Tollwutgefahr durch Fledermäuse: Tiere niemals mit bloßen Händen anfassen

In den vergangenen Wochen wurden an verschiedenen Orten Deutschlands tollwütige Fledermäuse gefunden. Experten warnen davor, die Tiere mit bloßen Händen anzufassen. (Bild: Geza Farkas/fotolia.com)
Alfred Domke
Tollwutvirus festgestellt: Finger weg von Fledermäusen
In den vergangenen Wochen sind an verschiedenen Orten Deutschlands tollwütige Fledermäuse festgestellt worden. Tollwut zählt noch immer zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten. Unbehandelt kann sie zu einer tödlichen Enzephalitis (Gehirnentzündung) führen. Experten raten, Fledermäuse nicht mit bloßen Händen anzufassen.

Festgestelltes Virus kann bei Menschen zu Tollwut führen
Der Landkreis Oder-Spree (Brandenburg) hat vor tollwütigen Fledermäusen gewarnt. „Die verhaltensauffälligen Fledermäuse waren in der Gemeinde Grünheide und in Eisenhüttenstadt hilflos aufgefunden worden“, heißt es in einer Mitteilung. Das Landeslabor Berlin-Brandenburg konnte bei beiden Tieren den Europäischen Fledermaus-Tollwutvirus Typ I nachweisen. „Der festgestellte Virustyp kann durch Bissverletzungen oder Kontakt auch beim Menschen zu Tollwuterkrankungen führen“, warnt der Landkreis.

In den vergangenen Wochen wurden an verschiedenen Orten Deutschlands tollwütige Fledermäuse gefunden. Experten warnen davor, die Tiere mit bloßen Händen anzufassen. (Bild: Geza Farkas/fotolia.com)
In den vergangenen Wochen wurden an verschiedenen Orten Deutschlands tollwütige Fledermäuse gefunden. Experten warnen davor, die Tiere mit bloßen Händen anzufassen. (Bild: Geza Farkas/fotolia.com)

Frau wurde von Fledermaus gebissen
Auch im niedersächsischen Wittmund ist bei einer Fledermaus Tollwut festgestellt worden. Laut einer Meldung der „Nordwest-Zeitung“ (NWZ) hatte das Tier eine Frau gebissen, die die Fledermaus tagsüber entdeckt und sie mit Gartenhandschuhen aufheben wollte. „Die Frau ist geimpft worden und hat Gegenmittel bekommen“, erklärte Dr. Norbert Heising, Leiter des Zweckverbands Veterinäramt Jade-Weser mit Sitz in Roffhausen, in der NWZ.

Fledermaustollwut unterscheidet sich von der bei Füchsen
Wie der Veterinär erläuterte, handelt es sich bei der Fledermaustollwut um ein eigenes Geschehen, das von der gefährlicheren Tollwut der Füchse und anderer Tiere zu unterscheiden ist: Seiner Aussage nach ist Tollwut bei Fledermäusen insbesondere in Norddeutschland nicht außergewöhnlich.

Den Angaben zufolge ist bei an Tollwut erkrankten Tieren lediglich der Speichel infektiös. „Infizierte Fledermäuse gehen auch nicht aktiv auf Menschen oder andere Tiere los. Eine Übertragung des Tollwutvirus’ von Fledermäusen auf den Menschen ist selten, aber nicht ausgeschlossen“, so Heising.

Gefahr in Deutschland größtenteils gebannt
Die Tollwut gilt noch immer als eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten weltweit. Über 15 Millionen Menschen werden jedes Jahr mit einem Verdacht auf Tollwut behandelt. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sterben jährlich zwischen 50.000 und 60.000 Menschen an der vermeidbaren Krankheit. Die meisten davon in Asien und Afrika.

Deutschland zählt zu den Ländern Europas, in denen die Tollwut bei Wild- und Haustieren getilgt werden konnte, Fledermäuse stellen jedoch weiterhin ein natürliches Reservoir für Tollwuterreger dar.

Nach einem Biss unbedingt zum Arzt
Die durch Viren ausgelöste Tollwut verursacht – bei Ungeimpften – in vielen Fällen eine tödliche Enzephalitis (Gehirnentzündung). Kommt es zu einem Biss, muss die Stelle gründlich gereinigt und ein Arzt aufgesucht werden. Wenn erst abgewartet wird, ob Tollwut-Symptome auftreten, dann ist es in der Regel bereits zu spät für eine Therapie. Eine Infektion mit dem Tollwut-Erreger wird normalerweise mit einer sofortigen aktiven Impfung und mit speziellen Antikörpern (Immunglobulin) behandelt. Auch eine vorbeugende Impfung steht zur Verfügung.

Zu den ersten Anzeichen der Erkrankung zählen unspezifische Symptome wie Fieber, ein allgemeines Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen Typische Tollwut-Symptome, die in 50 bis 80 Prozent der Fälle auftreten, sind Juckreiz und Schmerzen oder Empfindungsstörungen in der Nähe des Bisses. In diesem Stadium kann es für eine Behandlung bereits zu spät sein.

Tiere nicht mit bloßen Händen anfassen
Das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Landkreises Oder-Spree rät zu einem vorsichtigen Umgang mit wildlebenden Tieren: „Wildtiere sollten nicht berührt werden! Das Einfangen bzw. Bergen von kranken, verletzten oder toten Wildtieren muss mit Sachkunde erfolgen.“

Laut den Experten liegen tollwutkranke Fledermäuse zumeist am Boden und zeigen abnormes Verhalten wie das Attackieren naheliegender Gegenstände, Orientierungsschwierigkeiten oder Flugunfähigkeit.

Egal ob bei scheinbar gesunden, kranken oder verletzten Tieren: Fledermäuse sollten nur mit Schutzhandschuhen angefasst werden, die vor Bissverletzungen und Infektion mit Krankheitserregern schützen. (ad)

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