Top-Chirurg ist weg: Patienten überleben eher

Heilpraxisnet

Top-Chirurg ist weg: Patienten mit besseren Überlebenschancen

27.01.2015

Wie bei anderen Krankheiten auch, geht man davon aus, dass ein Herzinfarkt am besten in einer Spezialklinik und idealerweise auch gleich von Chefarzt behandelt werden soll. Doch wenn der Stellvertreter des Top-Chirurgen eines Krankenhauses operiert, sind die Überlebenschancen für den Patienten offenbar höher.

Top-Chirurg beim Ärzte-Kongress
Wenn gesundheitliche Probleme mit dem Herzen medizinische Hilfe erfordern, hätte man meist am liebsten, in einer speziell dafür ausgerüsteten Klinik und dann auch gleich noch vom Chefarzt persönlich behandelt zu werden. Dass das meist aber ein Wunschdenken bleibt, ist offenbar für die Patienten von enormen Vorteil. Denn wie das Schweizer Internetportal „20min.ch“ schreibt, berichten Forscher der Harvard Medical School in Boston, dass Betroffene, deren Herz verrückt spielt, ein Krankenhaus aufsuchen sollen, dessen Top-Chirurg an einem Ärzte-Kongress weilt.

Höhere Todesrate bei Anwesenheit des Top-Chirurgen
Für ihre Studie hat das Team um Anupam Jena die Daten von mehreren zehntausend Patienten untersucht, die zwischen 2002 und 2011 mit Herzversagen, Herzinfarkt oder Herzstillstand in eine Klinik eingeliefert wurden. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse vor kurzem im Fachjournal „Jama Internal Medicine“. Bei der Untersuchung fiel auf, dass die Todesrate bei den schweren Fällen immer dann niedriger war, wenn zeitgleich ein Kardiologenkongress stattfand. So starben 60 Prozent der Behandelten innerhalb von 30 Tagen, wenn der Top-Chirurg außer Haus war. Wenn er jedoch anwesend war und sich um die Patienten kümmerte, waren es hingegen 70 Prozent.

Stellvertreter nehmen weniger komplex Eingriffe vor
Dies zeige, dass die Risiken eines operativen Eingriffs häufig größer sind als die Vorteile, meinen die Forscher. Offen sei jedoch, ob das daran liegt, dass die Stellvertreter weniger komplexe Eingriffe vornehmen und damit auf Nummer sicher gehen. Die Wissenschaftler raten aber davon ab, die gängige Praxis ohne weitere Forschung zu ändern. Sie werten ihre Ergebnisse „20min.ch“ zufolge vielmehr als Hinweis darauf, dass schwer kranke Menschen häufig zu schnell operiert würden.

Herzinfarkt-Risiko durch gesündere Lebensweise verringern
Die Zahl der Todesfälle durch Herzinfarkte ist zwar in Europa in den letzten Jahren leicht zurückgegangen, aber noch immer sterben viel zu viele Menschen daran. Experten zufolge ließe sich die Anzahl enorm verringern, eventuell sogar halbieren, wenn die Menschen gesünder leben würden. Zu den Risikofaktoren gehören unter anderem Diabetes und Bluthochdruck; Erkrankungen die oft mit Übergewicht beziehungsweise Adipositas einhergehen. Fachleute raten daher, sich mehr zu bewegen, weniger, aber besser zu essen, den Fleischkonsum zu reduzieren und vor allem nicht zu rauchen. (ad)

Bild: Martin Büdenbender / pixelio.de