Tetris-Computerspiel kann vor posttraumatischen Belastungsstörungen schützen

Alexander Stindt
Mediziner stellen interessanten Effekt von Tetris spielen nach traumatischen Ereignissen fest
In den 1980er Jahren war das Computerspiel Tetris ein Riesenerfolg. Das beliebte Spiel wurde insgesamt mehr als 100 Millionen mal verkauft. Forscher fanden jetzt heraus, dass das Spielen von Tetris nach traumatischen Ereignissen verhindern kann, dass posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) auftreten.

Die Wissenschaftler der international anerkannten Oxford University und des Karolinska Institute in Schweden stellten bei einer Untersuchung fest, dass der Computerspielklassiker Tetris bei der Verhinderung von posttraumatischen Belastungsstörungen helfen kann, welche nach traumatischen Ereignissen auftreten. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Molecular Psychiatry“.

Tetris ist ein weitverbreitetes und sehr beliebtes Spiel. Experten stellten jetzt fest, dass das Spielen von Tetris nach traumatischen Ereignissen die psychische Gesundheit der Betroffenen schützen kann. (Bild: ggebl/fotolia.com)

Was ist Tetris?
Tetris ist eines der beliebtesten Computerspiele, welches jemals erfunden wurde. Es wurde 1984 entwickelt, aber auch in der heutigen Zeit spielen immer noch Millionen von Menschen auf der Welt dieses puzzleartige Spiel.

Wodurch entstehen posttraumatische Belastungsstörungen?
Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) treten besonders bei Menschen auf, die Situationen wie Krieg, Folter, Vergewaltigung und Verkehrsunfälle durchleben mussten, erläutern die Experten. Die meisten Menschen entwickeln keine posttraumatischen Belastungsstörungen nach solch einem Trauma. Wenn Patienten allerdings PTBS entwickeln, leiden sie unter rezidivierenden und aufdringlichen Erinnerungen oder Rückblenden.

Tetris als Verhaltensintervention?
Normalerweise wird den Betroffenen zu einer Therapie geraten, nachdem die Symptome diagnostiziert wurden. Aber es gab bisher keine Intervention, die dabei half das Trauma zu verhindern, sagen die Wissenschaftler. Unsere Hypothese war, dass nach einem Trauma die Patienten weniger aufdringliche Erinnerungen haben würden, wenn sie Tetris als Teil einer kurzen Verhaltensintervention spielen würden, erklärt Autorin Professor Dr. Emily Holmes vom Karolinska Institute.

Gedächtniskonsolidierung soll durch spielen von Tetris gestört werden
Da das Spiel visuell anspruchsvoll ist, wollten wir feststellen, ob es die aufdringlichen Aspekte der traumatischen Erinnerungen bei der Etablierung hindern könnte, fügt die Expertin hinzu. Dafür versuchten die Wissenschaftler den Prozess der sogenannten Gedächtniskonsolidierung zu stören.

Mediziner untersuchten bei ihrer Studie 71 Teilnehmer
Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler 71 Unfallopfer von KFZ-Unfällen. Von diesen Probanden wurde die Hälfte gebeten, sich kurz an ihr erlebtes Trauma zu erinnern und dann Tetris zu spielen, sagen die Autoren. Die anderen Teilnehmer wurden ausschließlich als Kontrollgruppe verwendet.

Spielen von Tetris führte zu weniger aufdringlichen Erinnerungen
Die Forscher fanden heraus, dass diejenigen, die Tetris gespielt hatten, weniger aufdringliche Erinnerungen an das Trauma innerhalb der Woche nach dem Unfall aufwiesen. Die Experten konnten außerdem feststellen, dass die negativen aufdringlichen Erinnerungen schneller abnahmen, verglichen mit der Kontrollgruppe.

Tests an größeren Patientengruppen sollen die psychologischen Vorteile überprüfen
Als nächstes sollten die Ergebnisse an einer größeren Patientengruppe überprüft werden, sagen die Autoren. So wollen die Wissenschaftler feststellen, ob die psychologischen Vorteile der Intervention für eine längere Zeit bestehen bleiben.

Weitere Forschung ist nötig
Jeder Mensch kann durch eine schlimme Situation ein Trauma erleben, sagt die Professorin. Es würde einen großen Unterschied für die Betroffenen machen, wenn wir einfache Verhaltens-psychologische Interventionen mit Computerspielen schaffen könnten, um so posttraumatisches Leiden zu verhindern und Menschen diese zermürbenden aufdringlichen Erinnerungen zu ersparen, fügt Autorin Holmes hinzu. Weitere Forschung sei nötig, um die Auswirkungen genauer zu verstehen und zu untersuchen. (as)