Süßholz Arzneipflanze des Jahres 2012

Fabian Peters

Süßholz wird als Arzneipflanze des Jahres 2012 ausgezeichnet

22.11.2011

Süßholz (Glycyrrhiza) wurde zur „Arzneipflanze des Jahres 2012“ gekürt. Die seit Jahrtausenden zur Behandlung verschiedener Krankheiten wie beispielsweise Husten, Heiserkeit oder auch Magengenbeschwerden eingesetzte Heilpflanze wurde von einem Team aus Wissenschaftlern der Universität Würzburg und Experten der Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) für die Auszeichnung ausgewählt.

Mehr zum Thema:

Das jetzt zur Arzneipflanze des Jahres gewählte deutlich nach Lakritze schmeckende Süßholz, wird seit mehr als 3.000 Jahren im Rahmen der Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) eingesetzt, wobei vor allem der aus den geriebenen Wurzeln des Süßholzes erzeugte Tee nachweislich eine positive Wirkung bei verschiedenen Krankheiten haben kann. So ist der Süßholz-Tee zum Beispiel bis heute ein beliebtes Hausmittel bei Heiserkeit und Husten. Aber auch bei Magengengeschwüren kann der Tee eine äußerst positive Entwicklung entfalten.

Süßholz seit Jahrtausenden als Heilpflanze bekannt
Wie Johannes Mayer vom „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ in Frankfurt erklärte, ist Süßholz seit Jahrtausenden als Heilpflanze bekannt, deren positive Wirkung gegen zahlreiche Beschwerden heute eindeutig wissenschaftlich belegt ist. So zeigte sich Mayer besonders von der heilenden Wirkung eines Tees aus Süßholz und Thymian bei Erkältungen überzeugt. „Für mich das Beste, das es überhaupt gibt“, so die Aussage des Experten. Die positive Wirkung der auch als Hauptbestandteil von Lakritz verwendete Heilpflanze helfe außerdem nachweisbar gegen Heiserkeit und Magengeschwüre, erklärte Mayer. Darüber hinaus zähle Süßholz als Heilpflanze in der Traditionellen Chinesische Medizin (TCM) zu den Standardmitteln gegen zahlreiche gesundheitliche Beschwerden. Die bis zu einem Meter hohen Süßholz-Stauden, welche zu der Gattung der Schmetterlingsblütler gehören, sind als Wildpflanze vor allem im Mittelmeerraum, Kleinasien und dem Kaukasus bis nach Iran, Zentralasien, Südrussland und China verbreitetet, erläuterte der Experte. Allerdings finde sich die wärmeliebende Pflanze auch am Oberrhein und wird seit rund 500 Jahren bei Bamberg angebaut, erklärte Johannes Mayer. In der Pflanzenheilkunde werden laut Aussage des Experten ausschließlich die getrockneten Wurzeln der Süßholz-Stauden verwendet, wobei diese mehr als 400 verschiedene Inhaltsstoffe aufweist. Unter ihnen auch das Glycyrrhizin, welches laut Aussage von Johannes Mayer fast 50 Mal so süß ist wie Rohrzucker.

Nachhaltige Gewinnung der Heilpflanze erforderlich
Zu der Gewinnung des Süßholzes erklärten die Experten der Universität Würzburg und des WWF, dass ein Großteil der als Arzneimittel verwendeten oder zu Lakritze verarbeiteten Wurzeln, wild gesammelt wird. Dabei bilde das natürliche Vorkommen einen deutlichen Vorteil, da hier keine Dünger oder Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen. „Ich habe also astreine Bio-Ware“, betonte Johannes Mayer. Gänzlich unumstritten ist jedoch das Sammeln in der Natur nicht, denn die große Nachfrage nach Süßholzwurzeln habe in einigen Regionen bereits zur Übernutzung geführt, erklärte Susanne Honnef, Expertin des WWF. Die benötigten Mengen führen die Möglichkeiten der natürlichen Reproduktion teilweise an ihre Grenzen. So importiere allein Deutschland pro Jahr mehr als 500 Tonnen Süßholz. Daher setzt sich der WWF für eine nachhaltige Ernte ein, bei der bestimmte Standards eingehalten werden müssen, um den Süßholz-Bestand auf Dauer nicht zu gefährden. Ziel müsse sein, die Nutzung der Pflanze zu ermöglichen und gleichzeitig die Bestände zu erhalten, erklärte Susanne Honnef. Zu diesem Zweck wurde das „FairWild“-Zertifikat eingerichtet, welches auf deutschen Produkten jedoch noch nicht vermerkt ist, so Honnef weiter. Der WWF-Expertin zufolge sind von den rund 60.000 Arzneipflanzen weltweit rund 15.000 in ihrem Bestand gefährdet.

Apotheke der Natur bekannt machen
Die seit 1999 jährlich erfolgende Wahl der Arzneipflanze des Jahres durch den Würzburger Studienkreis dient laut Aussage von Johannes Mayer in erster Linie dazu, die „Apotheke der Natur“ bekannt zu machen. Dem Expertengremium, das die Auswahl trifft, gehören Medizinhistoriker, Ärzte, Apotheker und Biologen an, die bei der Auszeichnung nicht nur auf die heilende Wirkung der gekürten Pflanzen achten, sondern auch die Kultur- und Medizingeschichte der Pflanzen allgemein bewerten. Im Jahr 2011 war die Passionsblume Arzneipflanze des Jahres. (fp)

Lesen Sie auch:
Kräutertee beugt Erkältungen vor

Bild: Erin Silversmith