Therapeuten und Ärzte häufig von Burnout betroffen

Sebastian

Therapeuten, Ärzte, Pfleger und Sozialarbeiter sind häufig selbst psychisch belastet

24.08.2011

Gerade in den helfenden Berufen sind Arbeitnehmer schnell ausgebrannt. Besonders betroffen von einem möglichen Burnout sind Psychiater, Ärzte, Sozialarbeiter, Krankenschwestern und Pfleger. Aufgrund ihrer Tätigkeiten laufen sie häufig selbst Gefahr, psychisch und körperlich zu erkranken.

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76 Prozent der jungen Ärzte sind erschöpft und demotiviert
Therapeuten, Ärzte, Pfleger, Erzieher und Sozialarbeiter: Sie alle verbindet die helfende Tätigkeit am Menschen. Oftmals ohne Dank und mit vielen Anfeindungen von denjenigen, die betreut oder gepflegt werden. Die Gefahr, selbst zu erkranken, ist dabei enorm hoch. Gesundheitsstörungen aufgrund von Stress und einer zu hohen Arbeitsbelastung, verursachen vielmals Erscheinungen wie dem Burnout Syndrom. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) zeigen gut 76 Prozent der jungen Mediziner Anzeichen von akuter Arbeitsüberlastung, weil sie emotional sowie körperlich erschöpft und demotiviert sind. Vielmals verfolgen vor allem junge Ärzte im Sinne des Patienten Ideale, die in der Praxis kaum Widerhall finden. Die Folge: Die Ärzte sind schnell enttäuscht, weil sich das Berufsleben anders zeigt, als in ihren idealisierten Vorstellungen. Auffällig ist, dass vor allem Berufsanfänger schnell erkranken. Nach Angaben der DGPPN ist das Risiko an totaler Erschöpfung zu erkranken, in professionellen Helfer-Berufen, besonders groß. Im Bereich der Psychotherapie und Psychiatrie zeigen sich oft starke Symptome. Psychiater berichten häufiger über „Burnout“, Depressionen und andere psychische Krankheiten als andere Ärzte.

Kostendruck im Gesundheitswesen
Nach Meinung der medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaft ist der sich immer weiter manifestierende Kostendruck im Gesundheitswesen- bei gleichzeitig steigenden Qualitätsanforderungen und Patientenzahlen- hierfür hauptverantwortlich. Helfer müssen immer bessere Arbeit ableisten und dafür immer mehr Menschen auf einmal pflegen oder betreuen. Zusätzlich sind die entstehenden emotionalen Bindungen, die bei der Arbeit mit dem Menschen nicht ausbleiben, ebenfalls eine steigende psychische Belastung für die Betroffenen. „In der Sozialarbeit ist der Aufbau einer Beziehung zum Adressaten fundamental“, sagt Gritli Bertram, Sozialarbeiterin aus Hannover. „Auf der anderen Seite belastet eben jene Beziehung, weil das Schicksal des Einzelnen auch Spuren bei dem Helfenden hinterlassen“ fügt die Expertin für Trauma-zentrierte Pädagogik hinzu. In der Fachwelt wird diese Übertragung „sekundäre Traumatisierung“ genannt. Die ersten Warnhinweise können Schlafstörungen, Kopfschmerzen, chronische Müdigkeit oder Reizbarkeit sein.

Erste Warnhinweise ernst nehmen
Die These, Personen, die im weiteren Sinne das Berufsfeld Psychiatrie, Sozialarbeit oder Psychotherapie wählen, zeigten selbst signifikante Neigungen zu psychischen Störungen, ist nach Meinung der DGPPN nicht haltbar. Für die Betroffenen ist es wichtig, erste Anzeichen von Erschöpfung wahrzunehmen und entgegenzusteuern. Wenn ein Burnout zu spät erkannt wird, drohe eine Depression. „Die DGPPN empfiehlt das eigene Zeitmanagement zu verbessern, Delegationsmöglichkeiten für Aufgaben zu nutzen oder auch mal Nein zu sagen sowie exzessive Überstunden zu vermeiden.“ Sind bereits erste Anzeichen vorhanden, könnte zunächst eine kognitive Verhaltenstherapie gegensteuern. In dieser Therapieform erlernen Patienten ihre eigenen Verhaltensstrukturen zu hinterfragen, die beispielsweise zu den emotionalen und körperlichen Erschöpfungszuständen geführt haben. Das Ziel einer solchen Therapie ist, perspektivisch besser mit Stress umzugehen und auf die Signale des Körpers zu achten.

Die Thematik „Burnout bei professionellen Helfern in der Psychiatrie und Psychotherapie“ wird in einigen Veranstaltungen auf dem diesjährigen Kongress der DGPPN behandelt. Zu dem Kongress werden bis zu 10.000 Fachbesucher und Gäste erwartet. Der Kongress ist in Deutschland die größte Fachtagung zum Themengebiet psychische Erkrankungen. (sb)