungen, wobei die Kinder laut Angaben der „Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e. V.“ möglicherweise „einen kurzen Moment (wenige Sekunden bis höchstens 10 Minuten) bewusstlos sind, erwachen und sich nicht an den Unfall erinnern können.“ Anschließend wirken sie vielfach müde oder benommen und klagen über Kopfschmerzen. Auch Übelkeit und Erbrechen (meist nach circa 30 Minuten bis einer Stunde), ein verändertes Wesen und Appetitlosigkeit können Hinweise auf eine Gehirnerschütterung sein. Bleibt ein Kind nach einem Sturz längere Zeit bewusstlos, wirkt es verändert oder hört es womöglich sogar auf zu atmen, raten die Experten umgehend einen Notarzt zu alarmieren und bis zu dessen Eintreffen gegebenenfalls eine Mund-zu-Nase-Beatmung und Herzmassage durchzuführen.

Kinder über zwei Tage gründlich beobachten
Der Not- oder Kinderarzt wird nach einem Sturz auf den Kopf – solange die Kinder nicht ohnmächtig sind – zunächst die Pupillen, Gehörgänge und Reflexe untersuchen und den Schädel abtasten. Beispielsweise ist bei einem Schädelbruch in der Regel eine „schwappende Beule“ ertastbar, berichtet die „Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder“. Meist seien keine Röntgenuntersuchungen oder Computertomografien notwendig, da sich im Zweifelsfall mit einer Ultraschalluntersuchung ein Schädelbruch oder eine Hirnblutung auch ohne Strahlenbelastung erkennen lasse, erläutert Tobias Schuster. Dem Fachmann zufolge haben die Eltern und ihre Kinder dennoch oft sehr viel Glück. Viele Kinder würden nach einem Sturz lediglich eine Schädelprellung oder eine Gehirnerschütterung erleiden und zudem könnten auch Schädelbrüche problemlos ausheilen. Blutungen im Gehirn seien allerdings besonders gefährlich, da diese zunächst oftmals nur schwer zu erkennen sind. So sollten Kinder laut Aussage des Experten nach einem Sturz auf den Kopf generell über einen Zeitraum von rund zwei Tagen eingehend beobachtet werden, selbst wenn äußerlich nichts zu erkennen ist und zunächst keine Auffälligkeiten auftreten. (fp)

Bild: Alexandra H. / pixelio.de