Süddeutschland: Größte Gefahr für Zeckenstiche

Nina Reese

Gefahr durch Zeckenstiche in Süddeutschland besonders hoch

07.05.2013

Obwohl die Fälle von Gehirnentzündungen in Folge eines Zeckenbisses im letzten Jahr zurückgegangenen sind, sei die Gefahr nicht gebannt – stattdessen sollten auf Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) gerade im Süden Deutschlands Impfungen in Anspruch genommen werden, um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren.

Borreliose und FSME durch Zeckenstiche
Zecken sind meist in den warmen Monaten, d.h. von März bis Oktober aktiv, dann sind sie u.a. auf Gräsern oder losem Laub im Wald unterwegs, auf der Suche nach potenziellen Opfern – haben sie bei diesem eine gut durchblutete Stelle ausfindig gemacht (z.B. die Kniebeuge), sticht die Zecke zu und saugt Blut. Dabei kann ein Zeckenstich prinzipiell harmlos sein – wäre da nicht das Risiko für Borreliose und die so genannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

FSME kann zu Gehirnentzündung führen
Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) handelt es sich um eine Virusinfektion, die in besonders schweren Fällen zu einer Gehirnentzündung und zur Schädigung des Rückenmarks führen kann und im schlimmsten Fall tödlich endet. FSME wird fast ausschließlich von infizierten Zecken übertragen, denn stechen die winzigen Spinnentiere zu, kann der Erreger per Speichel weiter transportiert werden. Dabei löst das FSME-Virus nicht immer Symptome aus, stattdessen merken Betroffene häufig erst gar nichts von der Infektion, sondern leiden zunächst an grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen. In vielen Fällen tritt nach einer ersten Besserung der Beschwerden nach einigen Tagen erneut Fieber auf, dabei besteht die Gefahr, dass sich Hirnhäute und Gehirn entzünden können, in manchen Fällen ist auch das Rückenmark betroffen und es treten je nach Krankheitsverlauf zum Beispiel starke Kopf- und Nackenschmerzen, Übelkeit, Krampfanfällen oder Lähmungen auf.

Robert-Koch-Institut veröffentlicht Übersicht der FSME-Risikogebiete
Nun hat das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin im aktuellen „Epidemiologischen Bulletin“ eine Auswertung der gemeldeten Gehirnentzündungen durch Zeckenstiche veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass die Anzahl der Fälle im vergangenen Jahr so niedrig war wie noch nie seit Beginn der Meldepflicht im Jahr 2001. So wurden dem RKI 2012 195 Fälle von FSME gemeldet, wohingegen ein Jahr zuvor noch 423 und im Jahr 2006 sogar 546 und damit die bisher meisten Erkrankungen registriert worden waren. Dabei könnten die zum Teil massiven Schwankungen zwischen den Jahren nach Angaben des RKI unterschiedliche Gründe haben: „Das Freizeitverhalten der Menschen beeinflusst das Risiko, mit Zecken in Berührung zu kommen, und wird ebenfalls von der Wetterlage beeinflusst. Nicht zuletzt können die Erkrankungszahlen auch durch das Bewusstsein für die Krankheit sowie durch das diagnostische und Meldeverhalten der Ärzte beeinflusst werden.“

Risiko in Bayern und Baden-Württemberg besonders hoch
Die Wahrscheinlichkeit, an einer Gehirnentzündung durch einen Zeckenstich zu erkranken, ist dabei in den verschiedenen Gebieten Deutschlands unterschiedlich hoch: So werden zwar bundesweit aktuell 141 Kreise als FSME-Risikogebiete ausgewiesen, doch während in Bayern (80 Kreise) und Baden-Württemberg (43 Kreise) die Mehrzahl der Regionen als riskant gilt, sind in Nachbarländern zum Teil nur einige wenige Kreise betroffen, so zum Beispiel in Rheinland-Pfalz und dem Saarland je ein Kreis, in Thüringen sieben und in Hessen neun Landkreise.

Vorbeugung: Die FSME-Impfung
Da zur Behandlung der FSME keine Medikamente gibt, raten Ärzte und Experten zur Schutzimpfung. Dementsprechend empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine FSME-Impfung für alle Personen, die in den Risikogebieten wohnen oder „die beruflich gefährdet sind (in Risikogebieten Tätige, z. B. Forstarbeiter und exponierte Personen, die in der Landwirtschaft arbeiten, sowie exponiertes Laborpersonal)“, so die Information im „Epidemiologischen Bulletin“ des RKI. Auch wer Urlaub in den Risikogebieten macht, könnte laut der STIKO unter Umständen „ein entsprechendes Infektionsrisiko haben, das durch eine rechtzeitige Schutzimpfung minimiert werden kann“, darüber hinaus gelte die Impfempfehlung der STIKO jedoch nicht ausschließlich in den gefährdeten Gebieten, denn „eine Impfung für bestimmte Personen, z. B. solche, die aufgrund von beruflichen oder bestimmten freizeitbedingten Tätigkeiten einer besonders intensiven Zeckenexposition ausgesetzt sind, kann auch in Gebieten ohne erhöhte FSME-Inzidenz, aber mit sporadischen FSME-Einzelerkrankungen unter Umständen sinnvoll im Sinne einer individuellen Impfindikation sein“, so das RKI. Dabei würde ein zeitlich begrenzter Impfschutz (etwa für Urlauber) mindestens zwei Gaben des Impfstoffs erfordern, ein länger bestehender Impfschutz jedoch drei, Auffrischungsimpfungen sollten dann in Abständen von 3 bis 5 Jahren erfolgen.

Borreliose weiterhin die häufigste von Zecken übertragene Krankheit
Trotz des erhöhten FSME-Risikos in einigen Teilen Deutschlands, ist die häufigste von Zecken übertragene Krankheit hierzulande mit mehreren Zehntausend Fällen pro Jahr jedoch die Borreliose, die überall im Land verbreitet ist – gegen die es jedoch im Vergleich zu FSME keine Impfung gibt. Erreger ist hier die Bakterienart „Borrelien“, die mit dem Stich einer Zecke ins Blut gelangen. Typisches Symptom für eine Borreliose ist ein roter Hautring um die Einstichstelle, der auch als "Wanderröte" bezeichnet wird, darüber hinaus kommt es zu Muskel- und Gelenkschmerzen, teilweise auch Fieber. Die Behandlung einer Borreliose sollte möglichst frühzeitig, normalerweise durch die Verschreibung von Antibiotika erfolgen – bleibt diese aus, besteht das Risiko schwerer Folgeerkrankungen wie Gelenk-, Herzmuskel- und Hirnentzündungen. Da es gegen Borreliose keine Impfung gibt, sind Maßnahmen zum Schutz vor Zeckenstichen wie lange Hosen und langärmlige Kleidung besonders wichtig. (nr)