Telefonseelsorge zur Weihnachtszeit stark gefragt

Fabian Peters

Einsamkeit häufigster Anrufgrund bei der Telefonseelsorge

24.12.2012

Zur Weihnachtszeit laufen die Drähte bei der Telefonseelsorge heiß. Während viele Menschen die Feiertage im Kreise der Familie genießen, quält andere über Weihnachten besonderer Kummer. Sie fühlen sich angesichts des durch die Medien vermittelten Bildes eines Fests der Familie und Harmonie besonders einsam.

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Einsamkeit ist zur Weihnachtszeit einer der Hauptgründe für die vermehrten Anrufe bei der Telefonseelsorge, erklärte Alexander Fischhold, Chef der katholischen Telefonseelsorge München im Gespräch mit „tz online“. Während der Feiertage fallen viele Menschen in eine persönliche Krise, bestätigte auch die evangelische Kirche Westfalen in einer Mitteilung vom Freitag. Unterschiedliche Gründe wie Konflikte in der Familie, Trennungen oder der Tod des Lebenspartners haben zur Folge, dass viele Menschen die Weihnachtstage alleine verbringen. Dies ist aufgrund der allseits zelebrierten Geselligkeit für die Betroffenen oftmals besonders schwierig. Hilfe finden sie bei den verschiedenen Hotlines zur Telefonseelsorge.

Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar
Wie Alexander Fischhold erläuterte sind die Mitarbeiter der katholischen (Tel.: 0800/1110111) aber auch der evangelischen Telefonseelsorge (0800/111 0 111) über die Feiertage rund um die Uhr erreichbar. Hilfe finden Bedürftige auch bei anderen Hotlines wie der Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche oder dem Krisendienst Psychiatrie. Außerdem können sich Menschen mit ihren Problemen per Chat im Internet () an die ehrenamtlichen und geschulten Mitarbeitern der Telefonseelsorge wenden. Diese bieten den Betroffenen Unterstützung bei Kummer und Nöten jeglicher Art, wobei über die Feiertage meist Gespräche rund um das Thema Einsamkeit den Schwerpunkt bilden, erklärte Alexander Fischhold. Die Arbeit der Telefonseelsorge gewinnt über die Feiertage eine besondere Bedeutung, da aufgrund der psychischen Beschwerden auch die Zahl der Suizidversuche zu Weihnachten um rund 40 Prozent steigt.

Einsamkeit zu Weihnachten häufigstes Thema der telefonischen Seelsorge
Schwierig sei an dieser Stelle, dass die Medien Weihnachten als Fest der Familie und der Harmonie vermitteln, etliche Menschen über die Weihnachtsfeiertage jedoch eine andere Realität erleben, so die Aussage des Leiters der katholischen Telefonseelsorge München gegenüber „tz online“. Zwar sei die Telefonseelsorge das ganze Jahr über gut ausgelastet, doch in der Advents- und Weihnachtszeit seien die Themen andere. Einsamkeit bilde hier einen der wichtigsten Anrufgründe. Die Mitarbeiter der Telefonseelsorge versuchen den Anrufern dabei unter anderem zu vermitteln, dass sie mit ihren Schwierigkeiten nicht allein dastehen und viele Menschen sich über Weihnachten einsam fühlen. Hier weiche die Realität oftmals vom medial vermittelten Bild des harmonischen Weihnachtsfest im Kreise der Familie ab. Laut Alexander Fischhold ist die christliche Aussage über Weihnachten an dieser Stelle jedoch ohnehin eine andere. Die Feiertage sind hier nicht als Fest der Familie, sondern als Fest der Gemeinschaft zu verstehen.

Heiligabend am meisten Anrufen bei der Telefonseelsorge
Am meisten Anrufe erhält die Telefonseelsorge laut Aussage des Experten direkt am Heiligabend ab dem späten Nachmittag. Hier rufen wirklich nur noch die an, die alleine und einsam sind, da alle anderen schon mit den letzten Vorbereitungen fürs Weihnachtsfest beschäftigt sind oder bereits mit den Feierlichkeiten begonnen haben. Ihren rund um die Uhr Dienst erhält die Telefonseelsorge über die Feiertage sowohl mit Hilfe von hauptamtlichen als auch von ehrenamtlichen Mitarbeitern aufrecht, wobei Alexander Fischhold zufolge bei der katholischen Telefonseelsorge tagsüber jeweils zwei Mitarbeiter den Telefondienst wahrnehmen und in der Nacht einer. Hinzu kommen die Kollegen von der evangelischen Telefonseelsorge, betonte der Experte. Sämtliche Mitarbeiter seien besonders geschult, wobei die ehrenamtlichen Mitarbeiter vor ihrem Einstieg zunächst ein Jahr lang berufsbegleitend ausgebildet werden, um auch in schwierigen Situationen angemessen zu reagieren. Auf diese Weise soll auch verhindert werden, dass die Mitarbeiter bei belastenden Gesprächen selber psychische Probleme bekommen. Aus diesem Grund führen die Mitarbeiter der Telefonseelsorge auch monatliche Gespräche mit Fachpersonal, die ihnen helfen sollen schwierige Erlebnisse zu verarbeiten, erläuterte Alexander Fischhold. (fp)

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Bild: Daniel Rennen / pixelio.de