Traurige Filme fördern Lust auf fettiges Essen

Nina Reese

Mehr Lust auf Chips bei traurigen Filmen?

11.06.2013

Eine Situation, die vielen nicht unbekannt ist: Ein trauriger Film am Abend, man schaut gebannt zu und leidet mit – und plötzlich ist die Chipstüte, die gerade noch voll war, schon wieder leer. Doch wie kommt es zu diesem Essverhalten? Mit dieser Frage haben sich nun Würzburger Forscher im Rahmen einer Studie beschäftigt und dabei erkannt, dass offenbar Emotionen das menschliche Geschmacksempfinden beeinflussen – demnach könnten beispielsweise negativ gestimmte Menschen nicht zwischen fettig und fettarm unterscheiden, wenn sie zuvor traurige Filmszenen gesehen haben.

Insgesamt 80 Männer und Frauen für Studie untersucht
Für die aktuelle Studie hatten das Würzburger Forscherteam um die Psychologin Petra Platte „48 Frauen und 32 Männer im Alter zwischen 19 und 47 und einem Body Mass Index (BMI) zwischen 17,5 und 29,71“ untersucht, so die Wissenschaftler in ihrem Fachartikel im Journal PLoS ONE.

Alle Probanden bekamen Filmausschnitte mit lustigen, traurigen und neutralen Szenen präsentiert und wurden vor und nach den Szenen über ihren Gefühlszustand befragt. Zudem wurden die Teilnehmer gebeten, Flüssigkeiten zu trinken und deren Geschmack – süß, sauer oder bitter – jeweils nach seiner Intensität zu bewerten, außerdem sollte auch der Fettgehalt von Milch eingeschätzt werden.

Einschätzung des Fettgehalts nach traurigen Filmszenen oft schwierig
Dabei kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass die Probanden, die grundsätzlich eher negativ gestimmt sind, nicht mehr zwischen fettig und fettarm unterscheiden konnten, wenn sie davor lustige oder traurige Filmszenen gesehen hatten. Nach neutralen Szenen konnten die Teilnehmer den unterschiedlichen Fettgehalt jedoch problemlos einschätzen, ebenso vor dem Anschauen der Szenen – so die Mitteilung der Universität Würzburg.

Menschen in negativer Stimmung stärker in emotionsgeladene Szenen involviert
Nach Einschätzung der Psychologin Platte könnten diese Ergebnisse eine Erklärungshilfe bieten, warum manche Menschen beispielsweise während des Fernsehens mehr Chips und andere fettige Snacks essen als sie es normalerweise tun würden: „Möglicherweise richten Personen, die sich in einer negativen Stimmung befinden, beim Ansehen emotionsgeladener Szenen ihre Aufmerksamkeit viel stärker auf den Film als gut oder neutral gelaunte Menschen", so Platte. Dementsprechend sei in diesem Fall für die Bewertung des Fettgehaltes der Nahrungsmittel keine mentale Kapazität mehr vorhanden: „Die kognitive Kontrolle über das Essverhalten versagt, und man isst wie automatisch“, so die Wissenschaftlerin weiter.

Fettige Snacks portionieren und so die Fettfalle vermeiden
Für Menschen mit Frustrationen oder leichten Depressionen und Gewichtsproblemen könnten bestimmte Filminhalte also den Ergebnissen der Würzburger Forscher nach schnell zur Fettfalle werden – daher empfehlen die Forscher hier, sich selbst Grenzen zu setzen – lieber eine Portion Chips in ein Schälchen abfüllen, anstatt die ganze Tüte auf den Tisch zu legen. (nr)

Advertising

Bild: Hedwig / pixelio.de