Tollwut durch todbringende Bisse von Hunden

Heilpraxisnet

Indiens Kampf gegen Tollwut

26.09.2014

Tollwut fordert jedes Jahr weltweit etwa 55.000 Menschenleben. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben allein in Indien jährlich 18.000 bis 20.000 Menschen an den Viren. Tollwut wird durch Bisse von erkrankten Hunden, Affen, Schakalen oder Katzen übertragen – und davon gibt es in Indien unzählige. Entsprechend schwer ist der Kampf gegen das Virus, zumal der Impfstoff knapp und teuer ist.

Tollwut wird durch bissige Hunde, Katzen, Affen und Schakale übertragen
Immer wieder müssen Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger im Maharishi Valmiki Hospital in der der indischen Hauptstadt Neu Delhi mit ansehen, wie Menschen an der Tollwut sterben. Als besonders schlimm erlebt Krankenschwester Sunil Yadav die Verwzweiflung von Eltern, die ihre Kinder zu spät in die Klink bringen, nachdem sie von Hunden oder Affen gebissen wurden. Denn die meisten Menschen in Indien wissen nicht, dass Tollwut immer tödlich endet, wenn der Erreger das Gehirn erreicht und eine Hirnhautentzündung auslöst. Doch die Aufklärung über die todbringende Erkrankung gestaltet sich schwierig. Am Sonntag soll der Welt-Tollwuttag über das Virus informieren.

Schnell Hilfe nach Tierbissen rettet Leben
Nachdem ein Mensch von einem infizierten Tier gebissen wurde, bleibt der Erreger für etwa drei Tage in der Nähe der Eintrittspforte, wo er sich vermehrt und dann über die Nervenfasern der peripheren Nerven ins Rückenmark und schließlich ins Gehirn wandert. Hat er das zentrale Nervensystem erreicht gelangt er unter anderem auch zu den Speichel- und Tränendrüsen, wo er mit deren Sekret ausgeschieden wird. Viel schneller erreicht der Virus das zentrale Nervensystem jedoch, wenn der Erreger durch den Tierbiss direkt in die Blutbahn gelangt. Eine Impfung ist nur während der Frühphase in den ersten Stunden nach dem Biss wirksam. Sobald das Virus das Gehirn erreicht hat, kommt jede Hilfe zu spät.

Nicht jeder Betroffene kann in Indien eine Behandlung gegen Tollwut erhalten
„Wir bringen jeden, der zu uns kommt, zuerst in den Waschraum", erläutert Yadav gegenüber der Nachrichtenagentur. Dort wird die Wunde mehrere Minuten lang akribisch gespült, gereinigt und mit Jod behandelt. Dadurch lasse sich die Zahl der Viren im Blut um bis zu 80 Prozent reduzieren, berichtet die Krankenschwester. Anschließend erhalte der Patient im gegenüberliegenden Raum das Tollwut-Immunglobulin in Form von Injektionen um die Wunde und in den Arm. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass der Erreger von der Wunde aus ins zentrale Nervensystem gelangt.

Eine solche Behandlung wird in Indien jedoch nur wenigen zuteil. „Jeder, der gebissen wird, sollte ein Serum erhalten", erklärt der Mediziner Mukesh Naran, der das Tollwut-Projekt in dem Krankenhaus leitet, gegenüber der Nachrichtenagentur. Aber dieser Wunsch scheint aussichtslos zu sein. Laut UN-Schätzungen leben allein im Großraum Delhi rund 25 Millionen Menschen, den benötigten Impfstoff hält aber lediglich das Maharishi Valmiki Hospital als einzige staatliche Klinik vorrätig. „Das liegt am Preis: Eine Flasche mit Serum kostet 5000 Rupien", so Naran. Das entspricht etwa 64 Euro. In privaten Krankenhäusern, dem Großteil der Kliniken, müssen die Patienten die Kosten selbst tragen, aber das können sich nur die wenigsten leisten.

Weg zum einzigen staatlichen Krankenhaus mit Behandlungsmöglichkeiten von Tollwut ist häufig zu beschwerlich
Häufig scheitert eine Tollwut-Behandlung bereits am Transport des Patienten. Krankenwagen oder Shuttle aus anderen Kliniken zum Maharishi-Valmiki-Hospital stehen nicht zur Verfügung. „Die Menschen kommen mit Bussen, Auto-Rikschas, Autos, Fahrrädern oder laufen zu uns", berichtet der Arzt. Das gestaltet sich häufig schwierig, da die Klinik 35 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegt. Die Anreise ist deshalb für viele Menschen sehr beschwerlich, nicht zuletzt aufgrund einer schlechten Infrastruktur.

Jährlich erliegen bis zu 20.000 Menschen in Indien der Tollwut. Das entspricht mehr als einem Drittel der weltweiten Todesfälle. Besonders tragisch daran ist, dass es eine vorbeugende Impfung gibt, die in Ländern wie Indien die Zahl der Betroffenen deutlich reduzieren könnte. Da die Impfung aber mehrere Injektionen an verschiedenen Tagen erfordere und zudem alle zwei bis fünf Jahre aufgefrischt werden müsse, werde diese Möglichkeit häufig nicht genutzt, berichten die Mediziner. Das Prozedere sei zu kompliziert und aufwendig.

Impfung von bissigen Hunden gegen Tollwut ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein
Eine andere Möglichkeit, Tollwut zu bekämpfen steht darin, den Überträger, insbesondere Straßenhunde, einzufangen und zu impfen. In Indien soll aber mindestens 25 Millionen wilde Hunde geben. Ein Gesetz aus dem Jahr 2001 verbietet die Tötung der Tiere. Dennoch wird versucht, „die Gefahr durch die Tiere einzudämmen", erläutert Ashwath Narayana, Geschäftsführer der Tollwut-Stiftung in Asien, gegenüber der Nachrichtenagentur. „Deswegen werden die Hunde – vor allem in den urbanen Zentren – eingefangen, geimpft, sterilisiert, und wieder freigelassen." Das ist aber nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, denn man müsste 80 Prozent der Hunde impfen, um gegen sie anzukommen, berichtet Gadey Sampath, Arzt am Institut für Präventionsmedizin in Hyderabad, im Gespräch mit der Agentur. Zudem hält der Impfschutz der Tiere lediglich ein Jahr, so dass die Prozedur regelmäßig wiederholt werden müsste. Das würde jedoch einer landesweiten, koordinierten Aktion bedürfen. „Aber Tollwut wird nicht als Epidemie betrachtet", so Sampath.

Der 11-jährige Mudasir Ahmad aus Srinagar im Kaschmir-Tal wurde Opfer einer Beißattacke von Straßenhunden. Fast 125 Mal wurde das Kind gebissen und schwer verletzt. „Als wir ihn sahen, lag er in einer Blutlache, und mehr als 20 Hunde bellten um ihn herum", berichtet sein Onkel Riyaz Ahmad gegenüber der Nachrichtenagentur. Das Kind musste mehrfach operiert werden, da er unter anderem schwere Verletzungen am Kopf hatte. Zudem erhielt Mudasir das Tollwut-Serum. „Wir haben Geld und konnten uns die Behandlung leisten", konstatiert sein Onkel. „Aber was ist mit den Armen, wer hilft denen?“ (ag)

Bild: Marc Holzapfel / pixelio.de