Tinnitus: Stress nicht immer Auslöser

Heilpraxisnet

Neues Konzept setzt auf individuelle Behandlung

28.08.2012

Wenn es permanent in den Ohren klingelt oder ständiges Fiepen über lange Zeit keinen ruhigen Moment zulässt, leiden Betroffene häufig unter Tinnitus. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung lernen im Laufe ihres Lebens diesen akustischen Begleiter kennen. Viele verstehen Tinnitus fälschlicherweise als Krankheit, doch tatsächlich handelt es sich lediglich um ein Symptom. Rein symptomorientierte Behandlungen versprechen aber selten Aussicht auf Erfolg. Deshalb gilt es, Ursachen zu ergründen und diesen dann entgegenzuwirken. Dabei hilft ein neues Behandlungskonzept, bei dem Fachärzte die einzelnen Auslöser ermitteln und speziell auf den Patienten zugeschnittene Therapieansätze entwickeln.

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„Gründe für Tinnitus gibt es viele. Lärm und Stress, Ohrenerkrankungen und Probleme mit der Halswirbelsäule oder im Kiefergelenks-Bereich stellen nur einige mögliche Auslöser dar“, erklärt Dr. Uso Walter, praktizierender HNO-Arzt und Vorstandsvorsitzender des HNOnet NRW, einem Zusammenschluss niedergelassener Hals-Nasen-Ohren-Ärzte. Aufgrund des komplexen Krankheitsbildes stellen genaue Diagnose und Behandlung dieser Störung Ärzte vor eine große Herausforderung. Grundsätzlich unterscheiden Fachleute akuten und chronischen Tinnitus. Von akutem Tinnitus sprechen sie bei einer Dauer von bis zu sechs Monaten. Halten die störenden Ohrgeräusche wie Pfeifen, Klingeln oder Ohrensausen länger an, leiden Patienten an der chronischen Form. Doch obwohl der Befund für viele endgültig klingt, gibt es mittlerweile gute Therapiechancen, die sich zunehmend auf die Verarbeitung der Geräusche im Gehirn und die Psyche beziehen. Unerlässlich für eine erfolgreiche Behandlung: Umfassende Beratung und individuelle Therapiebausteine, die aufeinander aufbauen und ineinander greifen. Genau hier setzt das neue, vom HNOnet NRW und der Deutschen Tinnitus-Liga initiierte Projekt „Tinnitus – na und?!“ an.

„Das Konzept zeichnet sich durch seinen individuellen Ansatz aus“, beschreibt Dr. Walter. „Je nach Bedarf kommen beispielsweise psychologische und verhaltenstherapeutische Maßnahmen, spezielle Hörtrainings sowie Entspannungs- und Bewegungstherapien zum Einsatz.“ Die Basis für den Umgang mit der akustischen Störung und jedes weitere Vorgehen bildet jedoch ein Experten-Vortrag, der Betroffene ausführlich über ihre Ohrgeräusche, deren Verarbeitung und entsprechende Behandlungsmöglichkeiten informiert. Um dieses Wissen möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen, bietet das HNOnet NRW jetzt eine DVD an, die alle Inhalte des Vortrages und Informationen über Tinnitus und das neue Therapiekonzept enthält.