Test: Benzol in Mineralwasser mit Geschmack

Nina Reese

Stiftung Warentest untersuchte aromatisierte Mineralwässer

26.04.2013

Ob Apfel, Orange oder Erdbeere – Mineralwasser mit Aroma werden bei Verbrauchern immer populärer, denn sie versprechen eine leichte und gesunde Alternative zu Limonade oder Soft Drinks wie Cola oder Fanta. Doch steht es tatsächlich um den Fruchtgehalt in den aromatisierten Wässern? Diese Frage hat sich die Stiftung Warentest gestellt und verschiedene Wasser mit Fruchtgeschmack untersucht – mit zum Teil erschreckenden Ergebnissen.

25 Produkte im Test
Für die Mai-Ausgabe der Zeitschrift „test“ untersuchten die Experten der Stiftung Warentest „25 Wässer mit Geschmack in den Geschmacksrichtungen Apfel, Erdbeere, Himbeere, Schwarze Johannisbeere, Kirsche, Pfirsich, Pfirsich-Maracuja, Orange, Zitrone und Zitrone-Limette“ unter anderem in Hinblick auf Schadstoffe, Sensorik, Verpackung und Deklaration und konnten dabei keinem einzigen Produkt die Note „gut“ geben – stattdessen erhielten sogar fünf Wässer ein „Mangelhaft“. So seien laut einer aktuellen Pressemitteilung der Stiftung auf den Etiketten zwar Früchte zu sehen, die vollen Fruchtgeschmack versprechen würden, doch „die getesteten Wässer mit Geschmack enthalten nur Kunstaromen“, für die Experten demnach eine eindeutige „Verbrauchertäuschung“.

Besorgniserregender Fund von Benzol
Bedenklich ist dabei besonders der Fund von Benzol, denn der krebserregende Stoff wurde in gleich drei Getränken mit Kirschgeschmack gefunden (Penny/Elitess aqua plus Kirsch, Volvic Kirsche und Vitrex Kirsche)“. Dabei lag der Wert bei der Marke „Vitrex“ „[…] mit 3 Mikrogramm pro Liter deutlich über dem Grenzwert von 1 Mikrogramm Benzol pro Liter, der für Trinkwasser gilt“, so die Mitteilung der Stiftung.

Nachuntersuchungen aufgrund von Studie des NDR
Dass die getesteten Produkte überhaupt auf Benzol hin untersucht worden waren, hatte sich erst „Last-Minute“ ergeben, denn laut der Stiftung hatten erst „kritische Benzolmengen, die bei einer Untersuchung der NDR-Sendung „Markt“ in Erfrischungsgetränken gefunden und Anfang dieser Woche veröffentlicht worden waren“, Anlass für Nachuntersuchungen gegeben. Woher das Benzol kommt, konnte allerdings noch nicht geklärt werden. Denn bisher war aus früheren Untersuchungen bekannt, dass Benzol aus dem Konservierungsstoff Benzoesäure entsteht, vorausgesetzt, dass Getränk enthält Ascorbinsäure – doch das ist bei keinem der Produkte des aktuellen Tests der Fall. Daher würden nun laut Stiftung Warentest bereits zwar weitere Untersuchungen laufen, doch für die Veröffentlichung im „test-Magazin“ kamen die Befunde zu spät – sobald neue Ergebnisse vorliegen, sollen diese jedoch gratis auf der Website der Stiftung zur Verfügung gestellt werden.

Hoher Zuckergehalt in fast allen Getränken
Neben dem Benzol fanden die Tester in nahezu allen Wässern reichlich Zucker – am stärksten waren hier die Getränke mit Erdbeergeschmack betroffen, bei denen auf 1,5 Liter gut 70 Gramm Zucker kamen, was umgerechnet 23 Stückchen Würfelzucker entspricht. Eine leichte Alternative scheinen die aromatisierten Wasser mehrheitlich also definitiv nicht zu sein – denn nur zwei Produkte erwiesen sich hier als frei von Zucker.

Auch der Geschmack gab den Testern Anlass zu Kritik: So wurde in nur einem Fall der Geschmack des Produkts als „typisch“ für die abgebildeten Früchte bezeichnet, ansonsten schmeckten die Getränke lediglich „aromatisiert und nur fruchtähnlich“, so die Stiftung Warentest, daher sei „die Bezeichnung „natürlicher Fruchtgeschmack“ auf einigen Wässern […] irreführend“. Doch damit nicht genug, denn bei fünf Produkten sei das Aroma laut den Experten noch nicht einmal in der Liste der Inhaltsstoffe angegeben gewesen – daher dürften diese so im Grunde gar nicht verkauft werden.

Aroma besser selbst herstellen
Wer dennoch sein Wasser lieber mit Geschmack trinkt, dem empfiehlt Stiftung Warentest, seinen Durstlöscher einfach selbst zu mixen. So bildet zum einen Tee eine gute Basis, denn dieser bietet von Kräuter bis Frucht vielfältige Geschmacksrichtungen und ist nahezu frei von Kalorien. Hier kann außerdem jeder selbst entscheiden, wie geschmacksintensiv er sein Erfrischungsgetränk haben möchte, indem zum Beispiel auf einen Liter Tee statt drei nur ein Teebeutel verwendet wird oder eine Tasse Tee mit einem Liter kalten Wasser gemixt wird. Neben Tee eignet sich auch Saft gut als Basis für ein erfrischendes Kaltgetränk – dabei reicht schon eine kleine Menge Saft aus, um dem Wasser ein leichtes Fruchtaroma zu verleihen. Etwas mehr Arbeit, dafür aber garantiert ohne Zusatzstoffe ist natürlich der selbst gepresste Saft zum Beispiel aus Zitrone, Limette, Orange oder Grapefruit.

Doch laut Stiftung Warentest braucht es gar nicht immer die ganze Frucht, denn Wasser könne bereits durch Fruchtstückchen ein wenig aromatisiert werden. Dafür kommt jedes Obst von Apfel über Erdbeere bis Zitrone in Frage, für zusätzlichen Pepp könnten Gurken- und Ingwerscheiben, Zitronenmelisse, Minze und Basilikum verwendet werden. Grundsätzlich sollten Verbraucher laut Stiftung Warentest jedoch darauf achten, "Früchte und Kräuter immer gründlich zu waschen und idealerweise unbehandelte Zutaten zu verwenden". Dann benötigt man auch keine aromatisierten Getränke, die mit Frucht nicht im Geringsten etwas zutun haben. (nr)