Tipps für den richtigen Igelschutz

Nina Reese

Deutscher Tierschutzbund warnt vor voreiliger Inobhutnahme

29.10.2013

Sobald die Tage kürzer und die Nächte wieder länger werden, sind auch Igel wieder vermehrt unterwegs. Da die stacheligen Tiere von Mitte November bis etwa Anfang April Winterschlaf halten, sind sie gerade jetzt im Herbst auf jede Form von Nahrung angewiesen, um sich für die Zeit in ihrem Winterquartier ausreichend zu rüsten. Viele Tierfreunde haben daher Sorge um die hilflos wirkenden Tiere und wollen helfen – doch gerade bei Igeln sollte sich laut dem Deutschen Tierschutzbunde unbedingt zurückgehalten werden, um die Tiere nicht unnötig in Gefahr zu bringen.

Igel nur selten auf menschliche Hilfe angewiesen
Wenn die Igel im Herbst in Vorbereitung auf ihren Winterschlaf auf Nahrungssuche gehen, meinen viele Menschen, sie müssten den niedlichen Tieren Unterstützung bieten. Doch der Deutsche Tierschutzbund warnt eindringlich „vor gut gemeinter, aber falsch verstandener Igelhilfe“, denn die stacheligen Tiere seien nur in Ausnahmefällen auf menschliche Hilfe angewiesen. Dementsprechend sollten VOR einer Inobhutnahme immer erst Informationen beim Tierarzt oder dem örtlichen Tierschutzverein darüber eingeholt werden, ob diese überhaupt nötig ist.

Besser für natürliches Umfeld sorgen
Stattdessen sollten Tierfreunde auf Anraten des Tierschutzbundes die Tiere erst einmal aus der Distanz beobachten und dabei darauf achten, dass nicht in das natürliche Umfeld des Igels eingegriffen oder sogar Unterschlupfmöglichkeiten zerstört werden. In diesem Zusammenhang könnten vor allem natürlich gestaltete, gut zugänglichen Gärten Nahrung und einen Unterschlupf und so ein sinnvolle Unterstützung durch den Menschen bieten.

Gesunde Tiere sind nur in der Dunkelheit unterwegs
Igel verstecken sich normalerweise tagsüber in Unterschlüpfen wie zum Beispiel hinter Kompost-, in Reisig- und Blätterhaufen oder Hecken und gehen nur im Schutz der Dunkelheit auf Nahrungssuche. Daher seien „wirklich hilfsbedürftige Igel [.] daran zu erkennen, dass sie tagsüber unterwegs sind, abgemagert erscheinen und sich apathisch verhalten. Auch Igel, die bei Dauerfrost oder geschlossener Schneedecke noch herumlaufen, sind meist geschwächt oder krank“, so die Information des Tierschutzbundes.

Auf Laubsauger verzichten
Um dem Igel einen „naturnahen“ Lebensraum zu bieten, könnten Gartenbesitzer beispielsweise anfallendes Laub in den Anlagen und auf den Beeten liegen lassen und Durchgänge zu anderen Gärten einrichten, da Igel ihre Nahrung meist in großen Gebieten suchen. Darüber hinaus sollten Gartengeräte nur mit großer Vorsicht eingesetzt werden, denn dadurch kann es zu schweren Unfällen kommen. Gerade die immer populäreren Laubsauger und -bläser stellen hier laut dem Tierschutzbund eine besondere Gefahr dar: Durch diese können zum einen kleinere Igel eingesaugt und getötet werden, zum anderen entfernen die Geräte neben dem Laub auch Insekten, Würmer und Weichtiere, die jedoch für die Igel eine wichtige Nahrungsquelle sind. Stattdessen sollte auf Anraten des Vereins lieber ein Rechen für die Gartenarbeit genutzt werden, da durch diesen weder Verstecke oder Nahrung zerstört werden.

Auch der NABU plädiert für einen „artgerechten Igelschutz“
Auch der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) engagiert sich für einen „artgerechten Igelschutz“, das heißt „in erster Linie für Lebensraumschutz, Verbesserungen des Lebensraumes in Siedlungen sowie „Entschärfen“ von Igelgefahrenstellen“, so eine Mitteilung des Vereins. Demnach sollte auch dem NABU nach eine Inpflegenahme die Ausnahme sein und wenn überhaupt dann nur fachkundig erfolgen. Stattdessen sollte neben den genannten Maßnahmen zur Einrichtung eines „igelfreundlichen Gartens“ darauf geachtet werden, besonders beim Mähen sowie bei Aufräumungs- und Rodungsarbeiten vorsichtig vorzugehen und potenzielle Fallen wie Kellerschächte, Gruben etc. sorgfältig abzudecken. (nr)

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Bild: Andreas Depping / pixelio.de