Training an der Spielkonsole hilfreich bei Rheuma

Fabian Peters
Übungen an der Spielkonsole können gegen Rheumatoide Arthritis helfen
Kann das Training an einer Spielkonsole Rheumapatienten helfen? Dieser Frage sind Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin in einer aktuellen Studie nachgegangen. Das Ergebnis war durchaus positiv. Insbesondere „der motivierende Aspekt einer Spielkonsole spielt eine zentrale Rolle, unabhängig vom Patientenalter und der Krankheitsdauer“, so die aktuelle Mitteilung der Charité.

Die Forscher untersuchten in ihrer Studie, „ob ein animiertes Heimübungsprogramm unter Nutzung einer Spielkonsole machbar und lohnend für ein regelmäßiges, gezieltes Training bei Rheumaerkrankungen ist.“ Bei Patienten, die ansonsten keine physiotherapeutische Behandlung erhalten, waren die Übungen zur Bewegungsförderung gut geeignet, berichten die Wissenschaftler. Ihre Ergebnisse haben sie in dem Fachmagazin „BMC Musculoskeletal Disorders“ veröffentlicht.

Bei der Rheumatoiden Arthritis werden die Gelenk zunehmend zerstört und in ihrer Funktion eingeschränkt. Training an der Spielkonsole kann helfen, die Beweglichkeit länger zu erhalten. (Bild hriana/fotolia.com)
Bei der Rheumatoiden Arthritis werden die Gelenk zunehmend zerstört und in ihrer Funktion eingeschränkt. Training an der Spielkonsole kann helfen, die Beweglichkeit länger zu erhalten. (Bild hriana/fotolia.com)

Gelenkfunktion möglichst lange erhalten
Die Rheumatoide Arthritis ist die häufigste Form einer chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankung. Langfristig nehmen die Gelenke durch die Krankheit erheblichen Schaden, was mit zunehmenden Bewegungseinschränkungen einhergeht. „Damit die Funktionen der Gelenke möglichst lang erhalten bleiben, sind Physiotherapie und körperliche Bewegung für Rheumapatienten von zentraler Bedeutung“, erläutern die Forscher der Charité. Vielen Betroffenen fehle die Anleitung zur Bewegung und/oder der Zugang zu einer Bewegungstherapie.

Spielkonsolen-Training mit positiven Effekten
Hier können Übungsprogramme mit Hilfe einer Spielkonsole tatsächlich eine alternative, unterstützende Option für Patienten mit rheumatoider Arthritis darstellen, berichten die Wissenschaftler. Laut Studienautor Jan Zernicke von der Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie an der Charité hat das Training an der Spielkonsole „im Vergleich zu herkömmlichen heimbasierten, physiotherapeutischen Übungen“ vergleichbare Effekte. Zudem könne mit dem Spielkonsolen-Training „mehr Spaß in das Behandlungskonzept gebracht werden, was die Therapietreue und somit die Wirksamkeit erhöht“, so Zernicke weiter.

Neue Trainingsmethode an Rheumapatienten getestet
Im Rahmen der Pilotstudie wurde das Training an der Spielkonsole über ein halbes Jahr an Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis getestet. Alle Probanden zeigten eine niedrige Krankheitsaktivität unter Therapie mit einem biologischen Basismedikament, berichtet die Berliner Charité. Zunächst erfolgte eine detaillierte Einführung in das eigenständige Training. 15 Patienten erlernten ein konventionelles heimbasiertes physiotherapeutisches Übungsprogramm und weitere 15 Patienten nahmen ein definiertes animiertes Übungsprogramm an einer Spielkonsole war. „Nach zwölf Wochen wechselten die Patienten in die jeweils andere Behandlungsgruppe für einen Behandlungszeitraum von ebenfalls zwölf Wochen“, berichtet die Berliner Charité.

Verbesserung der physiologischen Funktionen
Die Auswertung der Ergebnisse habe gezeigt, dass Übungsprogramme an Spielkonsolen für die Nutzung zu Hause durchaus einen therapeutischen Effekt mit sich bringen. „Beide Gruppen weisen nach dem Therapiezeitraum die gleichen aus“, berichtet Zernicke. Die Gesamtmuskelkraft sei um etwa zwölf Prozent gestiegen und die Gehleistung habe sich um durchschnittlich fünf Prozent erhöht. Die Vorteile der zeitlichen Flexibilität und der unterhaltsamen Ausführung scheinen den Nachteil der nicht angeleiteten und möglicherweise nicht optimalen Bewegungsausführung auszugleichen, so die Mitteilung der Charité.

Ermutigende Forschungsergebnisse
Nach Auffassung der Forscher sind die Ergebnisse ermutigend für Patienten mit rheumatischen Erkrankungen. Gemeinsam mit ihren Physiotherapeuten und Rheumatologen könne eine ergänzende Behandlung mit diesem oder ähnlichen animierten Übungsprogrammen besprochen werden. Auch sei die physiotherapeutische Betreuung aus der Ferne per PC und Webcam heute bereits keine Fiktion mehr. In Flächenländern wie Kanada werde diese schon praktiziert und könne eine ergänzende Option der Rheumabehandlung sein. (fp)