Taube Menschen können besser sehen?

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Taube Menschen können besser sehen?

Fällt ein Sinnesorgan aus, nutzt das Gehirn anscheinend nicht genutzte Areale im Gehirn, um funktionierende Sinnesorgane zu schärfen. Anhand einer Studie konnten Wissenschaftler aus Kanada nachweisen, dass Katzen besser sehen können, wenn sie taub geboren worden sind.

Ungenutze Gehirnareale werden für andere Sinnesorgane verwendet.
Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass taube Menschen oftmals besser Sehen können. In einem Versuchsaufbau untersuchten Wissenschaftler aus Kanada, wie das Gehirn nicht genutzte Gehirnareale nutzt, wenn ein Sinnesorgan ausgefallen ist. Hierzu untersuchten die Forscher der kanadischen Universität von Western Ontario Katzen, die bereits ohne eine Hörfähigkeit geboren waren. Im Vergleich zu anderen Artgenossen konnten die gehörlosen Katzen deutlich besser sehen. Die Tiere konnten während der Studie beispielsweise Objekte am Rand ihres Blickfeldes deutlich besser wahrnehmen und reagierten zudem sensibler auf Bewegungen. Die Forscher konnten damit nachweisen, dass die ungenutzten Gehirnareale des Hörzentrums die visuellen Aufgaben mit übernehmen.

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Taube können anscheinend Objekte am oberen Rand des Sichtfeldes besser erkennen
Die Forscher beschrieben ihre Ergebnisse in dem Fachmagazin „Nature Neuroscience“. Bereiche des Hörkortex die normalerweise den Umgebungslärm registrieren, wurden nun dazu genutzt, die Objekte am Rande des Sichtfeldes wahrzunehmen. Aus diesem Grund konnten die Katzen beim Wechseln der Straßenseite ein heran nahendes Auto zwar nicht hören, aber umso besser sehen. „Das Gehirn ist sehr effizient und lässt ungenutzten Raum nicht verkümmern“, erläuterte Studienleiter Stephen Lomber. „Es kompensiert den verlorenen Sinn mit nützlichen Verbesserungen.“ Nun vermuten die Forscher, dass die Funktionalität des Areals zwar die gleiche bleibt, die Sinnesmodalität allerdings wechselt.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich diese Erkenntnisse auch auf den Menschen übertragen lassen. Ob sich das Gehirn ähnlich verhält, wenn man beispielsweise durch einen Unfall plötzlich taub wird, wollen die Wissenschaftler in einer weiteren Studie klären. Im darauf folgenden Fokus steht, wie das Gehirn auf Hörhilfen reagiert. Die Ergebnisse könnten dazu genutzt werden, um zum Beispiel die Funktionalität von Hörhilfen zu verbessern. Der gesamte Artikel erschien im Wissenschaftsmagazin „Nature Neuroscience“. (sb, 17.10.2010)