Tag- oder Nachtmensch: Individueller Biorhythmus per Bluttest messbar

Fabian Peters

Bluttest ermöglicht das Ablesen der inneren Uhr

Unsere innere Uhr bestimmt den individuellen biologischen Rhythmus und hat weitreichende Einfluss auf die Körperfunktionen. Mit einem neuen Bluttest können Wissenschaftler nun nach eigenen Angaben erstmals den Status der inneren Uhr eines Patienten objektiv bestimmen. Dies könnte auch zu verbesserten Therapieerfolgen führen, da beispielsweise die Einnahmezeit der Medikamente hierauf abgestimmt werden kann.


Der individuelle biologische Rhythmus bedingt tageszeitliche Schwankungen der verschiedenen Körperfunktionen, was auch Einfluss auf den Erfolg therapeutischer Maßnahmen haben kann. Eine objektive Bestimmung der inneren Uhr der Patienten war bislang jedoch nicht möglich. Hier bietet der neue Bluttest Abhilfe. Das internationale Forschungsteam um Professor Dr. Achim Kramer vom Institut für Medizinische Immunologie der Charité hat bestimmte Biomarker im Blut identifiziert, die das Ablesen der inneren Uhr ermöglichen. Ihre Ergebnisse wurden in dem Fachmagazin „The Journal of Clinical Investigation“ veröffentlicht.

Unsere innere Uhr hat maßgeblichen Einfluss auf die Körperfunktionen und kann auch die Wirkung von Medikamenten beeinflussen. Wissenschaftler haben jetzt einen Bluttest entwickelt, mit dem sie die inneren Uhr ablesen können. (Bild: contrastwerkstatt/fotolia.com)

Tageszeitliche Schwankungen der Körperfunktionen

Die Unterscheidung in Lerchen- und Eulen-Menschen beschreibt den Unterschied zwischen Menschen, die eher früh am Tag aktiv sind und früher schlafen gehen sowie Menschen, die eher Langschläfer sind und dafür abends bzw. nachts noch lange wach bleiben. Gesteuert wird dies durch unsere innere Uhr. Sie bedingt individuelle tageszeitliche Schwankungen der Funktionen des menschlichen Körpers. In der Folge „zeigen zum Beispiel Medikamente in Abhängigkeit von der inneren Uhr unterschiedlich starke Wirkung – je nachdem, zu welcher Uhrzeit sie eingenommen werden“, erläutern die Experten der Charité.

Unterschiedliche Wirkung der Medikamente

So kann die Wirkung der Medikamente von Mensch zu Mensch verschieden ausfallen, abhängig davon, ob seine innere Uhr zum Spättyp oder zum Frühtyp neigt, also ob die Person eher eine Eule oder eine Lerche ist, berichten die Forscher. Eine exakte Bestimmung des individuellen biologischen Rhythmus hätte daher große Vorteile für die Therapie. Mithilfe der sogenannten Chronotherapie ließen sich Arzneimittel insgesamt wirksamer und verträglicher einsetzen als bisher, erläutern die Experten.

Biomarker zeigen den Status des Biorhythmus

Das internationale Forschungsteam unter Leitung von Prof. Dr. Kramer hat im Rahmen der aktuellen Studie zunächst bei mehreren Probanden über den gesamten Tag die Aktivität aller 20.000 Gene einer bestimmten Gruppe von Blutzellen bestimmt, so die Mitteilung der Berliner Charité. Anhand spezieller Computeralgorithmen konnten sie aus diesen Datensätzen zwölf Gene bestimmen, die verlässlich die Innenzeit anzeigen. Sie identifizierten Biomarker im Blut, die für die individuelle, Innenzeit charakteristisch sind. Dabei können die Biomarker einer einzigen Blutprobe auch dann noch einen Spättyp von einem Frühtyp unterscheiden, wenn die betreffende Person entgegen ihrem biologischen Rhythmus früh am Morgen von einem Wecker geweckt wird, berichtet die Charité weiter.

Chronotherapie bisher selten angewandt

Bisher wurde die Chronotherapie unter Berücksichtigung der Tageszeit wegen einer fehlenden Diagnostik der Innenzeit selten angewandt, berichtet Prof. Kramer. Der Experte zeigte sich jedoch davon überzeugt, dass die Chronotherapie der konventionellen Therapie oft überlegen ist. „ Wir denken, dass dieser erste objektive Test der Innenzeit dazu beitragen wird, dass die Tageszeit bei Therapie und Diagnose viel mehr an Bedeutung gewinnen wird“, betont der Studienleiter.

Optimierung der Behandlung

In klinischen Folgestudien planen die Wissenschaftler nun eine Überprüfung der Wirksamkeit der personalisierten Chronotherapie. Hierzu werde die Therapie auf die individuelle Innenzeit der Patientinnen und Patienten abgestimmt, erläutern die Experten. Wenn das Zeitfenster bekannt ist, in dem ein Wirkstoff besonders effektiv ist, kann die Wirkung der Behandlung optimiert und gleichzeitig das Risiko von Nebenwirkungen verringert werden, so die Forscher weiter. (fp)