Supermarkt Räucherlachs mit Keimen belastet

Sebastian

Vielfach ist Räucherlachs aus dem Supermarkt mit Bakterien verseucht

19.12.2011, 20.12.2011

Eine Lebensmittelstudie im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks (NDR) hat ergeben, dass günstig angebotener Räucherlachs aus dem Supermarkt oft mit Keimen belastet ist. Als mangelhaft wurden auch auch einige Premiumsorten eingestuft. Laut der Untersuchung dürften die meisten Waren nicht mehr verkauft werden und landeten trotzdem in den Regalen.

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War geräucherter Lachs vor vielen Jahren noch teuer, wird der Markt mittlerweile mit Lachs aus Züchtungen überschwemmt. Rauchlachs kostet teilweise in einigen Discountern unter drei Euro. Wie hoch können bei einem solch niedrigen Preis noch die Qualitätsstandards sein? Anscheinend ist der Räucherlachs trotz des eingehaltenen Mindesthaltbarkeitsdatum in Deutschland vielmals ungenießbar.

Ungenießbarer Lachs in Deutschlands Supermärkten
Journalisten des NDR Verbrauchermagazins „Markt“ haben Lebensmittelexperten beauftragt günstigen und teuren Lachs aus Supermärkten und Discountern genauer wissenschaftlich unter die Lupe zu nehmen. Dabei wurden viele günstige Lachsprodukte als auch als Premium deklarierte Sorten untersucht. Die Ergebnisse weisen oftmals auf eine äußerst mangelnde Qualität der Lachse hin: Einzelne Waren waren stark mit Bakterien verseucht und somit fast verdorben. Laut der Reporter hegen die Mikrobiologen den Verdacht, dass viele angebotene Waren aus dem Supermarkt eigentlich nicht mehr als „genießbar“ eingestuft werden dürften. Daher müsste der Räucherlachs auch nicht mehr verkauft werden.

Einige Proben überschritten massiv die Richtwerte
Überprüft wurde der Lachs der Supermarktketten Edeka, Lidl, Penny, Rewe, Aldi, Netto und Sky. Die Kontrolleure des KIN Lebensmittelinstituts in Neumünster nahmen laut NDR Stichproben bei den aufgelisteten Märkten. Bereits bei der sensorischen Prüfung einiger Proben wurde ein übelriechender Geruch bemerkt. Bei der anschließenden mikrobiologischen Analyse zeigten neu der zehn getesteten Sorten eine Keimbelastung über den gesetzlichen Richtwerten. Drei Rauchlachs-Artikel zeigten sogar eine Überschreitung des 300-fachen des Richtwertes. Laut dem Magazin handele es sich um Lachswaren der Ketten Netto, Edeka und Penny. Nur bei einem einzigen Räucherlachs der nicht aus einer Zucht stammt, sondern wild gefangen wurde (Wildlachs), konnten die Experten keinerlei Beanstandungen vornehmen. Der Wildlachs wird bei "Penny" verkauft. Somit waren neun von zehn Proben mit Keimen belastet. Der Richtwert wurde von der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie aufgestellt. D

Räucherlachs wird regelmäßig untersucht
Der Konzern Edeka hatte auf Anfrage betont, dass die Erzeugnisse regelmäßig überprüft werden. Das Unternehmen Netto sagte, man würden den Lachs „bei einem namhaften Hersteller, der die hohen Qualitätsstandards der Eigenmarkenzertifizierung nach dem IFS Food erfüllt“ beziehen. Der IFS Food ist ein international gültiger Standard in der Lebensmittelqualitätssicherung. Penny wies die Prüfergebnisse zurück. Aus den gesendeten Berichten gehe nicht hervor, dass der Prüfbericht „mit den angefragten Produkt übereinstimmt“. Erst im letzten Monat November 2011 hatte die Supermarktkette Netto den Artikel "Premium Räucherlachs, 120 Gramm" aus dem Handel zurück gerufen. In Proben wurde das Bakterium Listerien festgestellt.

Listerien führt zur Listeriose
Wird eine höhere Dosis der Keime über den Verzehr von Lebensmitteln aufgenommen, kann die Krankheit Listeriose ausgelöst werden. Besonders gefährdet sind Menschen mit einer geschwächten Immunabwehr, wie z.B. Chronisch Kranke, Schwangere, altere Menschen oder Kleinkinder. „Das Beschwerdebild ähnelt einer Grippe“, sagen Ärzte. „Betroffene leiden dann unter Fieber, Gliederschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen“. In einigen Fällen kann die Listeriose einen schweren Krankheitsverlauf nehmen. Vor allem geschwächte Patienten können in Folge an einer Sepsis (Blutvergiftung) und/oder Meningitis (Hirnhautentzündung) erkranken. Im schlimmsten Fall können Patienten an den Folgen versterben. Im Zusammenhang einer Listeriose kann bei Schwangeren eine Frühgeburt oder ein Abort ausgelöst werden. Ansonsten gesunde Menschen sind weniger gefährdet, wenn die aufgenommene Dosis gering ist. Alle Einzelheiten zu den Testergebnissen werden in der Fernsehsendung "Markt" am Montag um 20.15 Uhr im NDR Fernsehen vorgestellt. (sb)