Tigermücken in Deutschland übertragen Infektionskrankheiten

Experten machen sich wegen der Ausbreitung exotischer Mückenarten in Deutschland Sorgen.  Manche Mücken können gefährliche Krankheiten übertragen. (Bild: mycteria/fotolia.com)
Alfred Domke
Tigermücke in Deutschland nachgewiesen: Gefährliche Mücken auf dem Vormarsch
Zwar sind Mückenstiche hierzulande in der Regel harmlos, doch inzwischen wurden in Deutschland Mückenarten nachgewiesen, die gefährliche Infektionskrankheiten übertragen können. In manchen südeuropäischen Ländern gelten bestimmte exotische Mücken inzwischen sogar als fest angesiedelt. Stiche der Blutsauger sollten am besten vermieden werden.

Ideales Wetter für Stechmücken
Weltweit sind etwa 3.500 Mückenarten bekannt, allein in Deutschland gibt es rund 50 Arten. In diesem Jahr herrscht hierzulande ein ideales Wetter für Stechmücken. Die kleinen Blutsauger sind zwar nicht gefährlich, können aber ganz schön unangenehm werden. Allerdings wird die zunehmende Ausbreitung exotischer Mücken wie der asiatischen Tigermücke in Deutschland mit Sorge betrachtet. So berichtet das Umweltbundesamt: „Begünstigt durch Globalisierung und Klimaerwärmung kam es in der jüngeren Vergangenheit verstärkt zur Einschleppung, Etablierung und Ausbreitung mehrerer exotischer Stechmücken-Arten in Europa.“

Experten machen sich wegen der Ausbreitung exotischer Mückenarten in Deutschland Sorgen. Manche Mücken können gefährliche Krankheiten übertragen. (Bild: mycteria/fotolia.com)
Experten machen sich wegen der Ausbreitung exotischer Mückenarten in Deutschland Sorgen. Manche Mücken können gefährliche Krankheiten übertragen. (Bild: mycteria/fotolia.com)

Ausbreitung exotischer Mückenarten
Genannt werden unter anderem Aedes albopictus (Asiatische Tigermücke), Aedes aegypti (Gelbfiebermücke) sowie Aedes japonicus (Asiatische Buschmücke). Da einige davon als effiziente Überträger von Krankheitserregern von Mensch und Tier gelten, wird ihr geografisches Vorkommen unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Europäischen Gesundheitsbehörde ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) genau beobachtet. Auch das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) hatte in der Vergangenheit auf die Ausbreitung vor japanischen Buschmoskitos und Tigermücken hingewiesen.

Ansiedlungen der Asiatischen Buschmücke in Deutschland
Ein Projekt, das vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, etabliert wurde, kartiert, wann, wo und mit welchen Arten die Mücken in Deutschland vorkommen. Laut einer Mitteilung des ZALF konnten die Wissenschaftler Ansiedlungen der Asiatischen Buschmücke in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Bayern und Thüringen nachweisen. Die als potenzieller Überträger von Krankheitserregern ungleich gefährlicher einzuschätzende Asiatische Tigermücke wurde demnach in Baden-Württemberg und Thüringen gefunden.

Forschung kam nach Ausrottung der Malaria zum Erliegen
Dr. Doreen Walther vom ZALF geht davon aus, dass wir die Asiatische Buschmücke in Deutschland nicht mehr los werden. Die Mücke, die unter anderem das West-Nil-Fieber übertragen kann, kommt mit dem Klima in Mitteleuropa bestens zurecht. Der Tigermücke, die Dengue-Fieber oder das Chikungunya-Fieber weitertragen kann, ist es offenbar schon gelungen, in unseren Breitengraden zu überwintern. Seit die Malaria in Deutschland ausgerottet wurde, kam die Forschung über Stechmücken zum Erliegen – bis 2006 an der Blauzungenkrankheit (Schmallenberg-Virus) Tausende Rinder und Schafe starben. Dies sorgte dafür, dass Wissenschaftler dringenden Handlungsbedarf sahen. So wurde etwa 2012 der Mückenatlas initiiert, um flächendeckend und auch aus abgelegenen Gebieten Erkenntnisse über Mücken gewinnen zu können. Es gibt noch weitere Pläne.

Es heißt es in einer Mitteilung: „Langfristig ist geplant, dem Mückenatlas vergleichbare Projekte für weitere Blutsauger und potenzielle Überträger von Krankheitserregern, wie Zecken, Gnitzen, Kriebelmücken und Bremsen, folgen zu lassen. So würde dann beispielsweise auch ein Zeckenatlas etc. entstehen.“

Vor Stichen schützen
Zwar werden in manchen europäischen Ländern, in die exotische Mücken eingewandert sind, „regelmäßig lokale oder regionale Bekämpfungsmaßnahmen ergriffen, um die Etablierung und Ausbreitung der Arten und/oder eine Übertragung von Krankheitserregern zu verhindern“, erläuterte das Bundesumweltamt. Doch bisherige Kontrollaktivitäten hatten umso weniger Erfolg, je später sie eingesetzt wurden. Um sich also vor Infektionskrankheiten zu schützen, sollte man wissen, was gegen lästige Mücken hilft. Komplett entkommen kann man ihnen sicher nicht, doch mithilfe von speziellen Mückensprays kann man den Großteil der Blutsauger fernhalten. Des Weiteren kann man sich zu Hause oder im Zelt durch Moskitonetze und im Freien durch helle, hautbedeckende Kleidung vor Stichen schützen.

Untersuchungen zufolge werden die Blutsauger durch schlechten Geruch, wie Schweiß oder stinkende Socken angezogen. Dies sollte also vermieden werden. Fachleute raten dazu, auf UV-Strahler und ähnliche elektrische Insektenvernichtungsgeräte zu verzichten. Zum einen sei deren Wirksamkeit ohnehin begrenzt. Und zum anderen sollte man die Mückenpopulation hierzulande nicht reduzieren, da die lästigen Quälgeister biologisch gesehen ja durchaus ihren Sinn haben. Beispielsweise sind ihre Eier und Larven ein wichtiges Glied in der Nahrungskette. Lesen Sie auch: Die besten Hausmittel gegen Mücken. (ad)

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