Tabu: Häusliche Gewalt gegen Männer

Heilpraxisnet

Häusliche Gewalt von Frauen gegen Männer bleibt ein Tabu

14.03.2015

Häusliche Gewalt von Frauen gegen Männer ist noch immer ein Tabuthema. Aus Angst, dem gesellschaftlichen Rollenbild nicht zu entsprechen, schämem sich viele männliche Opfer, um Hilfe zu bitten. Zudem existieren für sie deutlich weniger Hilfsangebote als für betroffene Frauen.

„Opfer gilt als männliches Schimpfwort“
Noch immer ist häusliche Gewalt von Frauen gegen Männer ein Tabuthema. „Frauen holen sich eher Hilfe. Bei uns sind die männlichen Opfer immer noch Einzelfälle“, sagte Karl-Günther Theobald von der Opferhilfe Weisser Ring gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Doch dies entspreche nicht der Realität. Auch das gesellschaftliche Bild von Männern sei eine Ursache: „Der Begriff Opfer gilt als männliches Schimpfwort“, so der Psychologe. „Männer haben gefälligst kein Opfer zu sein und schon gar nicht von Frauen – das ist nach wie vor die verbreitete Ansicht.“ Es brauche in diesem Bereich dringend ein Umdenken.

Häusliche Gewalt kommt in allen sozialen Milieus vor
Nach Erfahrung des Experten kommt häusliche Gewalt in allen sozialen Milieus vor. Ursachen können zum Beispiel Stress und Belastung in der Arbeit sein. „Die Gewalt geht immer vom Stärkeren aus.“ Männer würden eher zuschlagen, während Frauen vor allem psychische Gewalt ausübten. Wie Theobald erläuterte, sei die Geschlechterverteilung bei solchen Demütigungen und Tyrannisierungen anders als bei der körperlichen Gewalt. „Das Problem ist, dass dagegen kaum vorgegangen wird. Psychische Gewalt ist im Großen und Ganzen nicht im Strafgesetzbuch erfasst.“

Weniger Hilfsangebote für betroffene Männer
Aber was können betroffene Männer dann tun? Grundsätzlich sollten Opfer, egal ob männlich oder weiblich, schnell Hilfe suchen – bei vertrauten Menschen, Beratungsangeboten oder auch der Polizei. Meist bleibe es leider nicht bei einzelnen Attacken. „Häusliche Gewalt ist in der Regel kein Einzelfall, sondern ein festes Konfliktmuster.“ Allerdings existierten für Männer deutlich weniger Hilfsangebote als für Frauen. „Nehmen wir den Bereich Sexualdelikte: Da gibt es jede Menge Angebote für weibliche Opfer und einige für männliche Täter. Aber für männliche Opfer wird kaum etwas getan.“ Betroffenen Männern wird von Theobald dazu geraten, sich zum Beispiel an den Weißen Ring oder an Männerberatungsstellen zu wenden.

Männer geben sich Schuld am Verhalten der Partnerin
Wie verbreitet das Problem ist, hat auch eine Untersuchung im Rahmen einer Gesundheitsstudie des Robert-Koch-Instituts (RKI) ergeben, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde. Demnach sind Männer fast genauso häufig von häuslicher Gewalt betroffen wie Frauen. Männer, die sich besonders fair verhalten wollen und sich deshalb gar nicht oder erst spät wehren, werden Experten zufolge eher zu Opfern von häuslicher Gewalt. Zudem kommt oft hinzu, dass viele von ihnen denken, dass sie Schuld am Verhalten der Partnerin sind oder dieses zumindest provoziert haben. Ein Verhalten, das sich laut Psychotherapeuten auch bei geschlagenen Frauen findet. Täterinnen hingegen sind wenig einfühlsam und setzen Gewalt ein, da sie glauben, sich nicht anders helfen zu können. (ad)

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>Bild: Gabriele Remscheid / pixelio.de