Tabletten wie Ibuprofen und Diclofenac können einen Herzstillstand auslösen

Alfred Domke

Gefährliche Schmerzmittel: Ibuprofen und Diclofenac können Herzstillstand-Risiko erhöhen

Viele Menschen gehen davon aus, dass Medikamente wie Ibuprofen oder Paracetamol ungefährlich seien, weil sie frei verkäuflich sind. Doch so manche rezeptfreien Schmerzmittel können mit extrem gefährlichen Nebenwirkungen einhergehen und unter anderem das Risiko für einen Herzstillstand erhöhen.

Rezeptfreie Schmerzmittel mit gefährlichen Nebenwirkungen

Rezeptfreie Schmerzmittel sind heute in den meisten Haushalten zu finden. Häufig werden sie relativ unbedacht gegen unterschiedlichste Formen von Schmerzen eingesetzt. Allerdings kann die Einnahme mit erheblichen Nebenwirkungen – unter anderem für das Herz – einhergehen. So zeigte sich in einer Studie des McGill University Health Centre in Montreal (Kanada), dass einige dieser Medikamente das Herzinfarktrisiko erheblich erhöhen. Und italienische Forscher berichteten, dass manche Schmerzmittel eine Herzschwäche bedingen können. Wissenschaftler aus Dänemark stellten nun fest, dass Mittel wie Ibuprofen und Diclofenac das Risiko für einen Herzstillstand deutlich erhöhen.

Laut einer Studie erhöhen manche frei verkäuflichen Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac das Risiko für einen Herzstillstand. (Bild: Sherry Young/fotolia.com)

Diclofenac erhöht das Risiko für einen Herzstillstand um 50 Prozent

Wie die Forscher des Copenhagen University Hosptial Gentofte im „European Heart Journal“ berichten, kann die Einnahme von Ibuprofen dazu führen, dass sich das Risiko für einen Herzstillstand um 31 Prozent erhöht.

Ein anderes Medikament mit ähnlichen Auswirkungen ist Diclofenac, welches das Risiko sogar um 50 Prozent erhöhte.

Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass Nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAID) keineswegs harmlos sind.

Solche Medikamente sollten bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder vielen kardiovaskulären Risikofaktoren besser nicht eingesetzt werden, so die Einschätzung der Wissenschaftler.

Betroffene Medikamente sollten nur in Apotheken verkauft werden

Studienautor Gunnar Gislason, Kardiologe am Universitätskrankenhaus in Gentofte meint, dass solche Medikamente nicht frei verkäuflich sein sollten, wenn es keine professionelle Beratung zur Nutzung gibt.

Diese Form von Schmerzmitteln sollte nur in Apotheken verkauft werden, in begrenzten Mengen und in niedrigen Dosen, so der Experte weiter. Wenn solche Medikamente überall frei erhältlich sind, entstehe dadurch ein falscher Eindruck bei der Öffentlichkeit.

Viele Menschen denken dadurch, dass der Einsatz solcher Schmerzmittel sicher ist, fügt der Mediziner hinzu.

„Unsere Studie liefert die Beweise für die nachteiligen Herz-Kreislauf-Effekte von sogenannten NSAIDs. Solche Medikamente sollten nur nach der Beratung durch medizinisches Fachpersonal eingenommen werden“, sagt Prof. Gislason.

Laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) seien solche Mittel in Deutschland ohnehin in höheren Dosierungen in jedem Fall rezeptpflichtig. Patienten seien hierzulande durch die bestehenden Regelungen ausreichend geschützt.

Forscher untersuchten Daten aus zehn Jahren

Die Wissenschaftler analysierten für ihre Studie die Daten aller Patienten in Dänemark, welche zwischen dem Jahr 2001 und 2010 einen Herzstillstand erlitten. Bei allen Betroffenen wurde dann die Verwendung von NSAIDs während des Monats vor dem Herzstillstand überprüft.

In der zehnjährigen Periode der Untersuchung hatten 28.947 Patienten einen Herzstillstand. Davon waren 3.376 mit einem nicht-steroidalen entzündungshemmenden Medikament innerhalb eines Monats vor dem Herzstillstand behandelt worden, sagen die Forscher.

Es gab drei sogenannte NSAIDs, welche zu keiner statistisch signifikanten Erhöhung des Risikos für einen Herzstillstand führten. Zu diesen gehörten Naproxen, Celecoxib und Rofecoxib.

Die Ergebnisse könnten aber auch auf eine geringe Stichprobengröße zurückzuführen sein, erläutern die Autoren.

Effekte der Schmerzmittel auf das Herz-Kreislauf-System

Die Medikamente üben zahlreiche Effekte auf das Herz-Kreislauf-System aus, wie die Beeinflussung der Blutplättchenaggregation und die Bildung von Blutgerinnseln. Diese Effekte könnten zur Erklärung der Ergebnisse beitragen, sagten die Forscher.

Solche Medikamente können auch Arterien verengen und den Blutdruck erhöhen, fügen die Wissenschaftler hinzu.

Diclofenac ist besonders riskant und sollte deswegen von Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der allgemeinen Bevölkerung vermieden werden. Es gibt sichere Medikamente, welche ähnliche Schmerzmittel-Effekte aufweisen, betonen die Experten.

Also gebe es keinen Grund für die Verwendung von Diclofenac. Menschen sollten außerdem an einem Tag niemals mehr als 1.200 mg Ibuprofen zu sich nehmen, erklärt Professor Gislason. (as, ad)