Tag des Kaffees: Gesunder Muntermacher?

Alfred Domke

Fakten zum Tag des Kaffees

08.09.2013

Am gestrigen Samstag wurde hierzulande der „Tag des Kaffees“ begangen. Das Lieblingsgetränk der Deutschen wird bislang überwiegend als gesundheitsschädlich eingestuft. Doch es gibt auch neuere Erkenntnisse über eine Vielzahl positiver Effekte des Kaffee-Konsums.

Tag des Kaffees
Seit 2006 wird jeden ersten Samstag im September der „Tag des Kaffees“ gefeiert. Der ausrichtende Deutsche Kaffeeverband beschreibt den Aktionstag folgendermaßen: „Am Tag des Kaffees werden durch zahlreiche Aktionen und Events in ganz Deutschland verschiedene Facetten des Kaffees – von Lifestyle bis Tradition, von Genuss bis Geselligkeit – erlebbar. Kaffeeliebhaber und -interessierte können sich informieren und Kaffee auf neue Art zelebrieren.“ Hierzulande gilt für einen großen Teil der Bevölkerung die Ansicht, dass Kaffee gesundheitsschädlich ist, da er den Insulinspiegel, den Blutdruck und den Blutzucker erhöhe, dem Körper Wasser entziehe und zudem das ganze Herz-Kreislauf-System schädige. Doch Kaffee-Konsum zeige auch positive Effekte für die Gesundheit.

Kaffee mindert Diabetes-Risiko
So haben Wissenschaftler in mehreren groß angelegten Untersuchungen mit bis zu 120.000 Teilnehmern festgestellt, dass der regelmäßige Genuss von Kaffee vor Typ-II-Diabetes schützen kann. „Verschiedene Studien kamen zu dem Ergebnis, dass das Diabetes-Risiko bei Personen, die täglich bis zu sieben Tassen Kaffee tranken, am geringsten ist“, erklärte Prof. Dr. Stephan Martin vom Westdeutschen Diabetes Zentrum in Düsseldorf. Demnach besteht für Männer, die mehr als sechs Tassen Kaffee am Tag trinken, ein um etwa 50 Prozent reduziertes Risiko einer Typ-II-Diabetes Erkrankung, bei Frauen, die ebenfalls entsprechend viel Kaffee trinken, verringert sich das Risiko um ca. 30 Prozent. Dabei gehen die Wissenschaftler davon aus, dass vor allem die enthaltenen Antioxidantien, Polyphenole oder Mineralstoffen die Schutzwirkung entfalten, nicht das Koffein. Denn der Effekt war bei entkoffeiniertem Kaffee in gleicher Weise messbar.

Kaffee und grüner Tee schützen vor Schlaganfall
Eine japanische Großstudie mit über 80.000 Probanden ermittelte ein signifikant niedrigeres Schlaganfall-Risiko bei Tee- und Kaffeekonsumenten. Resümierend kamen die Forscher zu dem Ergebnis: „Wer häufig Tee oder Kaffee trinkt, senkt damit die Wahrscheinlichkeit einem Schlaganfall zu erliegen.“ Der Wirkungsgrad wird seitens der Wissenschaftler mit rund 20 Prozent angegeben. In einem Zeitraum von 13 Jahren wurden die Studienteilnehmer immer wieder kontinuierlich zu ihren Trinkgewohnheiten, ihrem Gewicht, Tabak- und Alkoholkonsum, Ernährungsweisen und sportlichen Betätigungen befragt. Letztere Faktoren spielten bei der Berechnung des tatsächlichen Risikos eine wichtige Rolle, weil beispielsweise Bewegungsmangel und eine fettreiche Ernährung das Schlaganfall-Risiko negativ beeinflussen.

Positive Wirkung auf die Leber
Die Wahrscheinlichkeit an einem Leber-Leiden zu erkranken, sinkt mit dem täglichen Kaffee-Genuss ebenfalls, wobei nicht eindeutig geklärt ist, ob die positive Wirkung dem enthaltenen Koffein oder ebenfalls den Antioxidantien zuzuschreiben ist. Dabei beziehen sich die Ergebnisse der Forschung jedoch ausschließlich auf Menschen, bei denen ohnehin ein erhöhtes Risiko für derartige Erkrankungen vorliegt (z. B. Alkoholiker, Übergewichtige). Professor Christian Strassburg von der Uniklinik Bonn hatte vor kurzem auf einem Kongress der Bundesapothekerkammer in Meran darauf verwiesen, dass zwei Tassen Kaffee pro Tag sich positiv auf die Leber auswirken würden. Allerdings könne das Organ dadurch nicht, wie manchmal angenommen, vor einem übermäßigen Alkoholkonsum geschützt werden.

Koffein in Kaffee gegen Alzheimer
Offenbar kann regelmäßiges Trinken von Kaffee das Erkrankungsrisiko von Morbus Alzheimer verringern. Zu diesem Ergebnis gelangten Forscher des deutschen Forschungszentrums Jülich im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie. Das in Kaffee enthaltene Koffein wirkt in jenen Arealen des Gehirns, die bei der Krankheit Alzheimer involviert sind. Das Ergebnis ist nicht neu, da bereits vorangegangene Forschungsarbeiten ermittelten, dass der Verzehr von Kaffee ein minderes Krankheitsrisiko von Parkinson und Alzheimer produziert. Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich konnten jedoch erstmals lokalisieren, wo der in Kaffee enthaltene Wirkstoff Koffein im menschlichen Gehirn wirkt. Die Substanz ist allerdings nicht nur in Kaffee, sondern auch in Schwarztee und Schokolade enthalten.

Alles nur Hypothesen?
Experten meinen jedoch auch, dass solche Ernährungs-Beobachtungsstudien nur Hypothesen liefern, die einerseits spannend klingen, andererseits aber oft überinterpretiert werden. Eine Empfehlung beispielsweise, Kaffee zur Gesundheitsförderung zu trinken, kann erst dann erfolgen, wenn klinische Studien dessen „Wirksamkeit“ belegen würden. Diplom-Ernährungswissenschaftler und Kaffeetrinker Uwe Knop meinte im vergangenen Jahr dazu: „Genießen Sie Ihren Kaffee, wenn er Ihnen schmeckt und wohl bekommt – aber glauben Sie besser nicht an die zahlreichen Berichte, sie senken `mit mehr als vier Tassen täglich´ Ihr Risiko für Diabetes, Depressionen, Krebs, Alzheimer, Gicht, Schlaganfall und Herzerkrankungen!“ (ad)

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Bild: Marianne J. / pixelio.de