Tausende wechseln in die PKV

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Wechsel in die PKV ab 2011 erleichtert

Tausende wechseln in die PKV

Das Bundesgesundheitsministerium vermutet, dass im kommenden Jahr 2011 bis zu 60.000 derzeit gesetzlich Versicherte in die Private Krankenversicherung wechseln werden. Möglich machen dies die erleichterten Wechselbedingungen im Zuge der geplanten Gesundheitsreform.

Die schwarz-gelbe Koalition rechnet damit, dass im nächsten Jahr rund 60.000 Menschen in die PKV wechseln werden. Der Verband der privaten Krankenversicherung zeigte sich hierbei weniger optimistisch und sprach von rund 19.000 Wechselbereiten in Deutschland. Dennoch kann die Versicherungsbranche zu mindestens mit leichten Zuggewinnen an neuen Mitgliedern rechnen, denn für viele Menschen erscheint – durch geringere Beiträge und vermeintlich mehr Gesundheitsleistungen – der Weg in die PKV praktikabel und effektiv zu sein.

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Wechsel wird erleichtert
Ab dem ersten Januar 2011 werden die Bedingungen für einen Wechsel von der Gesetzlichen Krankenkasse (GKV) in die Private Krankenversicherung (PKV) erheblich erleichtert. Eigens dazu wurde die sogenannte Drei-Jahres-Frist auf eine Ein-Jahres-Frist gekürzt. Das bedeutet, dass Arbeitnehmer in nur einem Jahr über die Versicherungspflichtgrenze verdienen muss, um anschließend in die PKV wechseln zu können. Doch die Euphorie kann trotz geringerer Beiträge schnell verblassen. Wir zeigen auf, auf was Verbraucher unbedingt achten sollten, wenn sie einen Wechsel in die PKV in Erwägung ziehen. Denn ist der PKV-Wechsel erst einmal vollzogen, ist der Weg zurück in den Schoß der gesetzlichen Krankenversicherung zu 99 Prozent versperrt.

Wie hoch ist die Versicherungspflichtgrenze?
Statt der Drei-Jahres-Grenze, besteht ab dem ersten Januar 2011 nur noch eine Ein-Jahres-Grenze. Das bedeutet, dass potenzielle PKV Versicherte mindestens über 49.500 Euro Brutto einmalig innerhalb des Gesamtjahres verdienen müssen, um einen Wechsel vornehmen zu können. Ist diese Grenze überschritten, sollten sich Verbraucher zunächst umfassend informieren. Denn der Dschungel an unterschiedlichen PKV Tarifen ist immens. Die erste Regel sollte also lauten, die eigene persönliche Situation genau zu beachten, um anschließend eingehend PKV Tarife am Besten unabhängig zu vergleichen. Entsprechende Vergleichsangebote können zuhauf auf unterschiedlichen Finanzportalen durchgeführt werden. Hat man sich einen Tarif ausgewählt, heißt es nun mit den Vertrags- und Leistungsbedingungen zur nächsten Verbraucherzentrale zu gehen, um dort die vertraglichen Bedingungen prüfen zu lassen. Denn Vorsicht, ist erst einmal ein Tarif abgeschlossen, können sich die späteren monatlichen Kosten für die Krankenversicherung sehr schnell erhöhen.

Die eigene familiäre Lebenssituation unbedingt beachten
Ist man ungebunden, jung und hat noch keine Kinder, erscheinen die Tarife als sehr günstig und verlockend. Doch die eigene Lebenssituation kann sich sehr schnell ändern. Zu beachten gilt beispielsweise, dass die Privaten Anbieter eine Familienmitversicherung nicht kennen. Das bedeutet, dass jedes einzelne Kind extra krankenversichert werden muss. Auch Gesundheitsleistungen wie Mutter-Kind-Kuren sind in der PKV unbekannt und werden nicht angeboten. Einige PKV- Anbieter schließen allerdings nicht aus, dass es perspektivisch solche Familien-Kombi Angebote geben wird. Doch ist zu bezweifeln, ob dann tatsächlich auch der Versicherungsbeitrag der gesetzlichen Familienmitversicherung unterschritten werden kann. Eine Mitfamilienversicherung gilt auch nicht für den erwerbslosen Partner oder Partnerin. Auch hier muss eine extra Gesundheitsprüfung vollzogen und ein gesonderte Vertrag abgeschlossen werden.

Wechsel lohnt für Beamte durch Zuschuss des Dienstherren
Lohnen könnte sich hingegen ein Wechsel für Beamte, da hier ein Anspruch auf eine Beihilfe besteht. Das bedeutet, dass beispielsweise Lehrer je nach Bundesland und Bundesland einen prozentualen Anteil der Krankheitskosten erstattet bekommen. Die PKV bietet hierfür spezielle Tarife für Beamte an Zur Beihilfe als Zuschuss berechtigt sind Beamte, Richter und Versorgungsempfänger, Berufssoldaten, Soldaten auf Zeit und Soldaten im Ruhestand. Den genauen Zuschuss sollte jeder Betroffene bei seinem Dienstherren erfragen.

Wechselansturm könnte die Gesetzliche Krankenversicherung gefährden
Wechseln viele Gut-Verdiener in die PKV verlieren die Kassen damit auch gleichzeitig gute Beitragszahler. Es ist davon auszugehen, dass vor allem diejenigen wechseln werden, die noch jung und ungebunden sind. Eben jene sind allerdings mit eine Stütze im solidarischen Gesundheitssystem. Zwar geht man bei der GKV davon aus, dass die Beitragserhöhung von 14,9 auf 15,5 ab 2011 das Haushaltsdefizit von sage und schreibe 11 Milliarden Euro wieder relativieren wird, besteht allerdings ein regelrechter Wechselansturm, so könnten die Gesetzesänderungen die Kassen in arge finanzielle Schwierigkeiten bringen.Das Bundesgesundheitsministerium beziffert den jährlichen Verlustanteil der GKV mit 200 Millionen Euro pro Jahr. (sb, 11.11.2010)