Thermotherapie: Mit Hitze gegen Krebs

Fabian Peters

Thermotherapie: Mit Hitze gegen Krebs

(29.08.2010) In Berlin haben Forscher des Nantechnologieunternehmens „MagForce“ ein Verfahren entwickelt, das die Krebstherapie in Zukunft um eine Behandlungsmethode erweitert: die "Thermotherapie mit Nanopartikeln". Dabei „wird feinster Eisenoxidstaub in bösartige Geschwülste injiziert und in einem Wechselmagnetfeld erhitzt. Die Tumorzellen werden dabei richtiggehend gekocht: Sie platzen oder werden stark geschwächt.", erklärt der Geschäftsführer Dr. Andreas Jordan.

Die Forscher haben eine patentierte nanochemische Hülle konzipiert, die es ermöglicht, dass nur die kranken Zellen den Eisenoxidstaub aufnehmen, da sie diesen für Nährstoffe halten. Die gesunden Zellen nehmen keine Nanoteilchen auf. Sind die Eisenpartikel in den Zellen der Geschwüre injiziert, können sie diese nicht mehr verlassen bzw. wandern nicht im Körper, da sie mit einer Hülle aus Aminosilanen überzogen wurden, die die Partikel bei Erhitzung im Tumor verklumpen lässt. So können Tumore in Zukunft von innen heraus behandelt werden und es bietet sich in der Krebstherapie neben chirurgischen Eingriffen, Strahlentherapien und Chemotherapien eine neue Behandlungsalternative an.

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Wie die Erhitzung erfolgt, verdeutlicht Andreas Jordan dem Besucher gerne anhand einer Fünf-Cent-Münze, welche er mit einer Pinzette in die Einkerbung eines kleinen braunen Kastens auf seinem Schreibtisch hält. An beiden Seiten des Kastens befinden sich Magnetspulen, welche ein Wechselmagnetfeld mit bis zu 100.000 Mal in der Sekunde wechselnder Polarität induzieren. Sobald die Spulen eingeschaltet werden, beginnt die Münze zu glühen. Ähnlich erfolgt auch die Behandlung der Krebsgeschwüre, erklärt Jordan.

Bereits seit Jahrzehnte arbeiten die Forscher an der Entwicklung ihrer Methode und seit dem erfolgreichen Abschluss einer Studie an der Neurochirurgischen Klinik des Bundeswehrkrankenhauses Berlin bei Patienten mit wiederauftretendem Gehirntumor (Glioblastom-Rezidiv), ist die Thermotherapie seit Ende Juni jetzt offiziell zur Behandlung zugelassen. Im Rahmen der Studie wurden Patienten behandelt, denen weder Operationen noch Bestrahlung oder Chemotherapie geholfen haben und welche in den meisten Fällen als nicht therapierbar eingestuften wurden. Dabei überlebten die Patienten im Schnitt 13,4 Monate länger als die der nicht mit Thermotherapie behandelten Kontrollgruppe. "Wenn der Tumor noch nicht gestreut hat, schlägt die Therapie teilweise verblüffend gut an", betonte der Studienleiter an der Neurochirurgischen Klinik, Professor Klaus Maier-Hauff. So leben einige der als nicht therapierbar eingestuften Patienten auch heute noch, zwei Jahre nach dem Beginn der Thermotherapie-Behandlung.

Diese Form der minimalinvasiven Nanokrebstherapie ist jedoch nicht nur bei der Behandlung von Hirntumoren vielversprechend, sondern kann z. B. auch bei Prostatakrebs helfen, erklärte Professor Peter Wust von der Klinik für Strahlenheilkunde am Virchow-Klinikum der Berliner Charité die Studienergebnisse. "So kann die Nanotherapie vor allem bei Patienten eingesetzt werden, bei denen die herkömmlichen Therapieverfahren keine befriedigenden Ergebnisse liefern", betonte Wust weiter. Auch soll der Einsatz der Methode für die Behandlung von Speiseröhren-, Brust-, Leber-, und Gebärmutterhalskrebs geprüft werden. Besonders erfreulich ist dabei nach Einschätzung der Experten, dass bisher keine schwerwiegenden Nebenwirkungen durch die Thermotherapie aufgetreten sind, was sie deutlich von den anderen Krebsbehandlungsmethoden unterscheidet. (fp)