Tee meistens belastet: Kamille- und Kräutertees häufig mit Schadstoffbelastung verunreinigt

Alfred Domke
Stiftung Warentest: Nur jeder zweite Kräutertee überzeugt
Viele, die sich eine Tasse Tee einschenken, wollen damit entspannen und erhoffen sich eine positive Wirkung auf die Gesundheit. Allerdings ist längst nicht jeder Tee empfehlenswert. Die Stiftung Warentest hat in einer Untersuchung festgestellt, dass viele Kräutertees mit Schadstoffen belastet sind. Nur rund jedes zweite Produkt hat die Prüfer überzeugt.

Kräutertees mit Schadstoffen belastet
Experten appellieren bereits seit Jahren an die Anbieter von Kräutertees, bei Anbau und Ernte von Pflanzen für die Kräutertee- und Teeherstellung Sorgfalt walten zu lassen. Trotzdem gibt es immer wieder Schlagzeilen wie: Viele Kräuter- und Pfefferminztees enthalten Pflanzengifte, Krebserregendes Pflanzengift im Bio-Babytee gefunden, oder: Schwarzer Tee oft mit Schadstoffen belastet. Und auch in einer aktuellen Untersuchung der Stiftung Warentest zeigte sich, dass viele Kräutertees aufgrund der Belastung nicht zu empfehlen sind.

Die Stiftung Warentest hat 64 Kräutertees (Pfefferminze, Fenchel, Kamille und bunte Mischungen) geprüft und in zahlreichen Produkten gesundheitsgefährdende Schadstoffe festgestellt. (Bild: amenic181/fotolia.com)

Die beliebtesten Sorten der Bundesbürger
Pfefferminze, Fenchel, Kamille oder bunte Mischungen – diese Kräutertees trinken die Bundesbürger laut Stiftung Warentest am meisten.

Die Experten haben nun insgesamt 64 Tees der vier Sorten auf Schadstoffe geprüft und festgestellt, dass fast alle Fencheltees und viele Pfefferminztees keine Schadstoffe aufwiesen und empfehlenswert sind, während in Kamillentees und Kräutermischungen häufig schädliche Substanzen gefunden wurden.

Laut den Testern konnten insgesamt sechs Tees nur mit „Ausreichend“ bewertet werden.

Der Kamillentee von Kusmi Tea schneidet gar „Mangelhaft“ ab. Der Anbieter nahm die betroffene Charge nach Bekanntwerden der Testergebnisse vom Markt.

Der ausführliche Test Kräutertee erscheint in der April-Ausgabe der Zeitschrift „test“ (ab 30.03.2017) und ist unter „www.test.de/kraeutertee“ kostenpflichtig abrufbar.

Wie die Schadstoffe in den Tee gelangen
Laut den Prüfern stellten die Pyrrolizidinalkaloide, kurz PA, die bedenklichsten Funde dar. Vor allem Kamillentee und Kräuterteemischungen waren damit belastet.

Die „test“-Redakteurin Ina Bockholt erläuterte in einer Mitteilung, wie die Schadstoffe in die Tees gelangen:

„Auf Feldern, auf denen Teepflanzen wachsen, wuchern mitunter auch Wildkräuter. Einige, wie Greiskraut und Jakobskreuzkraut, enthalten Pyrrolizidinalkaloide (PA). Meist werden Teekräuter maschinell geerntet. Dabei werden andere Pflanzen mitgemäht. Bei Kamille mit ihren gelben, feinen Blüten ist das Risiko besonders hoch, kritische Wildkräuter zu übersehen.“

Erbgutverändernde und krebsauslösende Wirkung
„PA sind sekundäre Inhaltsstoffe, die von Pflanzen gebildet werden, um Fraßfeinde abzuwehren. In Lebensmitteln sind sie unerwünscht, da sie die Leber schädigen und im Tierversuch erbgutverändernde und krebsauslösende Wirkungen zeigten“, schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer Stellungnahme.

„Mit PA verunreinigte Kräutertees, einschließlich Rooibostee, sowie schwarzer und grüner Tee und Honig sind die Hauptquellen, über die Verbraucherinnen und Verbraucher PA aufnehmen können. Die in diesen Lebensmitteln enthaltenen PA-Mengen können sowohl für Kinder als auch für Erwachsene bei längerer (chronischer) Aufnahme gesundheitlich bedenklich sein“, heißt es dort weiter.

„Ein akutes Gesundheitsrisiko besteht hier jedoch nicht.“ Einen gesetzlichen Höchstgehalt für Pyrrolizidinalkoloide in Lebensmitteln gibt es bislang noch nicht.

Doch auch wenn von belasteten Tees keine akute Gefahr ausgeht, erhöht sich durch das regelmäßige Trinken das Risiko für Tumore und Leberschäden, schreibt die Stiftung Warentest.

Extrem belasteter Tee wurde vom Markt genommen
Als während der Testphase Anfang des Jahres der Kusmi Tea Chamomille mit einem extrem hohem PA-Gehalt auffiel, informierten die Tester sofort die Öffentlichkeit, die Lebensmittelaufsicht und den Anbieter, der die Charge daraufhin vom Markt zurückrief.

Laut den Prüfern waren die Gehalte an PA in den Kamillentees von Teekanne, Pukka und dem „Westminster Tea Kamille“ von Aldi (Nord) erhöht.

Ähnliche PA-Belastungen stellte die Stiftung Warentest auch in zwei Kräuterteemischungen fest, der „Kings’s Crown Kräuter-Symphonie“ von Rossmann und dem „8 Kräuter“ von Teekanne. Auch der „Tip Pfefferminztee“ von Real enthält vergleichsweise viel an PA.

Die Tester haben auch eine gute Nachricht: Fencheltee, der oft Babys zum Trinken gegeben wird, schnitt im Schadstoff-Check „sehr gut“ ab. Lediglich der Fencheltee von Marco Polo war wegen seiner Pestizidgehalte nur „befriedigend“. (ad)