Transfette: Wo die gefährlichen Fettsäuren lauern

Sebastian
Speisen, die mit sehr fettreich sind, sind nicht nur schlecht für die Figur. Wer zu viel ungesunde Nahrungsmittel zu sich nimmt, schädigt damit nachgewiesenermaßen sein Herz, die Gefäße, Gelenke und das Gehirn. Ursächlich sind die schädlichen Transfette. Aus diesem Grund will nun die USA mit gutem Beispiel vorangehen und die gefährlichen Fettsäuren verbieten. Denn gerade in den Staaten ist Adipositas stark verbreitet. In den nächsten drei Jahren sollen die Transfette aus den Lebensmitteln entfernt sein. In Deutschland existiert eine solche Gesetzesinitiative nicht. Es gibt noch nicht einmal Grenzwerte. So müssen Verbraucher selbst darauf achten, welche Nahrungsmittel nicht den Körper schädigen.
Pommes, Kartoffelchips oder Kekse
Seit Jahren warnen Experten: Transfette sind eine alltägliche Gesundheitsgefahr. Die ungesättigten Fettsäuren wirken sich negativ auf den Cholesterin-Spiegel aus und fördern so die Entstehung von Arteriosklerose und erhöhen das Risiko für koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt und Schlaganfall. Zudem zeigte sich in Studien, dass Transfette mitverantwortlich sind für Bluthochdruck, Übergewicht und Adipositas sowie Diabetes. Auch Ungeborenen können sie Untersuchungen zufolge schaden. Transfette sind künstlich gehärtete Fette, die unter anderem beim industriellen Härten von Ölen entstehen. Da der Körper Transfette nicht verarbeiten kann, gelten diese als noch schädlicher als gesättigte Fettsäuren. Zu den Lebensmitteln, in denen besonders viel dieser Fette enthalten sind, gehören unter anderem Backwaren, vor allem mit Blätterteig, Fertiggerichte, frittierte Speisen wie Pommes, Kartoffelchips und Kekse. Seit Jahren fordern Gesundheitsexperten ein konsequenteres Vorgehen gegen solche Fette in der Nahrung. So hatte etwa die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Anfang des Jahres darauf hingewiesen, dass es weltweit Millionen Tote durch ungesunde Lebensweise zu verzeichnen gibt und diese Zahl durch Maßnahmen wie ein Verbot der Tabak- und Alkoholwerbung und den Ersatz von Transfetten deutlich zu reduzieren wäre. In den USA wurden die Behörden nun aktiv: Dort müssen Transfette binnen drei Jahren aus Lebensmitteln verschwunden sein.

Transfette lauern vor allem in Fastfood-Speisen. Bild: photo 5000 - fotolia
Transfette lauern vor allem in Fastfood-Speisen. Bild: photo 5000 – fotolia

Behörden in den USA wurden schon vor Jahren aktiv
Die US-Lebensmittelbehörde FDA begründete das Verbot damit, dass die ungesättigten Fettsäuren nicht sicher zum Verzehr seien. Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur AFP werde von der Behörde erwartet, dass mit dem Verbot koronare Herzkrankheiten reduziert und jährlich Tausende Herzattacken verhindert werden könnten. Zwar sei der Verzehr bereits deutlich zurückgegangen, doch das aktuelle Niveau stelle noch immer eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit dar. Schon seit 2006 müssen Lebensmittelhersteller in den USA auf der Verpackung den Anteil von Transfetten im jeweiligen Produkt angeben. 2013 erklärte die FDA, dass die ungesättigten Fettsäuren, die beim Härten von Pflanzenöl entstehen, nicht als „grundsätzlich sicherere“ Bestandteile für Lebensmittel betrachtet werden könnten.

Gesundheitsgefahr durch Transfette. Bild: MAN AT MOUSE - Fotolia
Gesundheitsgefahr durch Transfette. Bild: MAN AT MOUSE – Fotolia

Transfette müssen binnen drei Jahren verschwinden
Die Produzenten müssen nun binnen drei Jahren Transfette aus ihren Waren entfernen. Lediglich in Ausnahmefällen ist mit Zustimmung der FDA ihre Verwendung in Lebensmitteln zulässig. Der FDA-Chef Stephan Ostroff erklärte: „Das Vorgehen der FDA gegen diese bedeutende Quelle künstlicher Transfette zeigt das Engagement der Behörde für die Herzgesundheit aller Amerikaner.“ In Deutschland müssen Transfette nur auf Lebensmitteln deklariert werden, die der Diät-Verordnung unterliegen, wie etwa Säuglingsnahrung. Doch auch auf vielen anderen Produkten finden sich Hinweise auf die Fette. Wie die „Zeit Online“ berichtet, erklärte die Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), dass die Hersteller Transfette hierzulande freiwillig ausweisen können. „Als Verbraucher muss ich darauf achten, ob unter den Inhaltsstoffen „gehärtete“ oder „zum Teil gehärtete Fette“ auftauchen“, so die Expertin. „Falls ja, weiß ich, dass Transfette enthalten sind, jedoch nicht in welcher Menge.“ Bei unverpackten Lebensmitteln können Verbraucher jedoch kaum herausfinden, ob Transfette enthalten sind.

Keine Maßnahmen in Deutschland geplant
„Höchstens 1 Prozent der täglich aufgenommenen Kalorien sollte von Transfetten stammen“, erläuterte Walter Vetter vom Institut für Lebensmittelchemie der Uni Hohenheim. „Bis zu 80 Prozent decken wir täglich bereits über Milchprodukte ab, weshalb es ratsam ist, daneben auf Lebensmittel zu verzichten, die Transfette enthalten.“ Es handelt sich dabei um einen Richtwert und nicht um eine offizielle Höchstgrenze. Wie die „Zeit“ weiter schreibt, sei vom Bundesinstitut für Risikobewertung derzeit nicht geplant, stärker gegen Transfette vorzugehen, da die meisten Menschen in Deutschland die Verzehrgrenze gar nicht erst erreichen. Andere EU-Ländern sind da weiter. „Dänemark gilt als Vorreiter“, erklärte der Ernährungswissenschaftler Stefan Lorkowski. „Seit 2003 hat das Land eine gesetzliche Obergrenze von maximal zwei Prozent für industriell hergestellte Transfettsäuren im Fettanteil von Lebensmitteln vorgeschrieben.“ Daraufhin legten auch Österreich, Ungarn, Island, Norwegen und die Schweiz Höchstgrenzen fest. Allerdings seien Zutaten, die Transfette ersetzen können, auch oft tückisch. „Speisen alternativ mit Pflanzenölen statt mit gehärteten Fetten zu frittieren, ist nicht unbedingt gesünder“, so Walter Vetter. Häufig seien in den Alternativen weitere toxische Stoffe enthalten, die auf andere Weise Schäden anrichteten. In den USA wird das Verbot von vielen Experten begrüßt. „Die Aktion wird jährlich viele Tausend Leben retten“, sagte Michael Jacobson vom Center for Science in the Public Interest. Firmen, die weiter Transfette in ihren Produkten verwenden wollen, müssen in Zukunft die FDA um Erlaubnis bitten und strenge Sicherheitsbestimmungen einhalten. (ad)

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