Rückkehr der Syphilis Krankheit in Deutschland

Heilpraxisnet

Immer mehr Menschen erkranken an Syphilis in Deutschland

04.12.2014

Lange Zeit war die Geschlechtskrankheit Syphilis in Deutschland kaum noch verbreitet, doch seit einigen Jahren sei hier wieder ein Anstieg der Erkrankungen zu verzeichnen, berichtet die Deutsche Gesellschaft für innere Medizin (DGIM). Vor allem Männer und Frauen, die ungeschützten Geschlechtsverkehr mit verschiedenen Partner haben, sollten daher verstärkt auf möglich Symptome achten. Denn bei frühzeitiger Diagnose ist die Erkrankung relativ gut behandelbar. Laut Ärzten seien aber "die Beschwerden sehr lange unspezifisch, so dass die Diagnose nicht selten erst spät erfolgt".

Der DGIM zufolge wurden im Jahr 2013 beim Robert-Koch-Institut über 5.000 Syphilis-Fälle registriert. Im Jahr 2009 habe die Zahl noch bei rund 3.000 Fällen gelegen.. „Nachdem Syphilis-Infektionen in Deutschland zuletzt nur noch vereinzelt auftraten, nimmt ihre Zahl seit Anfang des Jahrzehnts wieder zu“, berichtet die Fachgesellschaft weiter. Oft verlaufe eine Syphilis-Infektion unbemerkt, was mit entsprechend verspäteten Diagnosen einhergehe. Dies birgt einerseits die Gefahr einer unwissentlichen Übertragungen der Erreger und anderseits ein erhöhtes Risiko langfristiger Gesundheitsschäden. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin rät daher „zu erhöhter Aufmerksamkeit für das Krankheitsbild.“ Schlimmstenfalls könne Syphilis tödlich enden, „doch bei früher Diagnose lässt sie sich wirksam behandeln“, so die Mitteilung der DGIM.

Großteil der Syphilis-Neuinfektionen betrifft Männer
Die Übertragung von Syphilis erfolgt der DGIM zufolge meist durch ungeschützten Geschlechtsverkehr und „während die Infektionsrate bei Frauen seit Jahren gleichbleibend niedrig ist, steigt die Anzahl der an Syphilis erkrankten Männer derzeit an.“ Mehr als 90 Prozent der Neuinfektionen betreffen Männer. Nach Kontakt mit den Erregern (spiralförmige Bakterien; Treponema pallidum) bildet sich an der Eintrittsstelle neun bis neunzig Tage später zunächst ein schmerzloses Geschwür, der sogenannte „harte Schanker“, berichtet die DGIM. Dieser heile in der Regel auch unbehandelt innerhalb von zwei Wochen wieder ab. Damit ist die Infektion allerdings keineswegs überstanden. Und zudem bleibt dieser „Primäraffekt der Syphilis häufig unbemerkt“, erläutert Professor Dr. med. Dr. h.c. Ulrich Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel.

Unauffälliger Verlauf der Geschlechtskrankheit
Aufgrund des unauffälligen Verlaufs wird laut Aussage des Experten „nur ein Drittel der Syphilisfälle im ersten Stadium entdeckt.“ Erfolgt hier keinen Behandlung, geht die Erkrankung rund sieben bis acht Wochen später in das nächste Stadium über. Die Erreger haben sich im Körper ausgebreitet und es bildet sich Juckender Hautausschlag– „häufig am Rumpf, Handflächen und Fußsohlen“, so die Mitteilung der DGIM. Auch in diesem Stadium könne die Syphilis ohne Behandlung noch von selbst ausheilen. „Bei gesunden Menschen gelingt es dem Immunsystem in etwa dreißig Prozent der Fälle, die Erreger vollständig zu beseitigen“, erläutert Professor Fölsch. Insbesondere Patienten mit geschwächtem Immunsystem (zum Beispiel bei HIV) verzeichnen jedoch oft ein rasches Fortschreiten der Erkrankung.

Schäden am Gehirn und Herz-Kreislauf-System
Bis zum Übergang in das dritte Stadium der Syphilis können laut Mitteilung der DGIM „Jahre bis Jahrzehnte“ vergehen. Bemerkbar mache sich der Übergang durch Knoten oder Flecken auf der Haut sowie später auch durch die Bildung von Geschwüren. Die richtige Diagnose bringe hier häufig erst die Analyse einer Hautprobe, „denn Syphilis kann die Gestalt vieler Erkrankungen annehmen“, berichtet Professor Fölsch. Daher sei die Geschlechtskrankheit früher auch als „Chamäleon der Medizin“ bezeichnet worden. Im Spätstadium beschränkt sich Syphilis laut Aussage des Experten allerdings nicht mehr auf die Haut, sondern auch die Blutgefäße können schwer geschädigt werden. Dabei könne beispielsweise „ein durch die Infektion ausgelöstes Aneurysma jederzeit platzen und einen plötzlichen Tod herbeiführen.“ Zudem berichtet Professor Fölsch von Schäden an Herzklappen und Gehirn. Die gute Nachricht sei allerdings, dass Syphilis sich auch im Spätstadium noch durch eine zweiwöchige Penicillinbehandlung relativ verlässlich behandeln lasse. „Einmal aufgetretene Schäden an den Blutgefäßen oder im Nervensystem bleiben aber bestehen“, so Fölsch. Daher sei es besonders wichtig, dass die Erkrankung frühzeitig erkannt wird. (fp)

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