Tod durch akute Verstopfung – 16-Jährige Jugendliche stirbt am Herzinfarkt

Fabian Peters
Autistin mit Toiletten-Phobie nach acht Wochen ohne Stuhlgang verstorben
In Großbritannien ist ein 16-jähriges autistisches Mädchen gestorben, weil sie acht Wochen lang nicht zum Stuhlgang auf Toilette war. Die verstorbene Emily Titterington habe unter einer Phobie vor Toiletten gelitten und in der Vergangenheit bereits mehrfach bis zu zwei Monate keinen Stuhlgang gezeigt, berichtet der britische Nachrichtensender „Daily Mail“. Nun sei sie an einem Herzinfarkt infolge schwerer Verstopfung gestorben.

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Bei einer schweren Verstopfung kann die Vergrößerung des Darms zu erhöhtem Druck auf umliegende Organe und entsprechenden Schädigungen führen. (Bild: ag visuell/fotolia.com)

Nachdem Emily Titterington für rund acht Wochen ohne Stuhlgang war, hatte sich ihr Darmvolumen aufgrund des gestauten Inhalts derart vergrößert, dass der Brustkorb und andere Organe komprimiert wurden, berichtet „Daily Mail“. Schließlich sei die 16-Jährige im Februar 2013 im Royal Cornwall Hospital in Truro an den Folgen eines Herzinfarkts verstorben. Die anschließenden Untersuchungen der Todesursache konnten die Verstopfung eindeutig als Todesursache bestimmen Die Eltern werfen den Medizinern in dem Fall vor, dass ihre Tochter durch die richtige Behandlung hätte gerettet werden können. Die Ermittlungen in dem Fall sind noch nicht abgeschlossen.

Zurückhalten des Stuhlgangs mit gravierenden Folgen
In einer aktuellen Anhörung zu dem Tod der 16-Jährigen erläuterte die Pathologin Dr. Amanda Jeffery, dass die Beschwerden des Mädchens von geschultem Personal hätten erkannt werden müssen. Die Symptome seien übereinstimmend mit den Beschwerden des „Stuhlgang-Zurückhaltens“ gewesen, das bei Kindern häufiger vorkomme. Dieses spezielle Beschwerdebild trete zum Beispiel auf, wenn Kinder eine Phobie vor dem Toilettengang entwickeln, welche ihrerseits beispielsweise aus Angst vor Schmerzen beim Stuhlgang entstehen kann. Die Betroffenen beginnen den Stuhl durch Zusammenziehen des äußeren Schließmuskels zurückzuhalten. Das Gehirn könne die Signale, die in der Regel auf die notwendige Darmentleerung hinweisen, dabei bis zu einem gewissen Punkt ignorieren, was zur Abgabe großer Stuhlmengen mit begleitenden Schmerzen und gegebenenfalls Verletzungen wie beispielsweise Analfissuren führen kann. Auch steigt das Risiko einer Verstopfung, wenn der Stuhl zu lange im Darm verweilt.

Massive Erweiterung des Dickdarms
Bei der verstorbenen Emily Titterington wurde nach ihrem Tod im Rahmen der Obduktion eine schwere Verstopfung und eine massive Erweiterung des Dickdarms festgestellt. Hierzu erklärte Dr. Jeffery, das Ausmaß habe alles übertroffen, was sie je gesehen hat – „es war dramatisch.“ Am Ende führte die Verstopfung zu einem Herzinfarkt. Der Hausarzt der 16-Jährigen, Alistar James, erläuterte, dass er der Patientin zwar Abführmittel verschrieben, aber ihren Bauch nicht eingehender untersucht habe. „Hätte ich das getan, würden wir ein anderes Gespräch führen“, räumte der Mediziner laut „Daily Mail“ während der Anhörung ein. Der Tod von Emily hätte „mit der richtigen Behandlung an der richtigen Stelle vermieden werden können“, so der Hausarzt der Verstorbenen weiter. Die 16-Jährige, welche an einer milden Form von Autismus litt, habe ihr Leben lang mit Darm-Problemen zu kämpfen gehabt, doch sei die Ursache hierfür nie aufgeklärt worden. Die Mutter Geraldine Titterington (59) konnte ihre Tochter laut Angaben des Hausarztes, trotz intensiver Bemühungen, in den vergangen Monaten und Jahren nicht überzeugen, sich gründlich medizinisch untersuchen zu lassen. (fp)