Traurige Musik verbessert die Gefühlslage

Heilpraxisnet

Trost finden trotz trauriger Musik

11.11.2014

Obwohl Traurigkeit von den meisten Menschen als unangenehm empfunden wird, ist traurige Musik durchaus beliebt. Hier sind die Forscher Liila Taruffi und Stefan Koelsch von der Freien Universität Berlin in einer aktuellen Studie der Frage nachgegangen, warum viele Leute Traurigkeit in der Musik suchen und schätzen. Ihre Ergebnisse haben sie in dem Fachmagazin „PLOS One“ veröffentlicht.

Traurig möchte normalerweise kein Mensch sein und traurige Mitmenschen wirken oftmals auch drückend auf das eigene Gemüt. Viele versuchen hier zu trösten und für Aufmunterung zu sorgen. Traurige Musik zu hören und den Gefühlen freien Lauf zu lassen, scheint daher in Zeiten der Trauer auf den ersten Blick der falsche Weg. Doch die aktuelle Studie kommt zu dem Schluss, dass „das Hören trauriger Musik vorteilhafte emotionale Effekte wie die Regulierung von negativen Emotionen und Stimmungen haben kann.“ Die traurige Musik spende den Hörerinnen und Hörern offensichtlich Trost, so das Fazit der Forscher.

Positive Wirkung der traurigen Musik
In einer Online-Erhebung hatten die Wissenschaftler 772 Freiwillige aus verschiedenen Kulturkreisen zu deren musikalischen Vorlieben befragt. Anhand von 76 Fragen ermittelten Liila Taruffi und Stefan Koelsch, welche Musik die Probanden in welchen Situationen bevorzugen und welchen Wirkung dies auf ihre Gefühlslage hat. Die Ergebnisse zeigen laut Aussage der Forscher vier verschiedene positive Effekte der traurigen Musik. Sie vermittle ein Gefühl der Empathie, stimuliere die Phantasie, helfe bei der Emotionsregulation und habe keine „Real-Life-Auswirkungen“. Die Hörer können bei den traurigen Liedern ihre Gedanken schweifen lassen und haben das Gefühl ihre Emotionen mit jemandem zu teilen. Sie versetzen sich quasi mit den Interpreten gemeinsam in eine traurige Situation ohne tatsächlich reale Folgen der durchlebten traurigen Phantasien befürchten zu müssen.

Nostalgie statt Traurigkeit
Zwar bevorzugen die meisten Probanden traurige Musik, wenn sie Kummer haben. Doch überraschenderweise ist dabei Nostalgie statt Traurigkeit die häufigste durch traurige Musik hervorgerufene Emotion, erläutern die Forscher den Effekt. Nostalgie wird von ihnen als „bittersüße“ Emotion beschrieben, die sowohl positive als auch negative Aspekte gleichzeitig hat, wie beispielsweise Freude und Trauer. Die Nostalgie sei zudem eng mit dem Abruf von autobiographischen Erinnerungen verbunden. Insbesondere für „Personen mit hohem Einfühlungsvermögen und geringer emotionaler Stabilität“ habe die traurige Musik eine positive Wirkung. Auf Basis der neuen Erkenntnisse könnte traurige Musik in Zukunft möglicherweise auch vermehrt zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden, wobei allerdings noch zu klären bleibt, ob die positive Wirkung sich zum Beispiel auch bei Patienten mit Depressionen bestätigt. (fp)

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