Taille-Hüfte-Verhältnis bei Frauen ein Hinweis auf Herzinfarktrisiken

Alexander Stindt

Auswirkungen einer sogenannten Apfelform bei Frauen

Wenn Frauen eine große Taille im Verhältnis zur ihrer Hüfte haben, deutet dies auf ein deutlich erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt hin. Bei Männern sind diese Auswirkungen des Verhältnisses von Taille zu Hüfte dagegen nicht so stark.


Die Wissenschaftler der international anerkannten University of Oxford stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass eine verhältnismäßig große Taille im Bezug auf die Hüfte bei Frauen zu einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte führt. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Journal of the American Heart Association“ (JAHA).

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Verhältnis Taille zu Hüfte ein guter Prädikator für Herzinfarkte

Bei ihrer Studie analysierten die Experten die Daten von knapp 500.000 Menschen aus der sogenannten UK Biobank. Dabei konnten sie feststellen, dass das Verhältnis Taille zu Hüfte bei beiden Geschlechtern ein besserer Prädiktor für Herzinfarkte ist als eine allgemeine Fettleibigkeit, gemessen am BMI. Die Untersuchung legt jedoch nahe, dass Frauen mit einer sogenannten Apfelform besonders gefährdet sind.

Wie wirkt sich die Verteilung des Fettgewebes im Körper aus?

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass ein Blick auf die Verteilung des Fettgewebes im Körper – insbesondere bei Frauen – uns mehr Aufschluss über das Risiko eines Herzinfarkts geben kann als eine allgemeine Fettleibigkeit“, sagt Studienautorin Dr. Sanne Peters vom George Institute for Global Health der University of Oxford in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen.

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Körperfettverteilung festgestellt

„Unsere Ergebnisse deuten auch darauf hin, dass Unterschiede in der Art und Weise, wie Frauen und Männer Fett speichern, das Risiko für Herzerkrankungen beeinflussen können. Das Verständnis der Rolle, die geschlechtsspezifische Unterschiede in der Körperfettverteilung bei zukünftigen Gesundheitsproblemen spielen, könnte zu geschlechtsspezifischen Maßnahmen für die öffentliche Gesundheit führen, welche die globale Adipositas-Epidemie wirksamer bekämpfen könnten“, fügt die Medizinerin hinzu.

Übergewicht und Fettleibigkeit führen zu Krankheiten

Übergewicht oder Fettleibigkeit sind ein wichtiger und immer häufiger auftretender Risikofaktor für chronische Krankheiten wie beispielsweise einen Herzinfarkt, Diabetes und Schlaganfall, welche weltweit zu den häufigsten Todesursachen zählen. Die Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) legen nahe, dass Männer mit einer Taille größer als 102 cm und Frauen mit einer Taille größer als 88 cm ein stark erhöhtes Risiko für metabolische Erkrankungen (einschließlich Diabetes) haben.

Frauen sind stärker betroffen

Die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigen, dass ein hoher BMI bei beiden Geschlechtern mit dem verstärkten Risiko von Herzerkrankungen verbunden ist. Jedoch wirkte sich das Verhältnis Taille zu Hüfte bei Frauen scheinbar stärker aus. Es war bei Frauen mit einem 10 bis 20 Prozent stärkeren Risiko eines Herzinfarkts verbunden als ein hoher BMI. Das Taille zu Hüfte Verhältnis war ein 18 Prozent stärkerer Prädiktor für einen Herzinfarkt, als der BMI bei Frauen und ein 6 Prozent stärkerer Prädiktor für einen Herzinfarkt bei Männern. Dies deutet darauf hin, dass mehr Fett um den Bauch im Besonderen eine größere Wirkung bei Frauen hat, möglicherweise aus genetischen oder biologischen Gründen, erklären die Experten.

Weitere Forschung ist nötig

Es wird allerdings weitere Forschung benötigt, um genauer herauszufinden, wie Frauen und Männer Körperfett speichern und wie und warum dies mit unterschiedlichen Gesundheitsrisiken zusammenhängt, fügt Dr. Peters hinzu. (as)