Tinnitus: Was kann gegen chronisches Ohrensausen helfen?

Alfred Domke

Verhaltenstherapien und Co – Was Betroffenen bei Tinnitus helfen kann

Nahezu jeder Mensch hat schon Ohrgeräusche erlebt. Meist verschwinden diese nach einigen Sekunden oder Minuten wieder. Wenn die Geräusche jedoch anhaltend sind oder immer wieder über einen längeren Zeitraum wahrgenommen werden, spricht man von einem Tinnitus. Es existieren verschiedene Behandlungsansätze. Experten erklären, was Betroffenen helfen kann.


Millionen Deutsche haben chronischen Tinnitus

Der Deutschen Tinnitus-Liga zufolge kommt es jährlich bei zehn Millionen Erwachsenen zu Tinnitus. Andere Gesundheitsexperten gehen davon aus, dass etwa jeder Vierte einmal im Leben von den quälenden Ohrgeräuschen und Ohrensausen betroffen ist. Meist sind die Beschwerden nur vorübergehend. Doch Millionen Bundesbürger leiden an chronischem Tinnitus. Diesen Patienten kann unter anderem eine kognitive Verhaltenstherapie helfen.

Rund drei Millionen Deutsche leiden an chronischem Tinnitus. Experten erklären, was gegen die unangenehmen Ohrgeräusche helfen kann. (Bild: Daniel Ernst/fotolia.com)

Ohrgeräusche können verschiedene Ursachen haben

Tinnitus-Ursachen können sehr unterschiedlich sein. Stress gehört zu den Hauptursachen für Ohrgeräusche.

Aber auch andere Faktoren, wie psychische Probleme oder bestimmte körperliche Erkrankungen, können das unangenehme Klingeln, Sausen oder Rauschen in den Ohren auslösen.

„In 80 Prozent der Fälle geht der akute Tinnitus durch Behandlungen der jeweiligen Ursachen oder auch von alleine wieder weg. Das Ohrgeräusch kann also wieder völlig abklingen, es kann aber auch bleiben“, schreibt die Deutsche Tinnitus-Liga auf ihrer Webseite.

Dann spricht man von chronischem Tinnitus.

Umgang mit der Erkrankung erleichtern

„Laut der Dt. Tinnitus-Liga haben in Deutschland etwa 3 Millionen Erwachsene einen chronischen Tinnitus, d.h. einen Tinnitus der länger als 3 Monate besteht. Jährlich kommen circa 270.000 Neuerkrankungen hinzu“, heißt es auf dem Portal „HNO-Ärzte im Netz“ des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V..

Den Experten zufolge ist ein chronischer Tinnitus „zwar nicht medikamentös heilbar, aber heutzutage gibt es verschiedene Behandlungsmethoden, die den Umgang mit der Erkrankung erleichtern und den Patienten wieder mehr Lebensqualität geben.“

Die kognitive Verhaltenstherapie ist eine der möglichen Tinnitus-Therapien.

Kognitive Verhaltenstherapie kann Betroffenen helfen

Durch diese Therapie können Patienten lernen, besser mit dem ständigen Pfeifen und Klingeln im Ohr umzugehen.

Betroffene üben bei dieser Behandlung, dem Ohrgeräusch nach und nach weniger Beachtung zu schenken, bis es idealerweise in den Hintergrund tritt und dann als weniger beängstigend wahrgenommen wird.

Ganzheitliches Therapiekonzept

Auch „sogenannte Rauschgeräte (z.B. Tinnitusmasker oder Noiser), die wie Hörgeräte am Ohr getragen werden, helfen, das störende Ohrgeräusch mit einer umfassenden Frequenz zu übertönen bzw. davon abzulenken“, schreiben die „HNO-Ärzte im Netz“.

Und auch „die umfassende Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) hilft vielen Betroffenen, besser mit dem ständigen Ohrgeräusch zu leben.“

Dieses ganzheitliche Therapiekonzept hat das Ziel, „dass der Patient seinen Tinnitus überhaupt nicht mehr oder zumindest nicht mehr als störend wahrnimmt.“

Die Therapie beinhaltet neben weiteren Behandlungselementen auch eine kognitive Verhaltenstherapie.

Manche Medikamente können ebenfalls dazu beitragen, dass sich die Situation der Patienten verbessert. Die Einnahme solcher Präparate sollte aber unbedingt mit einem Mediziner abgesprochen werden.

Hoffnung macht auch eine Nachricht aus den USA. Dort haben Forscher der Universität von Michigan vor kurzem über einen neuen Ansatz berichtet, der es Patienten mithilfe eines neuen Gerätes ermöglichen soll, ihre Störgeräusche zu beeinflussen.

Die duale Stimulanz gegen Tinnitus wurde nach ersten Tierversuchen auch an 20 Menschen mit Tinnitus getestet.

Die Probanden berichteten, dass nach vier Wochen täglicher Benutzung des Geräts die Lautstärke ihrer Störgeräusche abnahm und sich dadurch ihre Lebensqualität verbessert habe.

Ab wann man zum Arzt muss

Heutzutage werden Pfeifgeräusche im Ohr nicht mehr als Notfall behandelt. Doch je früher der Tinnitus behandelt wird, desto größer sind laut Experten die Heilungs- bzw. Linderungschancen.

Doch wann soll man sich in ärztliche Behandlung begeben?

„Treten Ohrgeräusche plötzlich mit einer starken Intensität auf oder werden die Abstände immer kürzer, so sollte innerhalb von 24 Stunden der HNO-Facharzt aufgesucht werden“, erklärte Dr. Michael Bohndorf, HNO-Facharzt in Düsseldorf, in einem Gespräch über wichtige Fragen zu Tinnitus.

„Kommt eine Hörverminderung hinzu, so sollte der HNO-Facharzt umgehend konsultiert werden“, so der Experte. (ad)