Tragische Krankheit: Krebs-Tumore trifft junge Erwachsene besonders dramatisch

Alfred Domke
Warum eine Krebs-Erkrankung junge Erwachsene besonders hart trifft
Die Diagnose Krebs ist für alle Menschen ein schwerer Schlag. Junge Erwachsene, die daran erkranken, haben es meist besonders schwer. Sie befinden sich häufig noch in der Ausbildung oder im Studium. Zudem werden sie oft nicht optimal versorgt.

Hilfe für junge Krebskranke verbessern
Warum gerade ich? Wie soll ich mein Leben weiter führen? Welche Schmerzen kommen auf mich zu? Solche Fragen tauchen meist sofort auf, wenn bei Patienten Krebs diagnostiziert wird. Jeder muss dann schnell für sich eine Antwort auf die Frage „Was ist jetzt wichtig?“ finden. Junge Menschen, an Krebs erkranken, trifft die Diagnose oft besonders stark. Nicht wenige von ihnen befinden sich mitten im Studium, manche haben kleine Kinder. Die Stiftung „Junge Erwachsene mit Krebs“ will die Hilfe für Patienten in dieser Altersgruppe verbessern.

Die Diagnose Krebs ist für alle Menschen zunächst ein Schock. Besonders hart trifft es junge Patienten. Sie stehen finanziell oft noch nicht auf eigenen Beinen oder haben kleine Kinder. (Bild: auremar/fotolia.com)
Die Diagnose Krebs ist für alle Menschen zunächst ein Schock. Besonders hart trifft es junge Patienten. Sie stehen finanziell oft noch nicht auf eigenen Beinen oder haben kleine Kinder. (Bild: auremar/fotolia.com)

Gravierender Einschnitt in der Lebensplanung
Die Idee für die von der von der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) gegründeten Stiftung „fußt auf auf dem Wissen, dass eine Krebsdiagnose besonders für Patientinnen und Patienten im Alter von 18 bis 39 Jahren einen gravierenden Einschnitt in die gesamte Lebens- und Zukunftsplanung bedeutet“, schreibt die Stiftung auf ihrer Webseite.

„Dabei unterscheiden sich die Problemstellungen und Herausforderungen deutlich sowohl von Patientinnen und Patienten aus dem Bereich der pädiatrischen Onkologie als auch der Onkologie bei Erwachsenen ab 40 Jahre“, heißt es dort weiter.

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Junge Erwachsene mit Krebs sind in der Kinderonkolgie besser aufgehoben
Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa berichtete die Stiftung, dass im Schnitt jährlich rund 15.000 Menschen im Alter von 18 bis 39 Jahren an Krebs erkranken. Bei insgesamt rund 480.000 neuen Krebserkrankungen pro Jahr sind das fast drei Prozent.

Da Ärzte bei jungen Patienten nicht immer sofort an Krebs denken, können sich Diagnosen verzögern. Mediziner nehmen bei ihnen zudem mitunter Wartezeiten, zum Beispiel auf Kernspin-Untersuchungen, in Kauf. „Ich bin manchmal geschockt, wie da der zeitliche Ablauf ist“, sagte der Göttinger Kinder-Onkologe Christof Kramm zur Krebsbehandlung von Erwachsenen.

Für krebskranke junge Erwachsene sei es demnach besser, sich in der Kinderonkologie einer Klinik behandeln zu lassen. „Ein 23-Jähriger wird von der Gesamtatmosphäre einer Kinderstation sicher besser getragen, als wenn er neben einem 80-Jährigen liegt“, so Kramm. Zum einen gebe es auf Stationen für Kinder und Jugendliche einen besseren Betreuungsschlüssel, zum andern seien auch mehr Psychologen und Sozialarbeiter im Einsatz.

Manche Krebsarten treffen Jüngere öfter
Manche Krebsarten treffen junge Erwachsene überdurchschnittlich oft. Dazu gehören laut der Stiftung Hautkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Hodenkrebs, Brustkrebs, Sarkome (befallenes Knochen-, Knorpel- und Fettgewebe) und das Hodgkin-Lymphom (befallenes Lymphsystem).

Sorge wegen fehlender finanzieller Absicherung
Eine große Rolle spielt bei jungen Betroffenen auch die fehlende finanzielle Absicherung: „Plötzlich sehen sich die Patientinnen und Patienten mit besonderen Problemen und Entscheidungen auch außerhalb der Krankheit konfrontiert: Kinderwunsch und Familienplanung, eine mögliche Unterbrechung des Ausbildungsweges oder wirtschaftliche und soziale Notlagen. Themen, die neben der bestmöglichen medizinischen Krebstherapie in den Vordergrund rücken“, heißt es auf der Webseite der Stiftung.

Krebskranken wurde Wohnung gekündigt
„Wir hatten hier Fälle, bei denen Studenten mit Krebs das BAföG gekürzt oder ihre Wohnung gekündigt wurde“, erklärte Stiftungsprecherin Frauke Frodl in der dpa-Meldung. „Im Gegensatz zu Kindern, Jugendlichen und älteren Patienten kommt auch dem Thema Kinderwunsch übergeordnete Bedeutung zu“, erläuterte Inken Hilgendorf, Onkologin am Universitätsklinikum Jena.

Auf jeden Fall müsse von Anfang an das Risiko drohender Unfruchtbarkeit als Folge notwendiger Therapien thematisiert werden. Nach Stiftungsangaben finanzieren Krankenkassen das Einfrieren von Eizellen und Spermien vor Chemotherapien in der Regel nicht. Haben junge Erwachsene zum Zeitpunkt der Diagnose bereits eine Familie gegründet, belastet sie die Sorge um das Kind und die Trennung während der Klinikaufenthalte.

Gute Heilungsraten
Erfreulich ist, dass es mittlerweile bessere Therapien für junge Erwachsen mit Krebs gibt. Die Heilungsrate ist gut, rund 80 Prozent der jungen Erkrankten überstehen die Krankheit. Allerdings gibt es bislang nur wenige Studien zu den Langzeitfolgen erfolgreicher Therapien bei Menschen zwischen 18 und 39 Jahren.

Laut dem Leiter des Deutschen Kinderkrebsregisters an der Universitätsmedizin Mainz, Peter Kaatsch, habe bei Erwachsenen, die als Kinder wegen Krebs behandelt wurden, ein zweistelliger Prozentsatz Spätfolgen wie Nieren- oder Hirnschäden. Ein künftiges Ziel der Therapie müsse sein, dass die Patienten den Krebs möglichst ohne Spätfolgen überstehen. (ad)