Teetrinker haben eine höhere Lebensdauer

Sebastian

Regelmäßiger Konsum von Tee kann das Leben verlängern

03.12.2012

Einige Studien weisen auf positive Wechselwirkungen von speziellen Tee-Inhaltsstoffen und der menschlichen DNA hin. Das könnte erklären, warum regelmäßige Teetrinker in epidemiologischen Vergleichsstudien seltener einen Herzinfarkt erleiden, weniger von Osteoporose oder von Krebserkrankungen betroffen sind.

Wer regelmäßig Tee trinkt erkrankt seltener an Krebs, Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Zu diesem Ergebnis gelangten bereits zahlreiche Langzeitstudien. Unbekannt blieb bislang, warum das so ist. Ein deutsches Forscherteam um den Chemie-Experten Nikolai Kuhnert von der Jacobs Universität fand heraus, dass „molekularbiologische Wechselwirkungen zwischen einigen Inhaltsstoffen von Tee und der menschlichen DNA bestehen“. Diese könnten für die Positiveffekte und eine höhere Lebenserwartung verantwortlich sein.

Bisher waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass Antioxidantien in sogenannten Polyphenole die Gesundheit von Teetrinkern stärken. Etwa 70 Prozent dieser Naturstoffe sind in der Tee-Trockenmasse enthalten. Zum Beispiel weist schwarzer Tee rund 30.000 solcher Verbindungen auf.

Antioxidantien schützen vor Gewebeschädigungen
Fakt ist, dass Antioxidantien Schäden am Gewebe vorbeugen kann, weil sie sogenannte Freie Radikale binden und eliminieren. Freie Radikale entstehen beispielsweise durch zugeführte Giftstoffe und Umwelteinflüsse. Neuere Forschungsarbeiten der letzten Jahren zeigten allerdings, dass nicht allein die Polyphenole für die antioxidativen Wirkungen verantwortlich sein können. Aus diesem Grund konnten bislang keine überzeugende Erklärungen für die gesundheitlichen Auswirkungen von Tee durch Wissenschaftler geliefert werden.

Die Forscher aus Bremen um den Studienleiter Nikolai Kuhnert konnten erstmals nun zeigen, welche Mechanismen zu der Positivwirkung führen. Vermutlich basiert die Wirkung der Pflanzenstoffe auf molekularbiologischen Wechselwirkungen mit dem in Zellen gespeichertem Erbgut. Anhand der Erkenntnisse, dass sich in den Teepflanzen die Polyphenole insbesondere in den Zellkernen finden lassen, forschten die Wissenschaftler mit unterschiedlichen Spektroskopie-Methoden. Das Ziel war herauszufinden, wie die Moleküle mit der DNA korrespondieren. Dabei zeigte sich, dass die Tee-Polyphenole Epigallocatechingallat aus grünem Tee und Theaflavin-Digallat aus schwarzem Tee sehr häufig Verbindungen mit DNA-Teilchen und Proteinen eingehen, die sich am Ende von Chromosomen befinden. Die zwei genannten Polyphenole gehören zu den am häufigsten vorkommenden in Teesorten. Die DNA-Teile, auch als Telomer bezeichnet, sind im wesentlichen für den Erhalt der Chromosomen verantwortlich und schützen diese vor der Zerstörung.

Regelmäßiger Teegenuss verlängert Zelllebensdauer
Findet eine Zellteilung statt, kappt das Enzym Telemorase ein Teil von der Telomer ab. Um so mehr das Enzym von der Telomer abschneidet, um so weniger effektiv bleibt diese. Ist eine kritische Verkürzung erreicht, kann sich die Zelle nicht mehr weiter teilen und stirbt ab. Kontinuierliche Teetrinker können aber jenen Prozess mindestens verlangsamen, weil die Polyphenole im Tee den beschriebenen Prozess verlängern und damit auch die Zelllebensdauer verlängern.

Anhand der Forschungserkenntnisse „gehen wir davon aus, dass diese positive stabilisierende Wirkung auf die Erbinformation auf lange Sicht auch die Gesundheit und Lebenserwartung des gesamten Organismus verbessert“, sagt Kuhnert. Eine Bestätigung für die Vermutung konnten die Wissenschaftler anhand eines Experiments mit Fruchtfliegen erlangen. Die Lebensdauer der Fliegen verlängerte sich durch den Verzehr von Tee um etwa 20 Prozent. „Im Prinzip kann jede chemische Verbindung, die in dieser Weise an die Telomere andockt, diesen Effekt haben; interessanterweise kennen wir bislang jedoch noch keine andere natürliche Substanz, die Telomere so effektiv stabilisiert, wie die Tee-Polyphenole", erklärt der Chemiker.

Die Arbeit des Teams basiert auf In-Vitro-Studien mit humanoider Telomer DNA. Im nächsten Schritt wollen die Forscher nun herausfinden, wie sich die Polyphenole in Tee im menschlichen Organismus im Alltag verhalten. Dabei könnte sich herausstellen, dass sich durch regelmäßiges Trinken von Tee Polyphenole im Gewebe anreichern. „Wir hätten dann erstmals den Beweis dafür, dass ein Getränk in der Lage ist, das Leben von Menschen zu verlängern“. Bei einem Erfolg wäre es dann eine hochinteressante Ausgangsbasis für medizinische und klinische Studien, um das therapeutische Potenzial der Tee-Polyphenole zu erforschen", so Kuhnert resümierend. Ein weiteres Forschungsprojekt der Universitätsklinik Halle untersucht derzeit die Darmkrebs-Vorsorge Potentiale von Grüntee. (sb)